ALS-Unterstufenchor feiert Premiere des erfrischend anderen Singspiels aus der Feder von Olaf Schillmöller

„Wie Weihnachten verkauft wurde“

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„Wehe diesem armen Wicht, Weihnachten gehört ihm nicht“ – die jungen Akteure aus dem Unterstufenchor der Korbacher Alten Landesschule feierten die Premiere ihres Singspiels „Horatius Honorius Habguts größtes Geschäft“.

Korbach - „Horatius Honorius Habguts größtes Geschäft oder wie Weihnachten verkauft wurde“, ist der Titel des neuen Singspiels von Olaf Schilllmöller, das im Gemeindehaus von St. Marien Premiere feierte.

Dem Weihnachtsfest in Zeiten vollkommener Kommerzialisierung seine Bedeutung zurückgeben, das ist seit Jahren das Anliegen der Singspiele von Olaf Schillmöller, die er mit dem Unterstufenchor der Alten Landesschule in den Tagen vor dem Christfest zur Aufführung bringt. Dabei findet er immer wieder einen erfrischend anderen Blickwinkel. Und so folgt in diesem Jahr auf „Weihnachten wird aufpoliert“ ein Stück, das genauso gut „Weihnachten wird abkassiert“ heißen könnte.

Das bekannte Personal der Weihnachtsgeschichte, das sich im Vorjahr so lebensnah wie lange nicht mit Alltagsproblemen herumschlug, spielt dieses Mal keine Rolle. Josef und Maria oder die Hirten dürfen gar nicht spielen, das ist der Clou bei „Horatius Honorius Habguts größtes Geschäft oder wie Weihnachten verkauft wurde“. Der plötzliche Verlust von allem, was Weihnachten eigentlich ausmacht oder ausmachen sollte, ist das Thema des Stückes, dessen Handlung mit ungewöhnlich stillen Weihnachtseinkäufen beginnt: „Etwas fehlt“, stellen Frau Meier und Frau Müller beim Geschenkeeinkaufen schließlich fest. Jeder Hinweis auf Weihnachten ist untersagt. „Kaufen, Zahlen, hier in dieser Warenwelt dreht sich alles nur ums Geld“, heißt es dann auch im Eingangs- chor, der in seiner Kritik schon einen ersten Hinweis auf die Auflösung des Rätsels liefert.

Das öffentliche Üben von Weihnachtsliedern in der Fußgängerzone wird ebenso gezielt unterbunden wie das Anbringen von Lichterketten.

Wehe diesem armen Wicht

Als auch im Unterricht Weihnachten kein Thema mehr sein darf, weil sich jemand sämtliche Rechte am Fest gesichert hat, platzt den Schülern der Kragen: „Wehe diesem armen Wicht, Weihnachten gehört ihm nicht“, stimmt der Chor in fetzigem Disco-Sound an, zu dem die Streichergruppe unter der Stabführung des Komponisten den schmissigen Strich liefert. Mit dem Einsatz der Streicherklasse, die Vivaldis Winter mit typischen Musicalsound verband, wurde das Klangbild gewissermaßen dreidimensional.

Auch die Chorklänge gewinnen durch die Streicherbegleitung, insbesondere das Winteridyll „Wenn es nun schon dunkel wird“, sowie der Schlusschor „Weihnachtszeit, schöne Zeit“, der auch als erste Zugabe erklang.

Das zweite Encore war der bissige Haben-Chor „Eine Villa auf Mallorca“, der ertönte, als die Schüler auf der mit Schusswaffen und Wachtposten gesicherte Residenz von Honorius Habgut eintreffen. Honorius Habgut ist derjenige, der sich die Rechte an Weihnachten gesichert hat, um dem gewöhnlichen Geschäft mit Weih- nachten ein Ende zu bereiten.

Da das Stück am Mittwoch um 18 Uhr in der Alten Landes-schule noch einmal über die Bühne geht, wird die Auflösung nicht verraten.

Nach erfolgreich bewältigter Premiere dankte der Komponist insbesondere seinen musikalischen Mitstreitern Kathrin Lesser am Piano und Katrin Lange, die als Leiterin der Streicherklasse selbst in den Reihen ihrer Schüler mitgewirkt hatte.

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