Interview mit Conti-Reifen-Vorstand Nikolai Setzer

Vorsprung durch Technik

Korbach - Der Standort Korbach erhält durch das neue Technologiezentrum für 45 Millionen Euro eine herausragende Rolle innerhalb des Continental-Konzerns. WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine sprach mit Nikolai Setzer (Hannover), Reifen-Vorstand bei Continental.

Herr Setzer, wie hat sich Continental dieses Jahr auf dem Reifenmarkt weltweit positioniert? Ist es ein schwieriges Jahr für das Unternehmen oder ein gutes?

Jedes Jahr ist ein schwieriges Jahr – und das nächste wird noch einmal schwieriger. Aber ernsthaft: Das laufende Jahr ist ähnlich geprägt wie in den vergangenen Jahren. Wir verzeichnen tendenziell starkes Wachstum in Asien, insbesondere angetrieben durch China. Wir sind aber auch froh über ein moderates Wachstum in Europa – und in anderen Märkten, in denen wir stark sind.

Hat die Ukraine-Krise mit den folgenden EU-Sanktionen gegen Russland für das Geschäft bei Conti spürbare Auswirkungen?

Nein, das hat keinen direkten Einfluss – wohl aber einen indirekten: Wenn sich diese Regionen künftig schwächer entwickeln, also auch im Hinblick auf die Reifennachfrage, dann werden wir dort zwangsläufig auch weniger Reifen verkaufen können. Direkte Auswirkungen spüren wir somit bisher noch nicht, haben aber dort geringere Zukunftserwartungen.

Continental hat sich mit der „Vision 2025“ im Reifensektor ein großes Ziel gesteckt: in allen Bereichen, ob Forschung, Entwicklung oder Produktion, zu den Besten weltweit zu gehören. Sind Sie auf einem guten Weg?

Ja. Wir haben die „Vision 2025“ im Jahr 2011 gestartet, haben eine Fülle an Investitionen unternommen – am Standort Korbach nunmehr in Produktions- und Prozesstechnologie. Und genau dies ist die Basis, um unsere Ziele bis 2025 zu erreichen. Das läuft bisher nach Plan, und wir können zufrieden sein.

Welche Bedeutung hat das Werk in Korbach unter diesem Blickwinkel für den Continental-Konzern?

Für die Verbindung zwischen Produktion, Prozesstechnologie, Forschung und Entwicklung hat Korbach eine einzigartige Bedeutung. Wir haben ansonsten keinen Standort, an dem 50 Prozent innerhalb der Produktionsprozesse geforscht wird. Reifenwerke müssen 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche laufen, um effizient zu sein. Damit erhält Korbach eine Sonderstellung, von der wir natürlich erwarten, dass immer wieder neue Ideen und Technologien kommen, die uns helfen, auch in den anderen Werken immer besser und effizienter zu werden, noch bessere Reifen zu produzieren – und damit unserem Premium-Anspruch gerecht zu werden.

In den vergangenen Jahren stand im Korbacher Reifenwerk meist im Vordergrund, die Produktionsmengen zu steigern. Heißt das für den Standort künftig, dass Forschung und Entwicklung eine größere Rolle spielen?

Das kann man so sagen. Im neuen „High Performance Technology Center“ sollen ja die schwierigsten und anspruchsvollsten Reifen produziert werden – sowohl sportlich, aber auch ökologisch. Somit wird sich die Produktion in Korbach mehr in diese Richtung bewegen, als allein die Produktionsmengen zu steigern.

Mit dem stärkeren technologischen Schwerpunkt wird Korbach künftig auch stärker im Blickfeld stehen für andere Reifenwerke. Werden wir in Korbach also künftig auch viele Besucher haben aus den Werken weltweit?

Wenn Korbach erfolgreich ist, dann wird das so sein. Je besser wir sind, umso mehr werden nach Korbach kommen. Wir haben bei den Technologieinvestitionen der vergangenen Jahre außerdem festgestellt: Tue Gutes – und zeige es. Das Produkt Reifen ist für viele erst einmal nur schwarz und rund. Nur wenige wissen, was technologisch dahintersteckt. Genau dies möchten wir im neuen HPTC auch visualisieren und den Menschen näherbringen. Daher haben wir die Investition in Korbach aufgestockt, um sie zusätzlich auch mit einem repräsentativen Event-Center auszustatten. Damit sollen nicht nur Kollegen aus anderen Werken, die Experten, Einblick erhalten, sondern auch Kunden und Konsumenten – um zu erfahren, dass Reifen eben nicht nur schwarz und rund sind, sondern ein echtes Hightech-Produkt.

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