Landesbischof Dr. Martin Hein will die Kirche wieder mitten im Leben verankern

Der Weg wird kein leichter sein

Korbach. - Drei Tage war Dr. Martin Hein, Bischof der evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, zur „Visitation“ im alten Kirchenkreis des Eisenbergs. Hein sieht viel Potenzial in der Region – wirtschaftlich, aber auch für die kirchliche Arbeit.

Nach Vaterunser und Segen durfte der Bischof am Sonntagmorgen gleich Autogrammwünsche erfüllen. Zwei Konfirmandinnen ließen es sich nicht nehmen, Bischof Martin Hein (Kassel) höchstpersönlich in der Kilianskirche ihre Gottesdienstkärtchen quittieren zu lassen. Und die beiden Mädchen zogen freudestrahlend hinaus. Kirche ist durchaus keine traurige Angelegenheit, auch wenn der Blick auf die Mitgliederzahlen den Pfarrern mitunter Tränen in die Augen treiben könnte. Doch bot die Visitation, also der Besuch des Bischofs im alten Kirchenkreis des Eisenbergs, auch genügend Raum für fröhliche Seelen. Der Zeitplan war für Martin Hein eng getaktet: Betriebsbesuch bei der Firma Horizont in Korbach, Gespräche in der Paul-Zimmermann-Schule, Pfarrkonferenz in Flechtdorf, Wanderung zum Ettelsberg und zur Mühlenkopfschanze in Willingen, Gespräch mit Landrat und Bürgermeistern in Dalwigksthal zur Regionalentwicklung, ökumenischer Hospizverein wieder in Korbach, Museumsbesuch und zum Ausklang eine Orgelführung in der Kilianskirche am Samstagabend. Dazwischen blieb trotzdem Zeit, um mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen – das Hein immer wieder offensiv suchte. „Es ist sehr gut, wenn der Bischof da ist – der Mut macht, der inspiriert“, betonte denn auch Karsten Meyer (Helsen), Präses der Synode im neuen Kirchenkreis Twiste-Eisenberg zum Abschluss am Sonntag. Hein wiederum bedankte sich bei Meyer, aber insbesondere bei Dekanin Eva Brinke-Kriebel für die umfangreiche Vorbereitung. An heiklen Themen und Kritik fehlte es dabei im Vorfeld nicht. Der neue Anbau für das Kirchenkreisamt in Korbach, die Debatte um Pfarrstelle und Gebäude in Twiste und Ober-Waroldern haben Gemeindeglieder auf den Plan gerufen. Die Entscheidung in Twiste sei noch nicht gefallen, erklärten Bischof und Dekanin gleichermaßen. Zudem seien kritische Debatten ein gutes Zeichen: „Ich finde es legitim und gut, wenn sich Menschen für ihre Sache einsetzen“, betonte Martin Hein. Zumal die Diskussionen darüber bei der Synode am Freitagabend in Flechtdorf sehr sachlich geführt worden seien. Enorm sei das Engagement in Kirchenvorständen und Synode im Waldecker Land, ebenso die Spendenbereitschaft, wenn es um wichtige Projekte gehe. Die Investition für die neue Orgel im Kilian sei ein bestes Beispiel. Im Kirchenkreis stecke also viel Potenzial.Metaphorisch für die Lage der Kirche ist derweil die Predigt des Bischofs am Sonntag. Hein greift die Geschichte des verfolgten Propheten Elia in der Wüste auf. Gebrochen und ausgedörrt legt sich der sonst schlagkräftige Gottesstreiter nieder, bis ihn ein Engel mit Wasser und Brot aufweckt: „Steh auf und iss.“ Aufrichten ist also angesagt, die Herausforderung annehmen. „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, zitiert Hein dabei den Dialog von Esel und Hahn aus den Bremer Stadtmusikanten. Oder wie es der Sänger Xavier Naidoo modern ausdrücke: „Dieser Weg wird kein leichter sein.“ Von Jörg Kleine Ein Interview mit Bischof Hein lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der wlz-fz vom Montag, 25. März 2014.

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