Leerstand im Herzen der Fußgängerzone: Finanzinvestor ist gefordert · Neue Disco nicht in Sicht

Zähes Ringen an der Einkaufsmeile

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Der frühere Greko-Laden ist seit 2011 verwaist. Es gibt zarte Signale, den Leerstand im Zentrum zu beseitigen.

Korbach - Gähnende Leere im Gebäude neben Woolworth bleibt ein Knackpunkt Korbacher Stadtentwicklung. Hinter den Kulissen der Einkaufsmeile ist etwas Schwung in die Verhandlungen gekommen.

Wo vor über 40 Jahren Korbachs erste Rolltreppe großstädtisches Flair auf die Einkaufsmeile brachte, droht seit fast drei Jahren ein Verfall. 2011 schloss Greko den Textilladen neben Woolworth in der Bahnhofstraße. Seither steht das Geschäft über zwei Etagen leer - ausgerechnet in Top-Lage der Hansestadt. Bunte Bilder der Künstlergruppe „artur“ vor den Schaukästen sind ein schöner Schmuck, doch er verstärkt eher die Düsternis dahinter.

Eigentümer und Nutzer des mächtigen Gebäudes haben jahrelang höchstens schriftlich miteinander kommuniziert. Vor Tagen gab es hinter verschlossenen Ladentüren jedoch erstmals wieder direkte Gespräche.

Neue Verhandlungen

„Die Sache ist ein bisschen schwierig“, sagt Anne Mertke, Immobilienmanagerin der ACREST Property Group in Berlin, auf WLZ-Anfrage. Diese Firma soll an verschiedensten Standorten in Deutschland ehemalige Woolworth-Immobilien neu vermarkten. Denn Woolworth hatte nach finanziellen Schwierigkeiten seinen Gebäudebestand 2007 an die internationale Cerberus-Gruppe übertragen.

Woolworth mietete daraufhin die Flächen zurück. So änderte sich für die Kunden vorerst nichts. Mit der weltweiten Finanzkrise wuchs jedoch der Druck im Einzelhandel. So musste Woolworth im Sortiment viel Federn lassen, Greko gab den Standort Korbach völlig auf, weil ihnen die Miete zu hoch war.

Zugleich sind die Besitzverhältnisse äußerst kompliziert. Die Gebäudeteile links bei Greko gehören der Cerberus-Gruppe, der Grund und Boden aber Korbacher Eigentümern. Sie haben die Flächen im Erbbaurecht verpachtet. Der rechte Gebäudeteil, der ursprüngliche Woolworth-Bau, ist von Cerberus hingegen nur mit einem „Dauernutzungsrecht“ gemietet.

Alle Verträge laufen 2022 aus. Deshalb gilt es nun, Pflöcke für die Zukunft einzuschlagen, dabei das Vertragsgeflecht vielleicht auch zu entwirren. So könnte Cerberus den ganzen Gebäudeblock erwerben.

Doch dem Finanzinvestor sind die Kosten dafür zu hoch. Um die Flächen neu zu vermarkten, seien millionenschwere Investitionen erforderlich. So setzt ACREST im Auftrag von Cerberus auf ein Entgegenkommen der Grundbesitzer. Die wiederum pochen auf Einhaltung der auf 50 Jahre laufenden Verträge. Deshalb herrscht Stillstand - und der Greko-Laden bleibt leer. Anfang Februar trafen sich Vertreter der Cerberus-Gruppe und heimische Eigentümer immerhin bei einer Bestandsaufnahme. Zumal vertraglich fixiert ist, dass die Gebäude stets im baulich einwandfreien Zustand zu halten sind.

Setzrisse, undichtes Dach

Im rechten Gebäudetrakt samt leer stehenden Arztpraxen und Kellerdisco ist die Bausubstanz weitgehend in Ordnung, erklärt ein Sprecher der heimischen Eigentümer auf WLZ-Nachfrage. Ganz anders sei die Lage im linken Gebäudeteil mit dem früheren Greko-Laden: Hier gebe es erhebliche Setzrisse in den Wänden, das Dach sei undicht, eine obere Wohnung sei von Schimmel befallen. Die Cerberus-Gruppe sei also gefordert, das Gebäude zu sanieren - ob mit oder ohne Mieter. Das machten die Eigentümer vor Tagen auch bei einem Treffen mit ACREST in Korbach deutlich.

„Wir haben sehr offen gesprochen“, resümiert Anne Mertke ihren Besuch von Berlin in Korbach. Die Cerberus-Gruppe prüfe derzeit, ob es sinnvoll wäre, den Gebäudeblock zu kaufen. Zumal es seit Jahren Interessenten für neue Läden in Korbach gibt - ob „H & M“ oder „New Yorker“. Dafür müsste die Cerberus-Gruppe aber erheblich investieren. Und dies falle umso schwerer, „wenn wir im Vorfeld schon so viel Geld mitbringen müssen“ für Pacht oder Kauf des Gebäudes.

In den nächsten Wochen werde die Cerberus-Gruppe eine Entscheidung treffen. Sollten die Verhandlungen danach immer noch stocken, soll zumindest der frühere Greko-Laden wieder vermietet werden. „Das wäre dann der nächste Schritt“, sagt Mertke.

Den Leerstand mitten in der Fußgängerzone kann in der Hansestadt ohnehin niemand begreifen. Mieteinnahmen sind schließlich besser als ein verfallendes Gebäude - für das die Cerberus-Gruppe am Ende sowieso bezahlen müsste.

„Bier-Dorf“ hinter Gittern

Doch steht auch die geplante neue Disco im Keller unter Woolworth weiter in den Sternen. Mitte Dezember wollte dort ein „Bier-Dorf“ eröffnen, aber die Brandschutzauflagen waren gar nicht erfüllt. Zweimal schon wurde die Eröffnung verschoben, zuletzt auf Anfang Februar. Doch auch dieser Termin ist längst sang- und klanglos verstrichen.

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