Stefan Umbach neuer Revierjäger in Goddelsheim

Wald und Wild immer fest im Blick

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Stefan Umbach (links) und sein wenige Kilometer entfernt angestellter Jägerkollege Bernd Vogt genießen die Aufgaben, die ihnen ihr Job täglich stellt. „Jäger sein ist mehr als Schießen“, wollen sie das Bild ihres Berufes geraderücken.

Lichtenfels-Goddelsheim - Was vielen Waldeck-Frankenbergern ein Hobby ist, ist für Stefan Umbach ein Beruf. Er ist einer der wenigen professionellen Jäger im Landkreis - mit gerade einmal 25 Jahren.

Seit 80 Jahren nutzt die Familie Brand-Friedberg, die am Schraubenhersteller Prepart in Goddelsheim beteiligt ist, das Stadtgebiet zur Jagd. Seit einigen Monaten liegt die Verwaltung des Waldes in der Hand des 25-jährigen Stefan Umbach. Er stammt aus der Eifel und verdient als Revierjäger sein Geld - als einer der ganz wenigen im gesamten Landkreis.

Seinen Beruf verbänden die meisten Menschen ausschließlich mit der Jagd, weiß Umbach, der in Goddelsheim ein neues Zuhause gefunden hat. Doch sein Berufsbild beinhalte so viel mehr: Wild beobachten, Äsungsflächen einrichten, überhaupt viel Zeit in der Natur verbringen. Und auch im Büro, der Verwaltungsaufwand sei nicht zu unterschätzen, so Umbach.

Er sieht sich als Aufklärer über die Nöte und Probleme im Wald. Viele Interessen stießen im Wald und den Randgebieten aufeinander, von Touristen, Walkern, Landwirten, Naturschützern und Jägern. Sie alle unter einen Hut zu bekommen, sei nicht ganz einfach, gibt Umbach zu. Doch er verzagt nicht, will in Kindergärten möglichst früh für Aufklärung sorgen.

Als Sachverständiger für das Rehwild in den 23 Lichtenfelser Revieren ist er in engem Kontakt mit Förstern und Pächtern. Auf 100 Quadratmeter großen Probeflächen hat er die Verbissmenge festgestellt - ein heikles Thema im ländlichen Lichtenfels.

Das weiß der gelernte Forstwirt, der seine Ausbildung zum Jäger in Hamburg und am Niederrhein absolvierte. Der Vater war Jagdaufseher, da lag die Nähe zum Wald schon fast im Blut. „Ich war stark vorbelastet“, lächelt Umbach.

Für Bürgermeister Uwe Steuber, dem die ersten Ergebnisse bereits vorliegen, sind diese „vertretbar“, der Verbiss halte sich in Grenzen. Zudem lobt er die Zusammenarbeit mit Umbach und der Familie Brand-Friedberg: „Die Ent-scheidung zur Anstellung ist für beide Seiten von Gewinn“, ist er überzeugt.

Direkt in seiner Nachbarschaft wohnt und arbeitet Bernd Vogt. 1600 Hektar betreut der 43-Jährige. „Für mich ist damals ein Traum wahr geworden“, erinnert er sich an die Entscheidung, als Revierleiter in Sachsenberg anzufangen. Weitere „Kollegen“ kennen die Jäger nur in Korbach und in Allendorf.

Wald, Wild und Mensch

Der „Wald-Wild-Konflikt“ existiert für Vogt nicht. „Das gibt es nicht. Erst wenn der Mensch sich einmischt, gibt es Probleme“, macht er seine Einstel-lung klar. Ein runder Tisch mit allen Beteiligten könnte viele Unklarheiten beseitigen, sind Umbach und Vogt gemeinsam überzeugt und sehen viele Chancen für die Zukunft.

Hintergrund

Das Feld ist klar aufge-?teilt: Rund 360?000 Inha-?ber eines Jagdscheines gibt es in Deutschland. Hinzu kommen lediglich 650 Berufsjäger, die nach einer Ausbildung in einem Forstbetrieb arbeiten. Rund 50 Ausbildungsbetriebe gibt es nach Angaben des „Bundesverbandes ?Deutscher Berufsjäger“ (BDB). Hier sind jährlich bis zu 25 Auszubildende beschäftigt. Revierjäger ist ein Ausbildungsberuf, der nach drei Jahren abgeschlossen wird. Der BDB sieht den Berufsstand des Jägers im Aufwind. Grund seien ?verringerte Wildschäden und eine höhere Akzeptanz der Jagd, sobald ein professioneller Jäger am Werk sei. Revierjäger erhalten laut Arbeitsagentur „die artenreiche und gesunde Tierwelt in ihrem Revier, sie pflegen und sichern deren Lebensgrundlagen und regulieren den Wildbestand durch eine ökologische, die Belange des Tierschutzes berücksichtigende Jagd.“ Zudem halten sie laut ?Wikipedia Jagdgebrauchshunde, organisieren den Betrieb und kümmern sich um das Bild in der Öffentlichkeit.(den)

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