Kinderoper „Brundibár“ wird im März in Korbach aufgeführt

„Weil die Freiheit nur geliehen ist“

Korbach - Es ist ein bewegendes und aufwändiges Projekt, das Kinder und Profis am 14. und 15. März in der Nikolaikirche auf die Bühne bringen: Die Kinderoper „Brundibár“ stammt aus der Feder von Hans Krása, der in Auschwitz ermordet wurde.

Als das Stück zum ersten Mal den Weg auf eine Bühne fand, da hätten die Umstände nicht grausamer sein können: Damals war der Prager Jude Hans Krasá bereits nach Theresienstadt deportiert worden. Und trotz der Gräueltaten der Nazis, trotz der Gewalt und Hoffnungslosigkeit, tanzten ihm Noten durch den Kopf. Zuhause in Prag hatte er wenige Jahre zuvor eine Kinderoper aufs Papier gebracht – geschrieben für einen Wettbewerb des tschechoslowakischen Ministeriums für Schulwesen und Volksbildung.

Grundschulkinder und Chorkinder gemeinsam

Dann kamen die Nazis und mit ihnen die Deportation nach Theresienstadt. Die Noten blieben wohl in Prag. Aber „Brundibár“ lebte – in den Gedanken des tschechischen Komponisten. Im Ghetto brachte er die Noten erneut auf das Papier, passte sie den neuen Gegebenheiten an und führte sie schließlich auf – mehr als 50 Mal mit Kindern, die ebenfalls nach Theresienstadt deportiert worden waren.

73 Jahre später bringen die Viertklässler der Berliner Schule und junge Sänger des Evangelischen Kinder- und Jugendchores Krasás Stück wieder auf die Bühne. Und damit auch die Geschichte jener Kinder aus Theresienstadt, von denen viele das Dritte Reich nicht überlebten.

„In diesen Wochen und Monaten, in denen in Deutschland wieder rechte Strömungen lauter werden, gewinnt diese Kinderoper an Brisanz“, sagt Eberhard Jung, „wir wollen mit diesem Stück an die Vernunft der Menschen appellieren und Mut auf Gemeinschaft und Freundschaft untereinander machen“.

Und tatsächlich hat das Stück eine politische Dimension – wenn auch nicht auf den ersten Blick. Es erzählt die Geschichte des Geschwisterpaares Pepíek und Aninka, die in Armut leben und Milch für ihre kranke Mutter kaufen wollen. Also suchen sie nach einer Einnahmequelle und beschließen, es mit einem musikalischen Auftritt auf dem Marktplatz zu versuchen. Dabei kommen sie es mit dem grausamen Leierkastenspieler Brundibár zu tun. Ein Wettbewerb beginnt, der schnell gewaltsame Züge annimmt.

Rund 30 Minuten dauert die Aufführung der bewegenden Kinderoper – diesen Part übernehmen die 35 geübten Sänger des Kinder- und Jugendchores unter der Leitung von Stadtkantor Eberhard Jung. Für die Melodien sorgen die Instrumentalisten aus dem „Orchester im Treppenhaus“ aus Hannover.

Thomas Schwill hat rund um das Stück ein eigenes Stück geschnitzt: Es beginnt im Klassenraum im Geschichtsunterricht. Bei den Viertklässlern der Berliner Schule ist Zeitzeuge Dr. Arno Schmidt (82) zu Gast. Er erlebte einst die Befreiung Buchenwalds mit und berichtet den Schülern aus seinem Leben. Die können seinen Erzählungen kaum glauben – also erzählt ihnen Dr. Arno Schmidt gemeinsam mit den Chorkindern die Geschichte der Kinder in Theresienstadt. Brundibár beginnt.

Aufführungen am 14. und 15. März

Neben die Stücke Krásas stellt Eberhard Jung Lieder, die überraschen und den Wahnsinn der Nazi-Diktatur verdeutlichen wollen. Für die Kinder sei eine Botschaft des Stückes ganz wichtig geworden: „Gemeinsam schaffen wird das“. Seit vielen Wochen proben Chorkinder und Grundschulkinder mit Lehrerin Stefanie Ochner und Eberhard Jung. Auch die geschichtliche Aufarbeitung des Materials gehört dazu.

Zur Aufführung kommt „Brundibár oder: Weil die Freiheit nur geliehen ist“ am 14. März um 18 Uhr und am 15. März um 15 Uhr in der Nikolaikirche. Eintrittskarten gibt es für 10 (sieben) Euro im Bürgerbüro. (resa)

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