Förderbescheide für Biotopverbund Diemelsee übergeben ? Maßnahme zur Klimaanpassung

„Wanderwege“ gegen das Artensterben

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Die Studien zur Schaffung des Biotopverbands können starten: Gebhard Leifels (l.) und Walter Lübcke (r.) übergeben die Förderbescheide der Länder Nordrhein-Westfalen und Hessen an Bürgermeister Thomas Trachte, Verbandsvorsteher des Zweckverbands Naturpark Diemelsee.

Willingen - Gestern wurden die Bewilligungsbescheide für ein ehrgeiziges Projekt des Naturparks Diemelsee übergeben.

„Das Klima wird sich verändern“, weiß nicht nur Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke. Aus diesem Grund kam im Naturschutzbund Deutschland (NABU) vor zwei Jahren die Idee auf, einen Biotopverbund zu gründen: Entlang von „Wanderwegen“ soll es Lebensräumen ermöglicht werden, sich durch Verlagerung in andere Höhen an die Temperaturänderung anzupassen, erklärt Bürgermeister Thomas Trachte, Vorsteher des Zweckverbandes Naturpark Diemelsee. Der Naturpark hatte die Idee aufgegriffen und den Naturschutz-Projektentwickler Prof. Eckhart Jedicke damit beauftragt, die Grundlagen zu klären. Nun geht das Projekt in die nächste Stufe: die Untersuchung der heimischen Lebensräume, der Auswirkungen des Klimawandels auf sie und der Möglichkeiten zur Schaffung von Verbindungen. Diese Erkenntnisse werden Grundlage für die weitere Umsetzung. Die in den nächsten zweieinhalb Jahren mithilfe der Universität Münster durchzuführende Studie kostet 250 000 Euro. Die Hälfte davon trägt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Länder Hessen und Nordrhein-Westfalen zahlen jeweils 62 500 Euro.

Der Naturpark Diemelsee mit seinen vielfältigen Biotopen und extremen Höhenunterschieden von 580 Metern sei ideal für das Vorhaben, erläutert Thomas Trachte. Die Erkenntnisse wären somit auf andere Gebiete in Deutschland übertragbar. Letztendlich sei sogar eine Bewerbung beim Bund um eine Einstufung als Naturschutzgroßprojekt ein Ziel mit hohen Erfolgsaussichten. Ein solches Projekt würde sich über einen langen Zeitraum erstrecken. Ganz abgesehen von der Verhinderung des lokalen oder regionalen Aussterbens von Arten sei es auch wirtschaftspolitisch zu rechtfertigen, wie Trachte erklärt. Denn die Studie soll auch Möglichkeiten aufzeigen, Bauprojekte, welche die Natur beeinträchtigen, gemäß Kompensationsverordnung auszugleichen. „Das ist gleich doppelte Wirtschaftsförderung. Zum einen sind die Ausgleichsmöglichkeiten schnell verfügbar, zum anderen ersparen wir expandierenden Unternehmen die Kosten der Suche nach solchen.“

„Die Umsetzung aller Maßnahmen beruht ausschließlich auf Freiwilligkeit“, verspricht Trachte im Hinblick auf besorgte Waldeigentümer und Landwirte. Das gelte auch für den Fall, dass der Bund das Vorhaben später als Naturschutzgroßprojekt anerkenne. Ein Arbeitskreis mit Vertretern von NABU, Landwirtschaft und anderen Involvierten solle das Projekt begleiten, sagt Gebhard Leifels, Vorsitzender der Zweckverbandsversammlung. „Wir wollen den Sachverstand der Vereine abfragen“, erklärt auch Walter Lübcke.

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