120 Besucher bei Informationsveranstaltung zum Thema Windkraft

„Windräder nur da, wo sie passen“

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Detlef Schmidt (links) vom Büro für Freiraum und Landschaftsplanung in Grebenstein stand bei der Bürgerversammlung in Lelbach zum Thema Windkraft und Teilregionalplan Nordhessen Rede und Antwort. Fotos: Lutz Benseler

Korbach - Wo sollen Windräder stehen? Diese Frage treibt viele Korbacher um. Lenken und steuern, was noch geht, empfiehlt ihnen deshalb Bürgermeister Klaus Friedrich: Mit Einwendungen sollen sie Einfluss auf die Planungen des Regierungspräsidiums nehmen.

Rund 120 Bürger aus Korbach und den Ortsteilen informierten sich am Donnerstagabend im Evangelischen Gemeindehaus in Lelbach über die Windkraftpläne für die Kreisstadt. Zu der Bürgerinformation hatten die Korbacher Ortsvorsteher eingeladen. Detlef Schmidt vom Büro für Freiraum und Landschaftsplanung Grebenstein erläuterte, wie weit das Regierungspräsidium in Kassel mit den Planungen für den Teilregionalplan Energie ist.

Ziel ist, zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft zu reservieren

Hintergrund des Verfahrens: Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hatte 2011 den hessischen Energiegipfel nach der Atomkatastrophe von Fukushima ins Leben gerufen. Ergebnis war, zwei Prozent der Landesfläche künftig für Windenergie zu nutzen. Das Ziel ist im Landesentwicklungsplan festgeschrieben, der verlangt, dass auch im Regierungsbezirk Kassel zwei Prozent der Fläche als Vorranggebiete für Windkraftanlagen zur Verfügung gestellt werden sollen. Das entspricht etwa 16600 Hektar. Alle anderen Flächen sind damit für den Bau von Windkraftanlagen ausgeschlossen. Gibt es einen Regionalplan mit Wind-Vorranggebieten, müssen die Kommunen ihre Flächennutzungspläne daran anpassen. „Noch gibt es keine Endfassung“, betonte Detlef Schmidt.

Vom 15. März bis 16. Mai legt das Regierungspräsidium den Planentwurf zum zweiten Mal öffentlich aus, die Unterlagen können auch im Korbacher Rathaus eingesehen werden. Bürger, Verbände und Institutionen können dann noch einmal Einfluss auf die Planungen nehmen und ihre Anregungen und Einwendungen zu dem Entwurf einreichen. Die Frist dafür endet zwei Wochen nach der Offenlegung. Bürgermeister Klaus Friedrich appellierte an die Korbacher, diese Möglichkeit zu nutzen: „Wir wollen uns in Korbach nicht gegen Windkraftanlagen sperren, aber es muss passen.“ Unterstützung könne das Bauamt der Stadt geben.

Noch schränkt das Wetterradar die Standortwahl ein

Erst wenn die Stellungnahmen bearbeitet sind, beschließt die Regionalversammlung den neuen Regionalplan endgültig, der dann der Landesregierung zur Genehmigung vorgelegt wird. Aber auch danach ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Schmidt geht davon aus, dass gegen den Plan geklagt wird.

Das Wetterradar nahe der Deponie in Flechtdorf schränkt im Gebiet der Kreisstadt die Standortwahl bislang deutlich ein. Im Umkreis von fünf Kilometern dürfen keine Windräder errichtet werden, im Umkreis von 15 Kilometern nur mit Einschränkung. Das Wetterradar durchkreuzt damit die Pläne für gleich mehrere neue Windparks. Potenzielle Investoren wollen es daher versetzen lassen. Als möglicher Standort ist der Naturpark Kellerwald-Edersee im Gespräch. Der aktuelle Entwurf des Teilregionalplans hat das bereits berücksichtigt und zwei weitere mögliche Flächen auf Korbacher Gemarkung mit aufgenommen, die bei der ersten Offenlegung noch nicht auf der Karte eingezeichnet waren (siehe Hintergrund).

