Förderverein des Flechtdorfer Klosters ist Träger des Hessischen Denkmalschutzpreises

„Vorbildliche“ Wiederbelebung

Diemelsee-Flechtdorf - Als einer von neun Preisträgern in ganz Hessen ist der Förderverein des Flechtdorfer Klosters für die Bewahrung historischer Gebäude ausgezeichnet worden.

Der Förderverein des Flechtdorfer Klosters ist einer der neun Gewinner des hessischen Denkmalschutzpreises. Urkunden und Anerkennung für die Arbeit an der Anlage nahmen Vertreter um den Vorsitzende Helmut Walter gestern in Wiesbaden entgegen. „Es muss als Glücksfall für die Denkmalpflege bezeichnet werden, dass die noch erhaltenen Gebäude des Klosters Flechtdorf 2007 vom Förderverein ersteigert wurden“, erklärte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege. Ziel des Vereins sei gewesen, die erhaltene Bausubstanz zu sichern und zu sanieren sowie das Kloster als Begegnungsstätte wiederzubeleben. „Dieses Ziel hat der Verein auf vorbildliche Art und Weise erreicht“, lobte Harzenetter. Ausgezeichnet werde der Verein nicht nur für seinen Einsatz bei der Sanierung des Klosters, sondern auch für sein Engagement in der Denkmalvermittlung. Insgesamt ist der Preis mit 20 000 Euro dotiert: 8000 Euro gehen an den Eigentümer eines ehemaligen Winzerhofs in Geisenheim bei Wiesbaden. Je 4000 Euro erhalten die Eigner der Villa Marienquelle in Wiesbaden, der Villa Wegener in Fulda und des Schlosses Stockhausen in Herbstein (Vogelsbergkreis). Eine Jury hatte die Preisträger aus 30 Vorschlägen ausgewählt.

In den vergangenen Jahren widmete sich der Förderverein besonders dem Erhalt des Abts-hauses, einem der ältesten Teile der Anlage. Es diente ursprünglich als Toranlage des Klosters und zählt zu den wenigen erhaltenen seiner Art in ganz Deutschland. Mit viel Aufwand sanierte der Verein das Dach. Für die Wiederherstellung der Mauern, die aus einem sehr harten, glatten und zerklüfteten Kalkstein bestehen, wurde ein besonderer Mörtel entwickelt, der mittlerweile als „Flechtdorfer Mörtel“ bekannt ist. Die Klosteranlage stammt zum Teil noch aus dem 12. Jahrhundert: Die zunächst günstige Entwicklung endete mit der Reformation. Die waldeckischen Grafen führten die Anlage als landwirtschaftliche Domäne weiter, darin entwickelte sich ein Landeshospital – der Vorläufer des benachbarten Alten- und Pflegeheims. Die von Lotto Hessen gestifteten Preise übergab Boris Rhein, Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst: Alle Preisträger hätten sich in vorbildlicher Weise für die Erhaltung der Kulturdenkmäler in Hessen eingesetzt und zur Erinnerungskultur beigetragen. „Nicht zuletzt wollen wir mit dem besonderen Charme und dem herausragenden Charakter dieser liebevoll hergerichteten Gebäude andere zum Nachahmen animieren“, sagte Rhein. Er lobte die rund 600 hessischen Vereine, die sich derzeit in der Denkmalpflege einsetzen würden. Die Landesregierung stelle dafür in diesem Jahr knapp acht Millionen Euro zur Verfügung. Harzenetter wies darauf hin, dass Denkmaleigentümer nicht nur in den Genuss von Fördermitteln und steuerlichen Vergünstigungen kommen, sondern über die Dauer der gesamte Sanierung ihrer Immobilie eine fachkundige und kostenfreie Beratung in Anspruch nehmen können. Nicht selten sei darüber hinaus durch das gemeinsame Engagement für ein Kulturdenkmal ein ganz neuer sozialer Zusammenhalt erwachsen. Insbesondere in strukturschwachen, ländlichen Regionen habe sich gezeigt, dass die Sanierung eines wichtigen ortsbildprägenden Gebäudes wahre Wunder bewirken könne: „Denn all diese Gebäude mit ihren liebevoll sanierten künstlerischen und baulichen Details sind ortsbildprägend und bringen neuen Schwung in städtebauliche Gefüge.“

Kommentare