Hallenbad: Eröffnung verzögert sich weiter – drei Gutachter ziehen Bilanz

Wenn‘s super läuft, im Januar

Korbach - Die gute Nachricht zuerst: Trotz dicker Mängelliste lassen sich die Schäden am Korbacher Hallenbad durchweg beheben. Die schlechte Nachricht: Mit einer (Wieder-)-Eröffnung 2012 wird es wohl nichts.

Die öffentliche Spurensuche am Hallenbad bleibt ein wahrer Publikumsschlager. Wiederum waren die Reihen der Zuschauer im Sitzungssaal des Rathauses gut besetzt, als der Finanzausschuss des Parlaments gestern Abend zur nächsten Tauchpartie ansetzte: Was ging schief an Korbachs derzeit größtem öffentlichem Bauprojekt?

Rund zehn Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) addierte Stefan Schaller an Gesamtkosten. Er ist Geschäftsführer von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), die Korbachs Bäder im Auftrag der Stadt betreibt. Damit würde die aufwendige Sanierung des Hallenbads rund 15 Prozent teurer als geplant - aber es gab vor den Sommerferien auch noch schlimmere Befürchtungen.

Fliesen, Stahl, Installation

Zusätzlich für Schäden bezahlen muss die Stadt als Financier vermutlich nicht - wenn die Verursacher auch für die Nachbesserungen aufkommen. Verantwortlich für die lange Liste an Schäden und Fehlern sind nach Meinung der Gutachter nämlich Planungsbüros und Handwerksfirmen.

Insgesamt wirft EWF sechs Gutachten und einen Spezialanwalt ins Feld, um zu klären, warum das erneuerte Hallenbad am 12. April - nach nur vier Wochen Betriebszeit - wieder die Pforte schließen musste. Ausschlaggebend war damals ein starker Keimbefall des Trinkwassers mit dem Bakterium „Pseudomonas aeruginosa“.

Der zweite Tauchgang bei der Ursachenforschung förderte allerdings eine Vielzahl weiterer Schäden und Fehler an die Oberfläche. Gestern Abend standen Fliesen, Edelstahlbecken und Installationen im Blickpunkt. Gesamtfazit der drei vereidigten Gutachter: Es gibt eine stattliche Liste, „aber ich habe schon Bäder mit erheblich mehr Mängeln gesehen“, resümierte Harald Heise (Mühldorf am Inn), Fachingenieur und Sachverständiger für Bädertechnik.

Wasser fließt schlecht ab

„Hier auf Fliesenbasis sind die Mängel eigentlich sehr gering“, erklärte Hans-Achim Grahmann (Meiningen). Als Gutachter hatte er die Fußböden ins Visier genommen, weil nach der Eröffnung etliche Badegäste über Rutschpartien auf den Fliesen klagten. Doch die Fliesen sind nach Ansicht des Gutachters weitestgehend sauber verarbeitet. Auch die Rutschfestigkeit nach gesetzlichen Normen sei erfüllt. Kernproblem ist offenbar der Wasserablauf.

So markierte Grahmann an etlichen Stellen zu geringes Gefälle und vor allem zu wenig Ablauföffnungen im Boden - vom Lagunenbecken unten bis hinauf zu Duschen und Umkleiden. Als Folge bleibt zu viel Wasser am Boden stehen - oder schwappt in Bereiche, wo es trocken bleiben sollte.

Unterm Strich schätzt Grahmann, dass von über 3000 Quadratmetern Fliesen rund 180 Quadratmeter ausgebessert werden müssten. Zudem fordert der Gutachter zusätzliche Ablauföffnungen im Boden.

Mangelndes Gefälle sei Sache der Handwerksfirma, erklärte Grahmann. Die fehlenden Öffnungen im Boden seien aber Fehler des Schwimmbadplaners. Denn der habe schlicht zu wenig Abläufe vorgegeben.

Der Düsseldorfer Ingenieur Werner Kallenberger bilanzierte derweil seine Analysen zu den Edelstahlbecken. Die wurden nach vorläufiger Schließung des Hallenbads plötzlich von Rost befallen (wir berichteten).

Mikroben fressen am Stahl

Eine Ursache war vermutlich, dass abgelagertes Chlorid am Stahl nagte, nachdem das Hallenbad außer Betrieb ging. Zum anderen sind aber offenbar auch Mikroorganismen am Werk - die sich insbesondere an schlecht verarbeiteten Stellen des Stahls sammeln.

Kallenbergers Labor ermittelte zahlreiche Punkte, an denen der Rost bereits tiefe kleine Löcher gefressen hat. Überdies gibt es Schleifspuren, kleine Grate und nicht sauber verarbeitete Schweißnähte. Dies alles aber lasse sich reparieren, denn grundsätzlich sei der in Korbach verwendete Edelstahl als Material in Ordnung.

Gutachter Harald Heise untermauerte die schon mehrfach diskutierten Fehler in der Installationstechnik. Die reichen von falsch angeschlossenen Rohrleitungen über Filteranlagen bis zur fehlenden Spülung mit Frischwasser.

Eisglätte beim Saunagang

Neu zum Vorschein kam, dass auch der Weg zur Außensauna einen klaren Mangel hat: Die Platten werden von unten nicht beheizt, der Weg ist im Winter für Saunagäste somit gefährlich.

Unterm Strich sind nach Meinung der Gutachter zumindest die „sicherheitsrelevanten Mängel“ am Hallenbad in jeweils drei, vier Wochen zu beheben. Trotzdem wird es mit der erneuten Öffnung noch länger dauern.

Stefan Schallers Prognose: „Wenn‘s super läuft, im Januar.“ Denn Gutachten für Blitzschutz (Rutsche) und vor allem für die Keimbelastung des Trinkwassers stehen noch aus. Und erst danach kann die Auseinandersetzung mit dem Generalplaner Klaus Meyer (Gotha) um Verantwortung und möglichen Regress richtig beginnen.

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