Ökumenisches ambulantes Hospiz in Korbach feiert 15-jähriges Bestehen

„Wollen Ort der Gastfreundschaft sein“

Auf ehrenamtlichen Beinen steht die Arbeit des Hospizvereins. Zum Dank dafür gab es für die Verantwortlichen die Ehrenamtskarte. Nachmittags spielte Martin Leßmann vor vollem Haus das traurig und zugleich lustige Stück „Du bist meine Mutter“.Fotos: Demski

Korbach - Mit nachdenklichen und fröhlichen Tönen feierte das ökumenische ambulante Hospiz in Korbach am Samstag seinen 15. Geburtstag. Aus einer Gruppe Ehrenamtlicher ist ein kleiner, professioneller Verein geworden.

„Wir feiern ein fröhliches Fest, obwohl wir uns mit Sterben, Tod und Trauer befassen“, stellte Dr. Irmgard Brachmann, Vorsitzende des Korbacher Hospizvereins gleich zu Beginn klar. Und so hatten die Mitglieder des Vereins ein abwechslungsreiches Programm für ihren Festtag zum 15. Geburtstag des ambulanten Hospizes auf die Beine gestellt - mal fröhlich und mal nachdenklich.

Mit einer offiziellen Feierstunde begann das Geburtstagsfest am Samstagmorgen im Bürgerhaus. „Wir Menschen verdrängen die Erkenntnis gerne, dass Leben und Tod zusammen gehören“, erinnerte Erster Beigeordneter Jens Deutschendorf, „wenn wir uns diesen Themen dann stellen, ist es gut, Menschen an der Seite haben, die mit ihrer Erfahrung helfen können“. Für ihren ehrenamtlichen Einsatz in der Sterbe- und Trauerbegleitung zeichnete er acht Mitglieder mit der Ehrenamtskarte aus.

Nicht selbstverständlich

Glückwünsche und Anerkennung gab es zum Geburtstag auch von Bürgermeister Klaus Friedrich: „Der Verein hat etwas geschafft, was keinesfalls selbstverständlich ist“, befand er, „er hat Themen wie Tod und Trauer in die Öffentlichkeit gebracht“.

Und das wünschten sich die Mitglieder des Hospizvereins auch für ihren Festtag: Namhafte Referenten wie Reiner Sörries und Gerda Graf waren nach Korbach eingeladen worden. Der Leiter des Kasseler Museums für Sepulkralkultur sprach über das Recht auf selbst bestimmtes Sterben und Trauern. Das Thema Demenz nahm dann Gerda Graf, Geschäftsführerin des Seniorenparks „Sophienhof“ auf und sprach über Fürsorgekultur im hospizlichen Kontext.

Volles Haus herrschte am Samstagnachmittag, als Schauspieler Martin Leßmann und Musiker Gero John nach Korbach kamen. Leßmann spielte gleich zwei Rollen - den Sohn und seine demente Mutter. Ein Stück über das Vergessen und Abschiednehmen erzählte der Schauspieler und wurde von Violoncello-Tönen unterstützt. Mal lustig, mal zum wieder erkennen und dann wieder traurig, führte Leßmann durch das Stück. Ernste Töne schlug schließlich auch Irmgard Brachmann an: „Wie früher am Wegesrand der Handelsstraßen Hospize Orte der Gastfreundschaft waren, wollen wir es heute sein“, betonte sie.

Mit der bundesweiten Entwicklung und der Entstehung der Palliativ-Medizin sei aber ein Markt- und Machtgerangel entstanden, das es Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit zuweilen schwer mache. Sie stellte klar: Trauer sei keine Krankheit, die möglichst schnell therapiert werden müsse. „Es ist gut, dass es Ehrenamtliche gibt, die Zeit mitbringen“, befand sie. Und diese Zeit wollen die Mitarbeiter des Hospizvereins auch künftig mit in die Häuser und Wohnungen bringen. (resa)

Kommentare