Nach fünf mageren Jahren hat die Hansestadt einen ausgeglichenen Haushalt

Wunder gibt es immer wieder

Korbachs Steuereinnahmen sackten 2007 zu Boden. Die sprudeln wieder kräftiger, liegen aber noch unter dem Jahr 2005.Quelle: Stadt

Korbach - 5,7 Millionen Euro Minus waren prognostiziert, am Jahresende 2014 steht aber nur ein kleines Minus von 300?000 Euro in den Büchern. Die Kreisstadt Korbach schafft damit erstmals wieder einen (fast) ausgeglichenen Haushalt.

„Wunder gibt es immer wieder“, sang Katja Ebstein 1970 – und schaffte damit Platz drei für Deutschland beim „Eurovision Song Contest“. Davon können heutige Schlagerstars nur träumen. Für die Hansestadt Korbach sind derlei Wunder indes nicht ganz ungewöhnlich. Zumindest finanziell.

Immer wieder gelang es Korbach in den 1990er- und 2000er-Jahren, am Jahresende mehr Geld in der Kasse zu haben, als ursprünglich geplant. Nach der Weltwirtschaftskrise 2007/2008 hätten sich alle Korbacher solche sprichwörtlichen Haushaltswunder aber gewünscht, denn plötzlich herrschte Ebbe.

Im Haupt- und Finanzausschuss des Parlaments warteten Bürgermeister Klaus Friedrich und Stadtkämmerer Ralf Buchloh am Mittwochabend mit einer dicken Überraschung auf. Der vorläufige Jahresabschluss 2014 zeigt nur noch ein Minus von rund 300000 Euro. Ursprünglich war ein Defizit von 5,7 Millionen Euro im Ergebnishaushalt (Gewinn- und Verlustrechnung) befürchtet worden.

„Ich würde es als rote Null bezeichnen“, bilanzierte Buchloh munter. Und Rathauschef Friedrich meinte selbstbewusst: „Wir können uns jetzt alle mal auf die Schulter klopfen.“ Das Lob richtete er dabei an Parlament, Magistrat und Verwaltung gleichermaßen: „Das, was wir seit vier Jahren gemeinsam erarbeitet haben, zeigt jetzt Wirkung.“

Mehreinnahmen erzielte die Hansestadt bei Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Spielapparatesteuer und Zuweisungen des Landes. Hinzu kommen Erträge von 1,5 Millionen Euro durch Grundstücksverkäufe und 1,6 Millionen Euro niedrigere Ausgaben. Mit diesen Bilanzzahlen verbesserte sich auch der „Cash Flow“ (Finanzhaushalt) enorm: Statt 8,25 Millionen Euro Minus schlugen knapp 1,2 Millionen Euro Plus zu Buche.

Vielleicht liegt es an der dezenten Art von Hanseaten, dass im Finanzausschuss kein Jubel ausbrach. „Vielen Dank für die saubere Wirtschaft. Das klingt gut“, bilanzierte SPD-Fraktionschef Henrik Ludwig nüchtern.

Und Bürgermeister Friedrich schickte denn auch gleich eine Warnung hinterher: „Der Weg ist richtig, aber wir sind noch längst nicht am Ende angekommen.“ Bund, Land und Landkreis sanierten weiterhin ihre Kassen zu Lasten der Kommunen. Allein die höhere Kreis- und Schulumlage belaste Korbach mit jährlich 466000 Euro mehr.

Von Jörg Kleine

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