Naturschützer suchen nach Greifvogelhorsten in den Wäldern

„Erst wenn das Radar wegkommt, könnte hier etwas passieren“, erklärte Detlef Schmidt. Erholungsraum- und Vogelschutz-Belange könnten Vorhaben auf diesen Flächen aber immer noch zu Fall bringen, so der Planer. Die Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) Korbach suchen derzeit auf vielen Waldflächen in der Region nach Greifvogelhorsten, wie Wolfgang Lehmann, Artenschutzspezialist des Verbandes, erklärte. Solange die Bäume noch keinen Laub tragen, ließen sich die Nester gut erkennen. Ehrenamtliche sammelten in den kommenden Wochen Daten über die Vögel, weitere Freiwillige könnten sich daran beteiligen. Lehmann: „Bei der Suche nach Horsten kann jeder mithelfen.“ Interessierte wenden sich an den Nabu Korbach (www.nabu-korbach.de).

Betreiber brauchen große Flächen, damit Radarumsetzung wirtschaftlich ist

Lehmann äußerte außerdem den Verdacht, dass die Flächen auf Korbacher Gemarkung deutlich vergrößert worden seien, um eine Versetzung des Wetterradars für Investoren wirtschaftlich interessant zu machen. Denn das sei nur gegeben, wenn die Betreiber dann Anlagen auf großen Flächen realisieren könnten.

Planer Schmidt zerstreute die Sorge der Helmscheider, dass bereits stehende Windräder, die nach alter Regelung bis zu 750 Meter an den Ort heranrücken, aufgerüstet werden könnten. Die alten Anlagen hätten zwar Bestandsschutz und dürften weiter betrieben werden, nicht erlaubt sei jedoch ein „Repowering“ innerhalb des 1000-Meter-Abstandes, also der Bau neuer Anlagen an diesen Standorten.

Hintergrund

Folgende mögliche Vorranggebiete sind bislang in der Korbacher Gemarkung vorgesehen:

Marke: 75 Hektar. die Fläche bei Strothe ist Favorit der Stadt Korbach. Der komplette Bereich liegt allerdings im Korridor einer Hubschraubernachttiefflugstrecke. Ob das ein Hinderungsgrund ist, muss noch geklärt werden. Auch vogelschutzrechtliche Belange sind noch nicht abschließend geklärt.

Welsche Lied: 216 Hektar. Die Stadt Korbach lehnt die Fläche bei Goldhausen grundsätzlich ab, weil Anlagen dort das Landschaftsbild beeinträchtigen würden. Außerdem hat der Naturschutz Bedenken, weil dort der Schwarzmilan heimisch ist. Bislang verhindert das Wetterradar bei der Deponie Flechtdorf Windkraftanlagen auf dieser Fläche, Investoren wollen es versetzen lassen.

Röth: 16 Hektar. Die Fläche in der Nähe vom Welschen Lied ist im Vergleich zum ersten Entwurf etwas verkleinert und an den 1000-Meter-Abstand zu Siedlungen angepasst worden.

Hohen Rade: 287 Hektar. Die Fläche zwischen Flechtdorf und Rhena kommt ins Spiel, falls das Wetterradar bei Flechtdorf verlegt wird, da dann auch der Fünf-Kilometer-Ausschluss-Puffer in diesem Bereich entfallen würde. Vom Vogelschutz her sind hier keine großen Konflikte zu erwarten und und auch der Forst sagt, dass es möglich ist, das Gebiet zu erschließen.

Vor den Stöcken/ Am Bickeberg: 43 Hektar. Die Fläche zwischen Dorfitter und Meineringhausen in der Nähe des FFH-Gebietes Dalwigker Holz macht Naturschützern Sorgen hinsichtlich des Fledermausschutzes.

Flechtdorf/ Helmscheid: 23 Hektar. Gegenüber der ersten Offenlegung ist die Fläche etwas kleiner geworden. Sie wurde an den 1000-Meter-Abstand zu Siedlungen angepasst.

Von Lutz Benseler

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