Bühnenversion des französischen Erfolgsfilms mit Timothy Peach in der Stadthalle

Ziemlich gut gemeinte Theaterfassung

+
Ziemlich beste (Kunst-)Freunde: Felix Frenken als Driss und Timothy Peach als Philippe.Foto: ahi

Korbach - Als Film war „Ziemlich beste Freunde“ vor zwei Jahren ein Riesenhit, Grund genug für eine Bühnenfassung der Buddy-Komödie mit ernstem Hintergrund, in der zwei Ausgegrenzte von den unterschiedlichen Enden der Gesellschaft unverhoffte Gemeinsamkeiten finden.

Aufgrund der Besetzung des vom Hals abwärts gelähmten Philippe mit Timothy Peach hatte das Theater Thespiskarren bei seinem Korbacher Gastspiel einen Publikumsmagneten mit an Bord, der 650 Zuschauer in die Stadthalle zog.

„Pilcher-Lächeln“

Fans des für sein Lächeln in den Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen bekannten Schauspielers kamen in der von Gerhard Hess in Szene gesetzten Produktion nicht nur in Sachen Bühnenpräsenz voll auf ihre Kosten, sofern sie nicht ausschließlich auf den Liebhaber mit dem Lächeln oder den Schuft mit Charme fixiert waren. Zumal ihr Liebling in der ungewohnt passiven und trotzdem schlagfertigen Rolle, zahlreiche bislang vernachlässigte Facetten seines Talents entwickeln und dabei auch ein wenig über frühere Karrierestationen spötteln konnte.

Das „Pilcher-Lächeln“ der alten Aufnahmen im Foto-Album sollte sich im Verlauf des Abends zum Running Gag entwickeln. Der zweite Dauerbrenner in Sachen Humor war das ebenso konstante wie hoffnungslose Werben von Driss um die zwar dezenter, aber noch unmissverständlicher als in der Filmvorlage als Lesbe gedresste und gestylte Magalie von Sarah Spennemann. Als erotisches Geschenk von Driss an Philippe und dessen unverhofft ins Leben getretenene Brieffreundin Eleonore lieferte die Schauspielerin bezeichnende Beispiele für ihre Wandlungsfähigkeit.

Wer in erster Linie wegen Timothy Peach und ohne Vorbelastung durch den Film in die Stadthalle gekommen war, dürfte nicht viel vermisst haben, zumal die Entstehung dieser ungewöhnlichen Männerfreundschaft aus der Herausforderung des gelähmten Millionärs an den vollkommen unwilligen, aber absolut ehrlichen und obdachlosen Bewerber ins rechte Licht gerückt wurde.

Ohne Maserati-Fahrt

Trotzdem erwies sich die auf Philippes Wohn- und Schlafeinheit konzentrierte Quartettfassung schon eher als Kulturschock für Freunde des Films. Denn die spektakulären Außenaktionen wie die Maserati-Fahrt oder der gemeinsame Gleitflug kamen nur in den Erzählungen vor. Dasselbe gilt für die Aktivitäten von Driss, die nicht unmittelbar mit seiner Beziehung zu Philippe zu tun haben.

In seiner Gestaltung der Rolle des Ex-Knackis, der sich nur seinen Stempel fürs Arbeitsamt abholen will, um weiter seine Stütze kassieren zu können, orientiert sich der ganz auf die Buddy-Rolle beschränkte Felix Frenken bei der Gestaltung daher eher an Eddie Murphy als am Film-Driss Omar Sy. Gleichbedeutend mit Hibbeligkeit pur und drastischer Komik, die entsprechend deutlich zur Gelassenheit Timothy Peachs und der Gleichgültigkeit von Sekretärin Magalie (Sara Spennemann) kontrastiert. Neben den ersten hilflosen Schritten als Intensivpfleger erwiesen sich der nächtliche Moment der Wahrheit mit dem Joint und die Rasur des übelst aufgelegten Philippe bis zur Hitlerkarikatur als komische Höhepunkt vor ernstem Hintergrund.

Über die volle Dauer erwies sich die Eddy-Murphy-Nummer aber eher als Ballast, da auch ein andauerndes Buddy-Pointenfeuerwerk keinen echten Ersatz für die Lücken in der Handlung und die ausgesparten Charakternuancen gibt. Insofern wirkte die Theaterfassung, die einem Schauspielerquartett durchweg dankbare Aufgaben bietet, nicht allzu abwechslungsreich und etwas in die Länge gezogen, auch wenn die allerbesten Absichten stets erkennbar blieben.

Von Armin Hennig

Kommentare