Alphornmesse mit Regendusche und wärmendem Sonnenschein

Wechselbad auf dem Ettelsberg

Willingen - Tausende kamen am Sonntag zur Alphornmesse auf den Ettelsberg, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und Gott ein Stückchen näher zu sein. Sie erlebten ein Wechselbad mit heftigem Regen, grauen Wolken, wärmender Sonne und leuchtenden Spätsommerfarben.

Im vergangenen Jahr waren Bischöfe aus aller Welt am letzten Sonntag im August in Willingen zu Gast. „In diesem Jahr sind wir sozusagen wieder unter uns“, so Pfarrer Christian Röhling von der evangelischen Kirchengemeinde, der die vielen Besucher gemeinsam mit Domkapitular Gisbert Wisse zum ökumenischen Gottesdienst begrüßte. Für den katholischen Geistlichen war es übrigens ein ganz besonderer Tag. Denn er tritt im November in den Ruhestand und gestaltete die feierliche Bergandacht zum letzten Mal mit. Die Upländer hoffen allerdings, dass er sich auch in Zukunft noch gelegentlich auf dem Willinger Hausberg sehen lässt. „Über den Wolken“: Das war das Thema des Gottesdienstes – über den Wolken auf dem Ettelsberg, mitten in der blühenden Heide und unter der Regendusche. Christian Röhling: „Wir sehen von hier oben oft, wie sich die Nebel in den Tälern und an den Hängen sammeln und wie kleine Wattebäuschchen in Schwaden die Wälder hinaufziehen“ – eine wildromantische Stimmung, die auch am Sonntag zeitweise zu spüren war. Der Willinger Pfarrer erinnerte daran, dass Menschen immer wieder auf Berge gegangen sind, um Gott näher zu sein, um Freiheit in der weiten Natur zu spüren und ihre Sorgen und Ängste für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Domkapitular Gisbert Wisse wies darauf hin, dass die Wolke in der Bibel eine wichtige Rolle spielt und Zeichen für die Gegenwart Gottes sei. „Gleich, ob wir über den Wolken wie Reinhard Mey die Freiheit spüren oder mitten in einer nassen, unerfreulichen, kalten oder ekligen Wolke stecken: Gott sendet uns seinen Geist, seine Kraft, seinen Mut, seine Hoffnung, seinen Glauben, sein Vertrauen.“ Egal, ob Schönwetter- oder Regenwolken: „Sie erinnern uns daran, dass wir in seiner Hand geborgen sind, trotz aller Sorgen. Wenn wir auf sein Gebot der Liebe hören, dann wird alles, was uns im Alltag so wichtig erscheint, nichtig und klein.“ Der Dank der Geistlichen galt Hüttenwirt Siegfried von der Heide für die tolle Organisation, allen Musikern und Chören für die stimmungsvolle Ausgestaltung der Bergandacht und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirchengemeinden für ihren Einsatz. Die Kollekte wird, wie in jedem Jahr, brüderlich geteilt. Sie ist je zur Hälfte für den evangelischen Kindergarten in Willingen und für die Sanierung der katholischen St.-Augustinus-Kirche bestimmt. Der Tag begann mit dem musikalischen Weckruf von den Uplandbergen. Vor, während und nach dem Gottesdienst setzten über 20 Alphorn-, Jagdhorn- und Parforcehorngruppen, darunter die Bläsergruppe der waldeckischen Jägerschaft, sowie der Musikverein Düdinghausen, der Posaunenchor Usseln und Mitglieder der Willinger Schützenblaskapelle musikalische Akzente. Begeisterung lösten außerdem der Jodlerclub aus Brunnen in der Schweiz, die „Zwölf Räuber“ aus Hünsborn, die „Dutch Pipes & Drums“ und die holländische Band „Sus Scrofa“ aus, die zum ersten Mal dabei war, ferner westfälische Schützen, die lautstark böllerten. Als Überraschungsgäste sorgten die Musikerinnen der „Dameskapel Ravage“ aus den Niederlanden für Stimmung. Sowohl die rund 200 Mitwirkenden als auch die vielen Besucher nahmen übrigens den zeitweise heftigen Regen überwiegend gelassen hin.Ein durch die widrigen Witterungsbedingungen ausgelöster Ausfall der Lautsprecheranlage wurde von den Technikern kurzfristig behoben und von den Musikern im wahrsten Sinne des Wortes überspielt. Landrat Dr. Reinhard Kubat übernahm gemeinsam mit einem weitere Besucher die Rolle des „Schirmherrn“ für die beiden Geistlichen. – Die Gäste aus nah und fern freuen sich schon jetzt auf die nächste Alphornmesse. Sie findet am letzten Sonntag im August 2015 statt – dann hoffentlich ohne Regen.

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