Hoteliers fordern Nachbesserungen bei Arbeitszeitgesetz und Aufzeichnungsverordnung

„Wirklichkeitsfremde Regelungen“

+
Fordern Änderungen beim Arbeitszeitgesetz und bei der Aufzeichnungsverordnung: Unser Bild zeigt vorne von links nach rechts Ingrid Brüne-Frisch, Katharina Höhle, Gerlinde Scriba (alle Dehoga-Kreisverband Korbach/Willingen), Kirsten Kesper und Katja Kremser-Stuhldreier (Sauerland Stern Hotel). Dahinter stehen Axel Sauer (Dehoga-Kreisverband), Steuerberater Jürgen Jesper, Dr. Peter Sacher und Dieter Lehmann (beide IHK), Bundestagsabgeordneter Thomas Viesehon, Hotelier Gert Göbel und seine Mitarbei

Willingen - Hotelier Gert Göbel wehrt sich gegen ein „bürokratisches Monstrum“, gegen „wirklichkeitsfremde Regelungen zur Arbeitszeit“, gegen negative Auswirkungen der Aufzeichnungspflicht für die gesamte Branche.

Der Willinger, der sich auch im Dehoga-Landesvorstand engagiert, hat sich jetzt an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier gewandt. In seinem Schreiben schildert er ihm eindringlich die Sachlage: „Wir verwalten und verwalten und verwalten, nur für unsere Gäste haben wir keine Zeit mehr!“

Am Mittwoch lud Göbel Vertreter des Hotel- und Gaststättenkreisverbands Korbach/Willingen, der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg sowie des „Sauerland Sterns“ als größtem Hotel der Region ein. Im Gespräch mit Bundestagsabgeordnetem Thomas Viesehon (CDU) verdeutlichten die Teilnehmer die Probleme, die im betrieblichen Alltag insbesondere durch Regelungen des Arbeitszeitgesetzes und durch die Aufzeichnungsverordnung entstehen.

Gert Göbel ist seit genau vier Jahrzehnten selbstständig. Aus kleinsten Anfängen heraus hat er die Göbel-Hotelgruppe mit mittlerweile 18 Betrieben an zwölf Standorten entwickelt. Bei etwa 150 der insgesamt rund 900 Mitarbeiter handelt es sich um Aushilfen. „Sie werden dringend benötigt, um Spitzen abzudecken“, insbesondere an Wochenenden oder bei Festlichkeiten. „Umgekehrt brauchen viele Mitarbeiter diese Aushilfsjobs, um neben ihrem normalen Arbeitslohn noch etwas hinzuzuverdienen.“

Der Willinger Hotelier und seine Kollegen machten deutlich, dass nicht etwa die Zahlung des gesetzlich verordneten Mindestlohns das Problem sei, sondern starre Regelungen des Arbeitszeitgesetzes. Danach dürften viele Mitarbeiter nicht mehr als Aushilfen beschäftigt werden, wenn sie bereits an ihrer normalen Arbeitsstelle voll gearbeitet haben, da ihre Tagesarbeitszeit dann die Zehn-Stunden-Grenze überschreite. Betroffen seien aber nicht nur die Aushilfen, sondern auch Köche, Restaurant- und Hotelfachleute. Insbesondere bei der Ausrichtung von Familienfeiern sei es oftmals notwendig, dass über die übliche zeitliche Grenze hinaus gearbeitet werden müsse. In den familiengeführten mittelständischen Betrieben sei es nicht möglich, einen Zwei-Schicht-Betrieb zu fahren. Dieter Lehmann (IHK) zeigte sich überzeugt davon, dass die derzeitigen Regelungen „noch nicht in Stein gemeißelt sind“. Die Bundesregierung zeige Gesprächsbereitschaft. „Man muss erkennen, dass es Ausnahmen geben muss“, betonte MdB Thomas Viesehon. Er hält es für wichtig, dass der Druck nicht nur von Arbeitgeber-, sondern auch von Arbeitnehmerseite kommt, um Nachbesserungen zu erreichen. Steuerberater Jürgen Jesper regte in diesem Zusammenhang an, dass die Arbeitnehmer eventuell eine Unterschriftenaktion starten.

Von Ulrike Schiefner

Kommentare