Korbach

MVV will „vorsichtig wieder anfahren“

- Korbach (tk). Welche Konsequenzen zieht Kraftwerksbetreiber MVV aus dem Quecksilber-Störfall am 25. August? In einer Sondersitzung beschäftigten sich Montagabend die Korbacher Stadtverordneten mit dieser Frage.

Am 27. August hatte das Regierungspräsidium (RP) Kassel die Anlage in der Limmerstraße stillgelegt, nachdem erhöhte Quecksilbermesswerte in den Abgasen festgestellt worden waren. Ursache war offenbar ein erhöhter Quecksilber-Gehalt im sogenannten „Ersatzbrennstoff“. Zwischen Grenzwertüberschreitung und bis dato andauernder Abschaltung vergingen jedoch mehr als 30 Stunden, in denen der Ausstoß dieses Schadstoffes nicht gemessen wurde. Die Korbacher Stadtverordneten hatten darauf am 17. September mit einem Dringlichkeitsantrag reagiert. Darin wird einstimmig gefordert, die Überwachung des angelieferten Brennstoffes sowie die Mess- und Anlagentechnik zu verbessern. Überdies müsse „bei nachgewiesener Überschreitung“ der Grenzwerte für Quecksilber oder anderer relevanter Schadstoffe „die Wiederinbetriebnahme...erst nach einer Nachrüstung der vorhandenen Filteranlage erlaubt“ werden und der Betreiber jederzeit die Funktionalität der Messgeräte, etwa durch doppelte Sicherung, gewährleisten. Mit beschlossen wurde ebenfalls, dass „vor Inbetriebnahme der Verbrennung von Ersatzbrennstoffen der Stadtverordnetenversammlung – gegebenenfalls in einer Sondersitzung – über die angeordneten bzw. vorgenommenen Änderungen durch das Regierungspräsidium Kassel berichtet wird“. Dies passierte am Montagabend. Zahlreiche Mitglieder der Bürgerinitiative „für ein lebenswertes Korbach“ verfolgten als Zuschauer die öffentliche Parlamentssitzung im Rathaus. Darin ging es auch um die technische Ausstattung einer automatischen Störfallabschaltung, eine der Hauptforderungen an den Betreiber. Eine automatische Verriegelung erfülle künftig diese Funktion, erklärte MVV-Sicherheitsbeauftragter Kai Beckelmann. Diese neue Vorrichtung sorge dafür, dass bei drohender­ Überschreitung der halbstündlich gemessenen Mittelwerte­ relevanter Schadstoffe die Brennstoffzufuhr unterbrochen werde. Die Sperre wäre dann manuell wieder zu entriegeln. Für den SPD-Stadtverordneten Helmut Schmidt warf dieser Zusatz wieder neue Fragen auf: Könnte es denn nicht wieder zu einer ähnlich folgenreichen Fehleinschätzung wie Ende August kommen, als Mitarbeiter die Grenzwertüberschreitung für einen Messfehler hielten und die Anlage nicht abschalteten? „Ich kann Ihnen versichern: So eine Fehleinschätzung wird nicht wieder vorkommen“, versprach Beckelmann. Denn Mitarbeiterschulungen mit Fallsimulationen gehörten ebenso wie strengere Kontrollen des Brennstoffes und seiner Erzeuger zum Konzept, mit dem MVV Qualität und Sicherheit im Kraftwerk verbessern will. Auch einen genauen Zeitplan brachten die Betreiber zur Sitzung mit. Räumung und Revision des Müllbunkers sind demzufolge bis zum 25. Oktober abgeschlossen. Danach ist laut Beckelmann vorgesehen, „den Kessel wieder vorsichtig und langsam anzufahren“, von einem Sachverständigen begleitet und anfangs ständig überwacht.Ob der Terminplan so eingehalten werden könne, wagten allerdings die Vertreter der Aufsichtsbehörde nicht zu sagen. „Wir können erst dann prüfen, wenn wir etwas haben“, so Maximilian Mägerlein vom Regierungspräsidium. Und momentan lägen noch nicht alle Unterlagen vor, um den Neustart der Anlage zum beabsichtigten Zeitpunkt genehmigen zu können.

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