Präventionswoche: Dr. Hartmut Imgart berichtet über Essstörungen

Wenn die Seele den Körper frisst

+
Zu dünn oder zu dick? Jeder fünfte Deutsche leidet unter Essstörungen.

Korbach - Jeder fünfte Deutsche zeigt essgestörtes Verhalten. Meistens aber sind Mädchen und junge Frauen betroffen. Über Ursachen, Folgen und Behandlung der seelischen Krankheit sprach im Rahmen der Präventionswochen Dr. Hartmut Imgart.

Wenn der Blick in den Spiegel zur Qual wird, die Portionen auf dem Teller immer kleiner oder die Mengen ungesunden Essens immer größer, dann befinden sich die Betroffenen meistens schon in einem kraftzehrenden Kampf. „Jeder fünfte Deutsche zeigt essgestörtes Verhalten“, sagt Dr. Hartmut Imgart von der Parkland-Klinik in Bad Wildungen.

Aber nicht jeder, der dick oder besonders dünn ist, leidet unter Essstörungen. „Nur psychische Erkrankungen bezeichnen wir so“, sagt der Experte. Und dazu gehören etwa Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating (unkontrollierte Essattacken). Im Rahmen der Präventionswochen informierte der Experte über Krankheitsbilder, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Magersucht und Bulimie. „15 Prozent aller Magersüchtigen sterben an der Krankheit“, betonte er. Betroffen seien vor allem junge Mädchen, während die Bulimie vor allem Frauen zwischen 20 und 30 Jahre treffe. Keine psychische Erkrankung gebe es im Jugendalter häufiger.

Und wer ist Schuld daran? „Die Ursachenfrage wird noch erforscht“, erklärte Imgart. Gene, familiäre Konstellationen, Schicksalsschläge oder das Schönheitsideal der Gesellschaft würden es Mädchen oft schwer machen. „Niedriger Selbstwert und ein negatives Körperselbst führen dann dazu, dass Mädchen anfangen zu hungern“, sagt er. Andere flüchten sich in Essattacken. „Das hat dann nichts mehr mit der Lust am Essen zu tun“, erklärte Imgart. Abführmittel, Erbrechen oder exzessiver Sport seien die Folgen solcher Attacken. Und das hat böse Folgen: Der unterernährte Körper reagiert im schlimmsten Fall mit Herz- oder Nierenversagen. „Und auch im Kopf der Mädchen verändert sich etwas und deswegen ist es so schwer, ihnen zu helfen“, sagt Imgart, „für vernünftige Argumente sind sie nicht mehr zugängig“.

Dabei brauchen sie die Hilfe dringend: 1100 Patienten mit Essstörungen wurden in der Parkland-Klinik in den vergangenen fünf Jahren behandelt. „Die Patienten müssen dann wieder normales Essverhalten erlernen“, erklärt der Experte. Das funktioniert ambulant, aber oft auch stationär. Hauptsächlich aber geht es um die Heilung der Seele. Gemeinsam mit Eltern oder Partnern versuchen die Ärzte und Patienten, Perspektiven zu entwickeln. (resa)

Kommentare