Korbach

Zoll: Verdacht auf Scheinselbstständig

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- Korbach (resa). Das grüne Fahrzeug des Hauptzollamts Gießen fuhr am Mittwochmorgen vor dem Hallenbad in Korbach vor. Die Beamten prüften die Unterlagen von Arbeitern auf der Baustelle. Keine Beanstandungen gab es dabei, bis auf eine: Bei einigen Arbeitern besteht der Verdacht auf Scheinselbstständigkeit.

„Die Mitarbeiter haben auf ihrer Fahrt die Baustelle gesehen und spontan gehalten“, erklärte Michael Bender, Sprecher des Hauptzollamtes. Anders als in den meisten anderen Fällen, in denen die Beamten alte Bekannte auf den Gewerkelisten finden, habe es in diesem Fall keinen Verdacht gegeben.

„Aber die Baubranche bleibt anfällig, wenn es um Schwarzarbeit geht“, erklärte Bender. Und so überprüften die Mitarbeiter der Sonderstelle „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ aus Kassel, die zum Gießener Hauptzollamt gehört, die Unterlagen von Arbeitern aus 30 Firmen und Gewerken, die am Umbau des Hallenbades mitwirken.

„In einem Fall haben wir Anhaltspunkte für Scheinselbstständigkeit gefunden“, erklärte Bender. Der Auftrag für einen Teil des Innenausbaus nämlich sei an ein Subunternehmen im Rhein-Main-Gebiet weitergegeben worden. Dieses Subunternehmen habe seinerseits mehrere osteuropäische selbstständige Unternehmer eingestellt. „Wir werden jetzt prüfen müssen, ob diese Sub-Subunternehmer tatsächlich selbstständig arbeiten“, erklärte Bender. Gewerbeanmeldungen hätten vorgelegen. Aber in solchen Fällen würde sich häufig herausstellen, dass Scheinselbstständige tatsächlich Beschäftigte des Subunternehmens seien.

Die Verantwortung würde in diesem Fall der Betrieb tragen. Der müsste nämlich für seine Arbeitnehmer seinen Anteil von Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen, betrügt den Staat aber um dieses Geld, indem er seine Mitarbeiter als scheinbar Selbstständige beschäftigt. „Sonst gab es aber keine Beanstandungen auf der Baustelle“, betonte der Sprecher des Hauptzollamts.

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