Katholische Beratungsstelle erweitert Angebot um Psychotraumatologie

Mit den Wunden leben

+

Korbach - Panik und Schweißausbruch mitten im Alltag: Menschen mit einem Trauma werden oft ganz unerwartet eingeholt von den Erlebnissen. Dann will Angelika Hesse-Pieper von der Katholischen Beratungsstelle helfen, wieder Sicherheit zu finden.

Die Not ist groß. Flüchtlinge haben die gefährliche Reise über das Mittelmeer geschafft und erreichen eine Welt voller neuer Unsicherheiten und Ängste. Alltag gibt es nicht mehr. Auch Frauen nach Vergewaltigungen kennen Panikattacken und Hilflosigkeit, Missbrauchsopfer oder Menschen, die in einen Überfall verwickelt wurden.

„Dann geht es vor allem darum, wieder Sicherheit und Stabilität zu finden“, sagt Angelika Hesse-Pieper. Und um künftig bei der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung eben auch jenen Menschen helfen zu können, die eine lebensbedrohliche Erfahrung gemacht haben, hat sich deren Leiterin fortbilden lassen - zur Fachberaterin für Psychotraumatologie. „Um eine Therapieplatz zu bekommen, müssen Menschen oft Monate lange warten“, sagt Angelika Hesse-Pieper, „wir können in dieser Zeit eine Brücke sein.“ Aber auch Menschen, die weniger nach einer Therapie suchen als nach jemanden, der in Notsituationen zuhört, ist in der Beratungsstelle richtig. „Wenn es brennt, sind wir da“, sagt Angelika Hesse-Pieper.

Zurück zur Stabilität im Alltag

Und dann geht es nicht darum, die Situation zu analysieren, die zum Trauma führte. „Darüber sprechen wir gar nicht“, sagt die Beraterin, „bei uns geht es nur um den Umgang mit dem Trauma.“ Und dazu gehöre am Anfang vor allem eine ganz nüchterne Erklärung: „Die Menschen müssen wissen, dass ihre Reaktion völlig normal ist, dass aber das Ereignis unnormal ist.“ Dieses Wissen und die Einsicht in die Funktionen der Psyche sei oft entlastend. Und genau darum gehe es in der Beratungsstelle: „Wie komme ich aus der Paniksackgasse? Wie finde ich Entspannung und Sicherheit? Das sind die Fragen, die wir angehen.“

Jeder Mensch finde andere Antworten und andere Hilfsmittel. Mal seien es Phantasiereisen, die beim Finden von Orten innerer Sicherheit helfen. Mal Meditationen. „Manchmal sind es so banale Dinge wie ein kaltes Glas Wasser, ein Schnipsen oder das Telefonat mit einem Freund, die helfen können“, sagt Angelika Hesse-Pieper, „und diese Dinge müssen wir gemeinsam finden.“

Von Theresa Demski

Kommentare