Markus Heitz präsentiert seinen Urban Fantasy-Thriller Exkarnation in der Stadtbücherei

Wandelwesen und Wehrtiger

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Fantasy-Autor Markus Heitz bei seiner Lesung in der Korbacher Stadtbücherei. Foto: Armin Hennig

Korbach - Mit seiner überaus populären Zwergen-Saga verwandelte Markus Heitz selbst notorische Buchverweigerer über Nacht in wahre Schmökerhelden.

„Exkarnation - Krieg der alten Seelen“, so der Titel seines jüngsten Streichs, klingt dagegen schon sperriger als ein Herr der Ringe aus der Perspektive der kleinsten Fabelwesen.

Deshalb packte der Verfasser zahlreicher Fantasy-Zyklen in seine, von der Buchhandlung Schreiber und der Stadtbücherei Korbach, veranstalteten Lesung, eine Einführung in seine Seelenwanderungslehre, die sich eine unversehens reinkarnierte Frau im Verlauf von 600 Seiten erarbeiten muss.

Seelenwanderung

Claire, die mit Finn einen Irish Pub in Halle betreibt, wird von einem Auto überfahren, als sie ihrem mit der Waffe bedrohten Mann zu Hilfe eilen will. Einen endlosen Augenblick später findet sie sich in einem vollkommen anderen Körper wieder, der für eine ganz andere Seele vorgesehen war.

Der vom Autor als Einstimmung gelesene Prolog schildert, wie ein medizinisches Team in Leipzig auf den Tod von Lene Bechstein wartet, die mittels zahlreicher Schicksalsschläge von den Helfern einer alten Seele in den Selbstmord getrieben wurde, damit ihre Auftraggeberin in einen frischen Körper schlüpfen kann.

Die Mehrzahl der Seelen, so der „Großmeister der deutschen Fantasy“, kehrt beim Tod des Körpers in den allgemeinen Pool zurück und verliert dort die spezifischen Eigenschaften und Erfahrungen des vorhergehenden Lebens.

Starken Seelen gelingt aber die direkte Reinkarnation in einen gerade frei gewordenen Körper und mit jedem direkten Wechsel steigert sich auch die Anzahl der Fähigkeiten, mit denen diese alten Wesen Durchschnittsmenschen dominieren und für ihre Zwecke einspannen können.

Wie eben das Team um Artjon, in dessen Rettungswagen eben nicht die Meisterin, sondern Claire erwacht, die natürlich schnellstmöglichst wieder aus dem ihr nicht zustehenden Körper entmietet werden soll.

Einen Kampf der alten Seelen schilderte der zweite Abschnitt. Im physischen Alter von 32 Jahren ist Charmeteufelin Artemis Stern bereits auf dem Chefsessel des Rathauses von London angekommen und nach der Queen die mächtigste Frau in der Themse-Metropole. Allerdings zeigt ihr ein als BBC-Reporter getarnter Einäugiger beim Interview schnell die Grenzen ihres Charmes auf, während er ihr die existenzielle Frage stellt, wo und in welchem Leben sie sich schon einmal begegnet sind.

Das ausführlichste Kapitel war einem alten Bekannten gewidmet: Eric von Kastell, Hauptheld der Werwolf-Dilogie und Herzensfreund der aus der Judas-Trilogie bekannten Vampirin Sia, folgt der Spur eines „Wehrtigers“ vom Kasino in Monaco bis nach Russland. Im Hauptquartier der Organisation Libra, die sich der „Reinigung schlechter Seelen“ verschrieben hat, soll der Wandelwesen-Jäger mit dem Killer-Instinkt nun seinerseits wie seine bevorzugte Beute unschädlich gemacht, aber nicht getötet werden. Schon fühlt der Werwolfkiller im Tannenharz seine Kräfte schwinden, als ein Überfall von feindlichen Mächten die Lage dramatisch ändert.

Leser unterhalten

In Sachen Auflösung setzte der Erfolgsautor, der die gelesenen Kapitel auch im Internet gepostet hat (http://www.droemer-knaur.de/buch/7985338/exkarnation-krieg-der-alten-seelen bis Seite 50, http://www.mahet.de/site/projekte/horror/krieg-der-alten-seelen/exkarnation-leseproben/ = Duell im Rathaus), ein weiteres Kaufargument.

Bei der eigenen Geschichte ließ Markus Heitz dagegen keine Fragen offen und schilderte freimütig seinen Weg zu den glücklichen „Vier Prozent“ der deutschen Schriftsteller, die von ihren Einkünften leben können. Vor dem Durchbruch mit den „Zwergen“ lagen zehn Jahre als freier Mitarbeiter einer Tageszeitung, in denen ihm ziemlich klar wurde, das er seine Zuhörer bei eigenen Anlässen nicht in den Schlaf lesen, sondern unterhalten und zum Kauf animieren wollte.

Von Armin Hennig

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