Epper Kinder wollen in ihrer Schule bleiben · Landkreis verfolgt Diskussion

„Zeigen, wie gut die Arbeit funktioniert“

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Wollen sich nicht einfach an eine andere Schule versetzen lassen: die Epper Schüler, Lehrerinnen und Eltern.

Korbach - Gegen die Schließung der Grundschule, die seit rund einem Monat im Raum steht, formiert sich auch in Eppe der Protest. Schüler und Kindergartenkinder bastelten am Montag gemeinsam, um zu zeigen: Wir gehören zusammen.

Die Beschlussvorlage 185/12 hatte es in sich: Darin stellte der Fachdienst Schule unter anderem die Grundschulen in Eppe und Rhena in Frage. Und das, obwohl vor einem Jahr der Fortbestand gesichert schien. „Uns wurden Versprechungen gemacht. Und wir wollen nur, dass diese nun auch eingehalten werden“, hatte Mareike Bangert, Chefin der Astrid-Lindgren-Schule in Rhena, ihrem Ärger vergangene Woche Luft gemacht. Dort hatte man sich zu einem Schulverbund mit der Westwallschule durchgerungen.

Was als „Fortschreibung des Schulentwicklungsplans“ in den Schulausschuss und den Kreistag kommen sollte, weckte große Befürchtungen und Enttäuschungen bei den betroffenen Kindern, Eltern und Lehrern. Ziel sei es, einen „Ausgleich zwischen wohnortnaher Beschulung und einem wirtschaftlichen und zweckmäßigem schulischen Angebot“ zu finden, hieß es in dem Papier. Und das bedeutete: In zwei Korbacher Grundschulen könnten 2014 die Lichter ausgehen.

In vier Wochen soll der Kreistag entscheiden. „Bis dahin wollen wir zeigen, wie gut die Arbeit bei uns funktioniert“, kündigt Barbara Hellwig gestern an. Die Vorsitzende des Elternbeirats in Eppe ist wie viele andere Eltern auch enttäuscht vom Vorgehen des Landkreises. Bisher habe man jedem Argument „etwas entgegensetzen“ können.

Die aktive Hillershäuserin hat den Eindruck gewonnen, dass der Kreis immer neue Argumente für eine unausweichliche Schließung vorschiebt. Schulleiterin Astrid Döring macht deutlich, woran es hapert: „Ich würde mir Gespräche wünschen.“ Vor den Herbstferien hatte sie die Fraktionsvorsitzenden in der Schule zu Besuch: „Sie sollten wenigstens wissen, über was sie da entscheiden.“

Bereits im Sommer hatte das Gebäudemanagement die Schulen inspiziert und anschließend Kostenvoranschläge für die Sanierungen angefertigt. An sieben Schulen (Freienhagen, Rhena, Eppe, Waldeck, Geismar, Sachsenberg und Sachsenhausen) müssen demnach acht Millionen Euro investiert werden, pro Schüler sind die Kosten in Rhena und Eppe am höchsten. Die Betriebskosten liegen laut Gutachten über der Schmerzgrenze von 800 Euro pro Schüler, Rhena ausgenommen.

„Aus der Nutzung nehmen“

In dem Papier gesteht die Kreisverwaltung ein: „Bei vielen kleinen Grundschulen besteht Sanierungsbedarf.“ Zurückgeführt wird dies auf die „jahrelange Unsicherheit, ob der Schulstandort mittelfristig bleibt oder geschlossen“ werde. Inzwischen sei das Sicherheitsrisiko mancherorts so gravierend, dass Teile „umgehend aus der Nutzung zu nehmen sind“.

Günter Schmitt, SPD-Vertreter im Schulausschuss auf Kreisebene, hatte angekündigt, sich die Zahlen vom Eigenbetrieb erklären lassen zu wollen. Welche Aufschlüsselung hinter den 1,8 Millionen Euro für Rhena und Eppe liegt, konnte Kreissprecher Dr. Hartmut Wecker nach WLZ-Anfrage bis Montagabend nicht beantworten. Die Verwaltung verfolge die Diskussion aber „sehr aufmerksam“ und respektiere die Argumente „in hohem Maße“, heißt es aus dem Kreishaus.

Man bemühe sich, alle Grundschulen zu erhalten, „so lange es irgendwie vertretbar ist“. Den ländlichen Raum zu stärken sei „eine der wichtigsten Aufgaben“. Ziel bleibe „ein flächendeckendes Schulangebot mit mindestens einem schulischen Angebot in jeder der 22 Kommunen“ des Landkreises.

Der Bestand kleiner Grundschulen sei „wünschenswert“, aber nicht immer zu gewährleisten. Neben Schülerzahl, Elternwunsch und pädagogischer Vielfalt müssten auch Wirtschaftlichkeit und Sicherheit berücksichtigt werden. An großen Schulen gebe es oft „bessere Angebote“, die die notwendige Fahrt mit dem Bus wettmachten.

Neben den direkt Betroffenen haben inzwischen auch Ortsvorsteher, Stadtverordnete und Bürgermeister Klaus Friedrich ihre mahnende Stimme erhoben und sich für die Erhaltung der Grundschulen ausgesprochen. In der vergangenen Woche trafen sich Elternvertreter im Rathaus, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

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