„Gespräch der Instrumente“ in der Korbacher Johanneskirche

Weltmusikalische Begegnungen

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Chefmelodiker mit drei Percussionisten: (v. l.) Thomas Drunkenmühle (Keyboards, Flöte Bourree), Papillon Placktor, Pedro Soriano und Rui Reis.

Korbach - Zum „Gespräch der Instrumente“ hatte die Johanneskirchengemeinde am Samstagabend eingeladen. Denn die Musik ist als eigene, gemeinsame Sprache für alle vier Musiker von Bedeutung.

„Da muss man nicht reden, da wird gespielt“, brachte Pastor Oliver Okun als Gastgeber das Konzept des vom Warburger Kantor Thomas Drunkenmühle zusammengestellten Quartetts auf den Punkt. Als komponierender Mastermind am Keyboard hatte der Leiter der Warburger Musikschule, zumindest bei den eigenen Werken, die knapp die Hälfte des Repertoires ausmachten, eine gewisse Führungsposition inne. Deshalb ließ der Chefmelodiker den drei Percussionisten erst einmal Spielraum zum Einstimmen des Publikums mit einem Trialog für Congas und Cajon.

Beim effektvollen Echokonzert, das Cajonspieler Rui Reis mittels Loopstation mit sich und mehreren Percussionsinstrumenten in Szene setzte, gab der Musiker aus Brasilien als erster seine musikalische Visitenkarte ab. Thomas Drunkenmühle übernahm beim Gute-Laune-Jazz des flott vorwärts stürmenden „Remember“ und dem silbrig fließenden „Moonlight“ die Melodieführung an den Tasten und gab dadurch erst einmal den Ton an.

Bach und „Besame mucho“

Auch die folgenden Eigenkompositionen (Weekend/Emotions) des Keyboarders bewegten sich irgendwo zwischen Jan Hammer und James Last und ließen den drei Perkussionisten eher Spielraum für Akzente oder Effekte wie das Ausrauschen des stimmungsvollen „Emotions“ durch die von Pedro Soriano geführte Ocean-Drum. Für das Intro von „Der Herr ist nahe“ übernahm Papillon Placktor die mit Kugeln gefüllte Rahmentrommel, mit der sich das Rauschen des Windes und der Wellen nachahmen lässt, allerdings beschränkte sich die Rolle der Perkussionisten auch auf die Rolle der Stichwortgeber für das allzu dominante Klavier.

Erst bei Johann Sebastian Bachs „Bourrée“ kam es zur ersten musikalischen Kommunikation der Kulturen, die diesen Namen auch verdiente, denn für die populäre Melodie griff Drunkenmühle stilecht zur Flöte, während seine Mitspieler sich von den Vorlagen des begnadeten Rhythmikers Bach zu kongenialen Improvisationen inspirieren ließen.

Nach erfolgreichem Fein-tuning auf Basis des Thomaskantors stimmte die Klangbalance im Quartett. Beim anschließenden „Regentag“ gelang der Dialog der Instrumente und die vier Musiker entwickelten, trotz Tasteneinsatz, ein plastisches Klanggemälde um eine Schicksalsmelodie. Für „Besame mucho“ gesellte sich Elke Tenbusch, die Papillon, Pedro und Rui schon bei anderen Gelegenheiten gehört hatte, mit ihrer Altblockflöte zum Ensemble.

So richtig weltmusikalisch wurde es bei „Papillon“, denn für seinen leicht dahin schwebenden melodischen Einfall, der als Ausgangsbasis für die eindruckvollste Ensemble-Improvisation diente, fand der Perkussionist den Schmetterling gar nicht so unpassend. Die Vorstellung des Themas gestaltete der Musiker aus Togo auf einer Tin Drum, die auch für den Ausklang wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte. Im Verlauf dieser bezaubernden Chinoiserie entwickelte sich der lebhafteste musikalische Austausch mit ständig wechselnden Instrumenten.

Viel Freiraum für Improvisation und Kommunikation mit dem Publikum, das sich dabei gern vom charismatischen Vorsänger Papillon mitreißen ließ, gab es auch bei „Halleluja/Amen“. Eine gute Viertelstunde schossen ganz gewaltige Vibes zwischen der Band und den zum Mitmachen aufgelegten Konzertbesuchern durch die Johanneskirche. Mit pulsierenden Keyboards beim von ihm komponierten Discokracher „Nightlife“ heizte Drunkenmühle beim offiziellen Kehraus die Tanzlust schon mal mächtig an.

Bei der von mächtigen Trommelwirbeln eingeleiteten Zugabe musste Papillon seine Aufforderung zum Tanz erst gar nicht wiederholen, insbesondere die Frauen zog es magisch auf den gut betanzbaren Freiraum zwischen Bühne und den Stuhlreihen. (ahi)

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