Zwei Tage historisches Spektakel in Korbachs Fußgängerzone

Zigtausende Besucher beim Mittelalterlichen Markt

Korbach - Wenn durch Korbach Ritter und Burgfräulein ziehen – dann hat der Mittelalterliche Markt in der alten Hansestadt wieder seine Pforten geöffnet und die Besucher strömen in Scharen herbei.

Mittelalter, wie es leibte und lebte, das bekamen Zigtausende am Wochenende in der alten Hansestadt geboten – mal mehr, mal weniger originalgetreu. Markttreiben und alte Handwerkskunst, ländliches Leben und Arbeiten, Gaukler, Narren, Kinderspiele und viel Spektakel – dazu deftiges Essen und Trinken. Der Mittelalterliche Markt hatte jedenfalls reichlich zu bieten für einen vergnüglichen Ausflug mit der ganzen Familie. An mehr als 120 Ständen lebte das ­gar nicht so finstere Mittelalter für zwei Tage auf. Tapfere Ritter, edle Frauen, Gaukler und Landsknechte sorgten für ein unverwechselbares Flair. Mit Ständen beteiligt waren aber auch etliche heimische Gruppen. Die Mitgliedsbetriebe der veranstaltenden Hanse hatten an beiden Markttagen für ihre Kunden geöffnet. Wie viele Besucher letztlich den Weg in Korbachs Altstadt und in die Einkaufsmeile gefunden haben, bleibt offen. Sicher aber ist, dass es wieder mehrere Zehntausende waren, die sich das mittelalterliche Spektakulum nicht entgehen ließen. Dabei hatte es gerade am ersten Markttag geschüttet, dass die Kettenhemden rosteten. „Das Wetter war eine Herausforderung“, sagt Hanse-Vorsitzender Jürgen Tent. Die Händlervereinigung ist Veranstalter des Marktes. Mit Regenschirmen bewaffnet, eroberten aber auch am Samstagnachmittag einige Tausend Besucher die Korbacher Innenstadt. Die Einzelhändler machten laut Tent jedenfalls einen guten Schnitt. Und das nicht nur mit dicken Winterpullovern und Friesennerz. Am Sonntag war es dann nicht nur trocken, sondern auch richtig voll. Auf der Marktmeile kam es teilweise zu regelrechten Staus. „Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatten den Eindruck, dass am Sonntag wesentlich mehr los war als in den Vorjahren“, berichtet Tent. Auch die Standbetreiber kamen an diesem Tag auf ihre Kosten.Erstmals hatte die Hanse überregional im Radio für die Veranstaltung geworben. Offenbar mit Erfolg: „Es waren sehr viele Autos mit Kennzeichen von außerhalb auf den Parkplätzen und in den Parkhäusern“, so Tent. Für den Chef der Korbacher Händlergilde steht als Fazit der beiden Markttage fest: „Wir sind sehr zufrieden.“

„So soll es sein!“ Sie klangen noch etwas dünn, die Worte, mit denen die Ratsfrauen und -herren die vom Herold vorgetragene Marktordnung am Samtagmorgen bekräftigen sollten. Zunftmeister Jürgen Tent machte dem in edlen Zwirn gewandeten Magistrat Dampf, damit es im zweiten Anlauf besser klappt. Als frisch ordinierte Hansestadt hat Korbach schließlich einen Ruf zu verteidigen.Ebenfalls in historische Robe gehüllt, eröffnete Bürgermeister Klaus Friedrich gemeinsam mit Goldmarie Corinna Behle schließlich das Markttreiben. Damit die Bürger die frohe Kunde umgehend vernehmen konnten, feuerten die Herren der Korbacher Geschütztruppe Sankt Barbara einige Böllerschüsse ab und die Musiker des Fanfarenzugs Ittertal gaben mit Pauken und Trompeten das Startsignal. Doch diesmal gab es zur Eröffnung des Mittelalterlichen Marktes einen zweiten Akt: Manfred Schürkamp (Herford), Geschäftsführer des Westfälischen Hansebundes und Präsidiumsmitglied im internationalen Hansebund, hatte zwei Flaggen im Gepäck: Die blaue des Westfälischen Hansebundes und die rot-weiße mit der stilisierten Kogge des internationalen Hansebundes. Damit soll sich Korbach nun auch sichtbar in die große Städtegemeinschaft einreihen. Seit Kurzem darf Korbach den Titel als einzige und erste Hansestadt in Hessen auch ganz offiziell tragen. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal ganz besonderer Ausprägung“, sagte Schürkamp und überreichte die beiden Banner an Bürgermeister Klaus Friedrich.Der Geschäftsführer des Westfälischen Hansebundes erinnerte daran, dass es vorwiegend Kaufleute aus Westfalen waren, die auf ihren Handelszügen zur Ostsee unter anderem die in der Mitte des 12. Jahrhunderts gegründete Stadt Lübeck besiedelten und von dort über Riga und Nowgorod den russischen Handelsraum erschlossen. Heute solle der alte hansische Gedanke wieder dazu beitragen, die Attraktivität einer Stadt zu steigern und eine Anziehungskraft auszuüben.Mit der Gründung der Wirtschaftshanse in diesem Jahr sollen außerdem die traditionellen Werte der ehrbaren Kaufleute wieder in moderne Unternehmensphilosophien einfließen, wie Schürkamp erläutert. Dem neuen Wirtschaftsnetzwerk der Hansestädte gehört auch die Wirtschaftsförderung „Korbach goldrichtig“ an.(lb)

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