37 Jahre nach seiner Ordination geht Rüdiger Dierks in den Ruhestand · Abschied aus Korbach am 12. M

„Wir dürfen als Kirche nicht resignieren“

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Pfarrer Rüdiger Dierks geht in den Ruhestand. Am 12. Mai feiert er Abschied.

Korbach - Mit einer Ermutigung auf den Lippen verabschiedet sich Rüdiger Dierks nach zwölf Jahren aus der Nikolaigemeinde und aus Lelbach. Der 63-Jährige geht in den Ruhestand und kehrt nach Marburg zurück. Am 12. Mai feiert er in der Nikolaikirche seinen Abschied.

Als Rüdiger Dierks sich damals für die Theologie entschied, da hatte er tausend Fragen. „Ich war geprägt von der Waldorfschule und von dem frommen Milieu in Marburg“, erinnert er sich. Die Art und Weise, wie Lebensstile mit dem Willen Gottes begründet wurden, hatten ihn fragend gemacht. „Also beschloss ich, das intellektuell zu bearbeiten“, sagt er heute.

Herz für die Wissenschaft

Damals war Rüdiger Dierks gerade 19. Inzwischen sind 44 Jahre vergangen, und er hat Antworten gefunden. Mentoren wie Carl Heinz Ratschow in Marburg oder Gerhard Ebeling in Zürich unterstützten ihn bei seiner Suche. „Es war die Frage danach, wie wir leben können, die mich antrieb“, erinnert er sich, „die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz von Kirche und Ethik“. Er war Wissenschaftler aus Leidenschaft und ist es auch im Pfarramt geblieben. Mit seinem guten Freund Peter Laucht, der später Dekan in Wildungen wurde, arbeitete er an der Theologischen Realenzyklopädie und entschied nach dem Examen, an der Uni zu bleiben.

„Dann wurde ich im Pfarramt gebraucht“, sagt er. Das war 1979, und damals zog er ins Kirchspiel Louisendorf im Frankenberger Land. „Ich war ein junger Pfarrer und feierte gerne“, sagt er schmunzelnd, „die Gemeinde war sehr großzügig, wenn es um die Autos wechselnder Frauen vor dem Pfarrhaus ging.“ Er habe ausgesehen wie einem RAF-Fahndungsplakat entsprungen, und er habe sich den gesellschaftlichen Fragen gestellt. Ob Studenten-bewegung, Nachrüstungsdebatte oder der Streit um die Errichtung einer Wiederaufbereitungsanlage in Rengershausen: „Ich war eigentlich ein konfliktscheuer Mensch“, sagt er, „aber das waren Themen, die mich beeindruckt haben.“ Also kämpfte er. Nebenbei lehrte er an der Krankenpflegeschule in Frankenberg und lernte dort auch seine spätere Frau kennen. 1986 wechselte er nach Caldern. „Die Pfarrstelle war damals verbunden mit einem Lehrauftrag an der Uni“, erzählt er. Und so zog sich der rote Faden weiter durch sein Berufsleben. „Das war eine schöne Zeit“, sagt er, „und ein traumhaftes Ambiente“.

Kulturelles Leben

In Caldern wurden die beiden Söhne geboren, und erst nach 15 Jahren entschloss sich Familie Dierks weiterzuziehen. „Wir fanden, es sei noch mal Zeit für eine neue Herausforderung“, sagt er. Und diese Herausforderung fand er in Korbach und Lelbach. „Es war eine ganz andere pastorale Situation als die, die wir kannten“, erinnert sich Dierks. Gemeinsam mit Günther Engemann wirkte er in der Nikolaikirche und übernahm gleichzeitig die kleine Kirchengemeinde in Lelbach. Viele Besuche im „Haus am Nordwall“ gehörten zum täglichen Wirken - Gespräche, Begegnungen und Seelsorge auf dem letzten Schritt des Lebensweges.

Schon früh setzte er sich für die Stärkung des kulturellen Lebens im gesellschaftlichen, aber auch im kirchlichen Bereich ein. Er gab Kurse an der Volkshochschule und erdachte die Spätveranstaltungen in der Nikolaikirche während der Altstadt-Kulturfeste mit. Viele Male hat er sich am „Dinner for everyone“ beteiligt. „Am schönsten war es für mich immer, mit den Menschen im Gespräch zu sein“, sagt er im Rückblick, „bei einem Glas Wein oder einem schönen Essen“.

Vielen engagierten Menschen sei er in Korbach und Lelbach begegnet. „Davon bin ich tief beeindruckt“, sagt er. Und eben jenen Menschen will er zum Abschied Mut machen: „Wir dürfen nicht resignieren“, sagt er, „die Kirche hat einen wichtigen Dienst zu leisen.“ Sie müsse immer wieder aufzeigen, dass Geld und Leistung nicht das Wichtigste seien, sondern dass der Mensch eine Tiefendimension besitze. „Wir sind angenommen und geliebt“, sagt Rüdiger Dierks, „und es ist wichtig, dass die Menschen davon wissen“.

Zurück nach Marburg

Rüdiger Dierks hat viele Antworten gefunden in den vergangenen Jahrzehnten. Nach seinem Abschied aus Korbach will er gemeinsam mit seiner Frau nach Marburg zurückkehren. „Zu meinen alten Freunden und um der Vergreisung entgegenzu-wirken“, sagt er und lächelt leise.

Er kehrt als Lernender und Fragender zurück, wird wieder Kurse an der Uni nehmen und mit seinen beiden Söhnen über Gott und die Welt diskutieren. Dann fügt er hinzu: „Und all das lesen, was ich schon immer lesen wollte.“

Der Abschiedsgottesdienst findet am Sonntag, 12. Mai, um 14 Uhr in der Nikolaikirche statt. Anschließend wird herzlich ins Bürgerhaus eingeladen.

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