Thema Rückenschmerz: Mediziner des Stadtkrankenhauses beantworten Leserfragen

Wann eine Operation Sinn macht

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Beantworten Fragen zum Thema Rückengesundheit (v.l.): Guido Hoffmann und Dr. Hubert Bölkow vom Korbacher Stadtkrankenhaus am WLZ-FZ-Expertentelefon.

Korbach - Was tun, wenn der Rücken schmerzt? Guido Hoffmann und Dr. Hubert Bölkow vom Korbacher Stadtkrankenhaus haben gestern am WLZ-FZ-Expertentelefon die Fragen der Leser beantwortet.

Etwa 85 Prozent der Bevölkerung kennt das Gefühl, wenn es im Rücken zieht oder der Schmerz sogar an jeder Bewegung hindert. Aber was ist die Ursache? Wie kann der Arzt helfen? Diese Fragen stellten gut ein Dutzend Leser gestern am WLZ-FZ-Expertentelefon. Neurochirurg Guido Hoffmann und Dr. Hubert Bölkow, Chefarzt der Chirurgie im Korbacher Stadtkrankenhaus, beantworteten eine Stunde lang die wichtigsten Fragen zu Therapien und Behandlungsformen.

Meist haben Rückenschmerzen harmlose Ursachen. Um Erkrankungen wie einen Bandscheibenvorfall oder schwere Osteoporose ausschließen zu können, sollte bei begründetem Verdacht aber die Wirbelsäule mithilfe bildgebender Verfahren - Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) - untersucht werden, erklären die beiden Ärzte.

„Dringlich wird es, wenn auch Lähmungserscheinungen auftreten, dann muss man über eine zeitnahe Operation nachdenken“, sagt Chefarzt Bölkow einer älteren Dame am Telefon, die genau diesen Fall beschreibt. Hinter den Symptomen steckt häufig ein Bandscheibenvorfall. Auch Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit sowie Blasen- und Darmentleerungsstörungen können auf diese Diagnose hinweisen.

Akute Bandscheibenvorfälle sollten möglichst schnell - innerhalb weniger Stunden - operiert werden, um das Risiko bleibender Schäden zu minimieren, raten die beiden Mediziner. „Je länger auf den Nerv gedrückt wird, desto länger braucht er, um sich zu regenerieren“, sagt Bölkow.

Operation nicht immer nötig

Doch nicht jeder Bandscheibenvorfall muss operiert werden. Wenn er keine schnell zunehmenden neurologischen Defizite oder Schäden an den Nervenstrukturen verursacht, ist eine Operation nicht nötig. „Diese Art von Bandscheibenvorfall zieht sich in der Regel von selbst zurück, sodass sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen wieder zurückbilden“, erklärt Bölkow. Der Bandscheibenvorfall wird dann konservativ behandelt, die weitere Entwicklung abgewartet.

Zu den häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule im Alter zählt die Wirbelkanalverengung. Sie wird medizinisch auch als Spinalkanalstenose bezeichnet. Typisches Symptom ist die sogenannte „Schaufensterkrankheit“, die Hoffmann auch in den Schilderungen einer Anruferin wiedererkennt. „Die Schmerzen zwingen die Patienten, in kurzen Abständen stehen zu bleiben - wie bei einem Schaufensterbummel“, erklärt der Neurochirurg. Wird der Wirbelkanal so weit eingeengt, dass es zu neurologischen Ausfallerscheinungen kommt, ist meist ein operativer Eingriff sinnvoll.

Eine junge Frau leidet unter Wirbelgleiten, bereits seit Dezember klagt sie über Beschwerden. Guido Hoffmann rät ihr, zunächst konservative Mittel weiter auszuschöpfen - etwa ein Korsett, lokale Spritzen oder eine Verödung der kleinen Wirbelgelenke zur Schmerzbehandlung.

Schmerzen therapieren

Ohnehin ist Schmerztherapie­ ein wichtiges Thema: Häufig wird mithilfe der Computertomografie eine Kombination aus Schmerzmittel und Kortison zielgenau injiziert, um die gereizte Nervenwurzel zu beruhigen.Wenn die Schmerzen weg sind, „kann eine intensive Physiotherapie angeschlossen werden“, sagt Bölkow.

Ein Grundsatz von Bölkow und Hoffmann ist: Operiert wird erst, wenn alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Wunder sind indes auch von chirurgischen Eingriffen an der Wirbelsäule nicht zu erwarten.Eine gewisse Belastbarkeit solle zwar wieder da sein, sagt Hoffmann: „Aber auch nach einer Operation ist nicht alles wieder wie früher.“ Umso wichtiger sei die Nachbehandlung, etwa eine langfristige Physiotherapie, ergänzt Bölkow.

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