Ausstellung in Korbach erinnert an die deutsch-deutsche Teilung

Zonengrenze hautnah

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Die Wanderausstellung „Grenzen überwinden: von der Diktatur zur Demokratie“ ist in der Sporthalle der Beruflichen Schulen in Korbach zu sehen.

Korbach - 25 Jahre nach ihrem Fall steht die Mauer wieder - in der Sporthalle der Beruflichen Schulen in Korbach: Nachempfundene Grenzsegmente tragen die Exponate der am Dienstag eröffneten Ausstellung zur deutsch-deutschen Teilung.

Sie wirken wie massiver, grauer Beton, sind aber aus federleichtem Kunststoff und nur etwa halb so groß, wie die echte Mauer, die von 1961 bis 1989 Ost- von West-Berlin trennte: 25 auf den ersten Blick täuschend echte Mauersegmente ziehen einen bedrohlich wirkenden Grenzwall durch die Sporthalle. Schüler der Beruflichen Schulen waren am Dienstag die ersten, die nach der Eröffnung durch die Ausstellung „Grenzen überwinden“ der Hessischen Staatskanzlei gingen: Zonengrenze hautnah für eine Generation, die die deutsch-deutsche Teilung nur noch aus Geschichtsbüchern und Erzählungen ihrer Eltern kennt.

Jubelnde Menschen, Trabis Richtung Westen und Grenzsoldaten, die ihren eigenen Augen nicht trauen: Die Bilder aus dem Herbst 1989 haben sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt. 25 Jahre nach dem Mauerfall erinnert die Ausstellung an die Wende und die 40 Jahre deutsch-deutscher Geschichte zuvor.„Die Ausstellung ist in drei Teile gegliedert“, erklärte Dr. Johann Zilien, wissenschaftlicher Archivar und Historiker im Hessischen Staatsarchiv. Der erste Teil besteht aus neun in Reihe zusammen stehenden Mauersegmenten, die die Entwicklung der DDR von ihrer Gründung bis hin zur Wiedervereinigung beschreiben.

In ihrem zweiten Abschnitt besteht die Ausstellung aus zehn Mauersegmenten, die jeweils eine Person hervorheben, die diesen Weg von der Diktatur zur Demokratie miterlebt und teilweise auch mitgestaltet hat. Dazu gehören etwa John F. Kennedy, Willy Brandt, Michail Gorbatschow oder Helmut Kohl aber auch Zeitzeugen, die die SED-Diktatur in unterschiedlicher Weise miterlebt haben. Der dritte Ausstellungsabschnitt ist ein Gedenkstein für die Toten an Mauer und Grenze.

Weil das Land Hessen in diesem Jahr den Jahrestag der Deutschen Einheit im Oktober in Frankfurt ausrichtet, hat sie auch die Wanderausstellung in Auftrag gegeben. Bei allem Blick zurück, die Ausstellung habe auch einen aktuellen Bezug, sagte Staatssekretär Mark Weinmeister: „Die entscheidende Frage der Ausstellung ist, schaffen wir es in Europa in Zukunft so etwas zu verhindern?“

Auch Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich betonte, wie wichtig es sei, die Geschichte des Kalten Krieges und der dauerhaften Bedrohung weiterzugeben, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Zum Auftakt zeigten Barbara Gottwald und Jessica Stukenberg aus Fulda das Stück „Grenzland“, das auf Interviews mit Menschen beruht, die 1989 ihren Lebensmittelpunkt auf beiden Seiten der Grenze rund um den amerikanischen Beobachtungsstützpunkt Point Alpha hatten.

Die Ausstellung „Grenzen überwinden: von der Diktatur zur Demokratie“ ist auch heute noch in der Sporthalle der Beruflichen Schulen in Korbach zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen: www.grenzen-ueberwinden.de

Von Lutz Benseler

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