Filmprojekt „Beginne“ läuft bis zum 7. September in Korbach

Vom Zauber jeden Neuanfangs

Korbach - Korbacher, die privat oder beruflich einen Neuanfang wagten, spielen die Hauptrollen im Filmprojekt „Beginne“. Die Interview-Doku haben Bielefelder Studenten produziert.

Premiere feierte der 56-minütige Film, in dem zehn Wagemutige schildern, was sie zum Neuanfang veranlasst hat, bei der Korbacher Kunstnacht Anfang des Monats. Das komprimierte Ergebnis der Interviews, die acht Studenten der Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Sozialwesen, mit ganz unterschiedlich motivierten Gesprächspartnern führten, ist noch bis zum 7. September im Wolfgang-Bonhage-Museum zu sehen. Gemeinsam mit dem Bielefelder Kunstprofessor Thomas Henke, einem gebürtigen Korbacher, haben das vhs-Kulturforum, die Künstlergruppe artur und das Bonhage-Museum das Projekt auf den Weg gebracht. Ein Semester lang haben sich die acht Studenten vorbereitet, um Erklärungen für einen im Alltag immer wieder auftauchenden Widerspruch zu finden. „Objektiv nehmen Lebenserwartung und Wohlstand zu, subjektiv scheinen jedoch immer mehr Menschen mit ihrer beruflichen oder privaten Situation unzufrieden zu sein“, beschreibt Professor Henke das Phänomen. Am Experiment, „Motivation, Intention und Haltung“ wagemutiger Menschen zu erforschen, haben zehn Korbacher teilgenommen. Sie wechselten zum Beispiel den Beruf, entschieden sich dafür, bewusster zu leben, von der Großstadt in den ländlichen Raum umzuziehen oder ein Jahr im Ausland zu verbringen. Bei anderen wiederum veränderten sich die Lebensumstände und damit verbunden auch die Erwartungen anderer, sie wurden Oma, Ruheständler, Unternehmer oder Hausbesitzer. Bis zu zweieinhalb Stunden dauerten die Video-Interviews. „Doch die Zeit verging wie im Flug“, berichtet Philipp Hiller. „Mir ist erst beim Erzählen bewusst geworden, was das Gesagte wirklich bedeutet“, erinnert sich Martina Bangert an Schlüsselerlebnisse. Simone Rost empfand die Gesprächsatmosphäre als überaus angenehm und vertrauensvoll. „Wir waren uns sofort sympathisch und haben uns auch ohne Kamera noch weiter unterhalten“, schildert sie ihre Begegnung mit den beiden Interviewerinnen, die sie besuchten. Die Studenten sichteten das mehrstündige Filmmaterial und wählten selbst die Passagen aus, die ihnen wichtig erschienen, weil sie besonders berührend oder tiefgründig waren. Herausgeschnitten wurden die Fragen der Interviewer, die auch nicht im Bild zu sehen sind. So erfährt der Zuschauer auch nichts über die Person und deren konkrete Neuanfänge. Im Zusammenschnitt verdeutlichen die Sequenzen dadurch die universelle Dimension der Frage: Was führt dazu, sich oder etwas in seinem Leben zu verändern?Der Film „Beginne“ ist im Wolfgang-Bonhage-Museum während der Öffnungszeiten (Dienstag bis Sonntag von 12 bis 16.30 Uhr) bis zum 7. September zu sehen. Von Thomas Kobbe

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