Solitärbaum am Stadtpark soll gefällt werden · Regelmäßige Kronen- und Stammkontrolle

Weide steht bald nicht mehr

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Stadtbildprägend, aber wegen maroder Wurzeln vom Umsturz bedroht: die Trauerweide am Stadtpark.

Korbach - Die Trauerweide auf der Verkehrsinsel am Stadtpark wird gefällt. Die Wurzeln sind marode, der Baum droht umzufallen, so ein Gutachter

Das Gefahrenpotenzial, das von einem morschen Solitärbaum an dieser Stelle ausgehe, sei sehr hoch, erklärte Bauhofleiter Friedhelm Schmidt auf Anfrage. Würde sie umstürzen, lägen im Radius der Trauerweide sowohl beide Fahrbahnen (Strother Straße und Am Stadtpark) wie auch der von vielen Fußgängern benutzte Weg, der über die Verkehrsinsel führt. Andererseits handele es sich laut Schmidt um einen „stadtbildprägenden Baum“, deshalb sei die Entscheidung, ihn zu fällen, nicht leichtgefallen.

In der zurückliegenden Wintersaison haben die Mitarbeiter des Korbacher Bauhofes im Stadtgebiet 26 Bäume beseitigt, deren Stammumfang mehr als 60 Zentimeter betrug - allein acht davon mussten für die Erschließung des Gewerbegebiets Raiffeisenstraße weichen. Das geht aus der Antwort Schmidts auf eine Anfrage von Grünen-Fraktionschef Dr. Peter Koswig und der Stadtverordneten Beate Mehrhoff (CDU) hervor, die in der vergangenen Stadtverordnetensitzung beantwortet wurde. „Jeder Baumfällung geht eine sorgfältige Einzelfallprüfung voran“, hob Schmidt hervor. Fällarbeiten fänden in der Regel außerhalb der naturschutzrechtlichen Schutzzeiten statt.

Baumkronen brechen

Fünf der beseitigten Bäume überragten mit bruchgefährdeten Baumkronen eine Straße, erläuterte der Bauhofleiter: „Hier war es bereits zu Kronenausbrüchen gekommen“. Zwei Bäume waren durch Pilzbefall bereits zu mehr als 80 Prozent abgestorben, bei einem Baum gab es ein wiederkehrendes Problem mit mechanischen Beschädigungen, so Schmidt weiter. Bei zwei weiteren Bäumen hatten sich die Baumkronen so weit ausgedehnt, dass mehr als die Hälfte des Astwerks über ein benachbartes Privatgrundstück ragten. Die Kronen zurückzuschneiden, hätte die Baumstatik nicht zugelassen. Bei acht Stämmen war laut Schmidt keine dauerhafte Standsicherheit mehr gegeben.

Durch gezielte Kronenpflege an etwa 20 großen Bäumen seien die zunächst als notwendig erachteten Fällungen nochmals um einige Jahre verzögert worden, führte er aus. Neu und nachgepflanzt wurden laut Schmidt insgesamt 55 zumeist heimische Laubgehölze.

Den Zustand alter Stämme beurteilt nach Angaben des Bauhofleiters ein Mitarbeiter, der als zertifizierter Baumkontrolleur kontinuierlich geschult und weitergebildet werde. Führen die Kontrollen des Bauhofmitarbeiters zu keinem eindeutigen Ergebnis, begutachtet ein öffentlich bestellter Sachverständiger, ob die Verkehrssicherheit noch gegeben ist. Die eingesetzten Untersuchungsverfahren reichen dabei von der Sichtkontrolle über Bohrwiderstandsmessungen bis zur Impulstomografie mit dem Arbotom, um das Ausmaß des Schadens im Verhältnis zum Stammquerschnitt darzustellen. Bei einem Baum-TÜV dieser Art fiel auch die Trauerweide auf dem Fahrbahnteiler am Stadtpark durch. Insgesamt stehen innerhalb der Stadt gut 70 alte Bäume mit Vorschäden unter regelmäßiger Beobachtung eines solchen Gutachters.

Welche Gefahren von unentdeckten Wurzelschäden ausgehen können, zeigte sich erst am vergangenen Montag. In Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) wurde ein 71-jähriger Fahrradfahrer von einem Baum erschlagen. Nach Angaben der Polizei hatte vermutlich eine Sturmböe die mehr als 20 Meter hohe Kastanie erfasst und entwurzelt. Die Kriminalpolizei entnahm Proben aus dem Wurzelstock. Medienberichten zufolge seien die Bäume in der Straße erst vor Kurzem kontrolliert worden.

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