„Treffpunkt“ baut Gruppe für Kinder psychisch kranker Eltern auf · Mitarbeiter auf Spenden angewiese

Wenn Mama sich nicht normal verhält

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Korbach - Wenn Eltern unter einer psychischen Erkrankung leiden, ist das vor allem für die Kinder keine einfache Situation. Die Mitarbeiter des Treffpunktes in Korbach wollen Betroffenen eine Anlaufstelle bieten.

Die Mutter liegt tagelang im Bett und ist für nichts zu motivieren. Der Vater hört Stimmen und macht seinen Kindern damit Angst. Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen sind nicht nur für den Erkrankten selbst eine große Belastung, sondern auch für die Kinder der Betroffenen.

„Gibt schon lange Bedarf“

Diese sind häufiger als andere Kinder auf sich alleine gestellt. Das kann zu Problemen in der Schule führen und sich im Verhalten widerspiegeln. Deutschlandweit gibt es rund 500 000 Kinder, die bei psychisch kranken Eltern aufwachsen. „Es gibt hier schon lange Bedarf an einer Betreuung für Kinder psychisch erkrankter Eltern“, erklärt Silvia Ader, Teamleiterin des Psychosozialen Zentrums von „Treffpunkte“ in Korbach. Aus Gesprächen mit einer Schulpsychologin, dem Jugendamt oder dem sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises sei immer wieder hervorgegangen, dass eine Anlaufstelle für Kinder wichtig ist.

Mit der Gruppe „Treffpunkt-Kids“ soll die Lücke nun geschlossen werden. Nach den Sommerferien wollen die Ergotherapeutin Angela Herrmann und die pädagogische Mitarbeiterin Daniela Kesting die Arbeit mit den Kindern aufnehmen. Einmal pro Woche sollen betroffene Kinder zwischen acht und zwölf Jahren betreut werden. Die Eltern der Kinder müssen nicht beim Treffpunkt in Behandlung sein. Allerdings wird die Gruppe nur bis zu acht Kinder aufnehmen können. Eine zu große Gruppe würde die Arbeit erschweren. „Wir wollen den Kindern die Erkrankung der Eltern erklären und zeigen, was sie im Notfall tun können“, erläutert Silvia Ader das Konzept. Zudem sei der gegenseitige Austausch wichtig, damit die Kinder merken, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. Zum Angebot soll auch ein Hol- und Bringdienst gehören.

Umzug in neue Räume

Die „Treffpunkt-Kids“ werden dann auch in den Genuss der neuen Räumlichkeiten von „Treffpunkte“ in der Flechtdorfer Straße 11 kommen. Die Räume der angrenzenden ehemaligen Zahnarztpraxis werden ab Sommer für Ergotherapie und die Kindergruppe genutzt.

Der Start des Projektes ist finanziell gesichert. Allerdings soll daraus ein langfristiges Angebot werden, und dafür sind die Mitarbeiter auf Spenden angewiesen, „denn in unserem Haushalt haben wir keinen Etat dafür“, so Ader. „Wir sind auf der Suche nach Sponsoren und freuen uns über jede Unterstützung.“ Wenn alles klappt, soll Kindern langfristig nach dem Motto „Eltern bleiben Eltern, auch wenn sie psychisch krank sind“ Unterstützung angeboten werden.

Weitere Informationen zur Gruppe „Treffpunkt-Kids“ gibt es unter 05631/506900.

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