Landesregierung bohrt in Korbach nach

Wiesbaden will Antworten zum Hallenbadbau

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Blick ins modernisierte „Sportbad“ in Korbach: Seit April 2012 ist das millionenschwer umgebaute Hallenbad wieder geschlossen.

Korbach - Der Landesrechnungshof hat Bau- und Verfahrensschäden am Korbacher Hallenbad quittiert. Bis Ende Mai erwartet die hessische Landesregierung Antworten - auch wann das Hallenbad wieder eröffnet wird.

Ein Brief aus Wiesbaden ruft derzeit die Stadt und den Versorger Energie Wal-deck-Frankenberg (EWF) auf den Plan. Es geht um Bauschäden und Fehler am Hallenbad, das trotz millionenschwerer Modernisierung seit mittlerweile zwei Jahren geschlossen ist.

Hintergrund ist ein Landeszuschuss von einer Million Euro, der aus einem Sonderprogramm des Innenministeriums für hessische Hallenbäder nach Korbach geflossen ist. Im November 2010 hatte ein Mitarbeiter des Innen- und Sportministeriums den Bewilligungsbescheid auf der Baustelle im Hallenbad überreicht.

Zwei Jahre Stillstand

Im März 2012 wurde das frisch sanierte Bad eröffnet, doch nur einen Monat später wieder dichtgemacht. Ursache war zunächst eine Keimbelastung im Duschwasser, doch alsbald kam eine Fülle an Schäden und Mängeln ans Tageslicht.

Dem Entsetzen in Politik und Bevölkerung folgte ein Streit der Juristen - der wohl noch Jahre dauern wird. Es geht um den Generalplaner aus Gotha, Fehler der Handwerksfirmen, falsche Installationen, Rost an den Edelstahlbecken, Bauaufsicht, ebenso persönlichen Streit.

Ernüchternde Prognose für Steuerzahler und Badegäste im vergangenen Jahr: Frühestens im Herbst 2015 wird das Korbacher Hallenbad wieder eröffnet. Damit würde das teure Bad dann dreieinhalb Jahre brachgelegen haben, eine ganze Kindergeneration wäre ohne Schwimmunterricht in der Hansestadt.

Rund acht Millionen Euro sollte die Sanierung kosten, rund zehn Millionen Euro rechnete am Ende EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller vor. Kostensteigerungen und Mängel bei öffentlichen Bauten sind - zum Leidwesen der Steuerzahler - nicht ungewöhnlich, vor allem beim Bäderbau. In Stadtallendorf beispielsweise beklagte das Parlament Ende 2013 rund 2,4 Millionen Euro höhere Kosten, als für das dortige Hallenbad geplant waren.

Rechnungshof hat geprüft

Zugleich beauftragte die hessische Landesregierung im vorigen Jahr den Landesrechnungshof, geförderte Badprojekte zu überprüfen. Darunter war auch das Hallenbad in Korbach. Im Herbst 2013 rückten Kontrolleure des Rechnungshofs für einige Tage nach Korbach an, durchleuchteten Gutachten, Ausschreibungen und Rechnungen.

Dabei spielt auch der Verwendungsnachweis für die Landesförderung von einer Million Euro eine Rolle: Ist das Geld unter Einhaltung aller Vorschriften und Normen verwendet worden?

Genau um diese Fragen streiten sich indes der Korbacher Badbetreiber EWF und der Generalplaner aus Gotha vor Justitia. EWF hat sogenannte „Beweissicherungsverfahren“ angestrengt. Damit muss das Landgericht Kassel neutrale Gutachten in Gang setzen, die Klarheit schaffen sollen.

Gutachten vor Gericht

Eine Expertise zur Arbeitssicherheit liegt bereits gerichtlich vor, aber das wollen just EWF und die Berufsgenossenschaft anfechten, erklärt EWF-Geschäftsführer Schaller auf WLZ-Nachfrage. Entscheidend wird ohnehin das große Gutachten zu Hygienetechnik und Installationen sein, das Schaller für Sommer erwartet.

Danach wird sich der „Gesellschafterausschuss Bad“ entscheiden müssen, ob die Handwerker zur Beseitigung von Mängeln und Schäden loslegen können. Denn sonst könnte selbst die geplante Wiedereröffnung des Hallenbads im Herbst 2015 in Zweifel geraten.

Derweil ist der Bäderausschuss auch akut gefordert. Nach dem Schreiben aus Wiesbaden erwartet die Landesregierung nämlich Antworten zu Planung, Ausführung, Bauaufsicht - und wann das Hallenbad endlich wieder in Betrieb geht.

Dabei ist der Bäderausschuss ein Gremium des heimischen Energieversorgers EWF, der Hallenbad und Freibad in Korbach besitzt und betreibt. Die Mitglieder im Bäderausschuss sind wiederum politische Vertreter der Stadt, einschließlich des Bürgermeisters. Die Fragen aus Wiesbaden muss also EWF als Eigentümer und Auftraggeber des Bads beantworten, diskutiert wird dies aber im städtisch besetzten Ausschuss. Zumal die Stadt für die Baukosten aufkommt. Im Kern geht es für EWF und Hansestadt gleichermaßen darum, dass Korbach nicht Fördermittel beim Hallenbadbau zurückzahlen muss.

Ob der Brief aus Wiesbaden bedrohlich ist? „Der Bäderausschuss bei EWF wird sich mit dem Thema beschäftigen und korrekt abarbeiten“, sagt Bürgermeister Klaus Friedrich auf Nachfrage. (jk)

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