Mittelpunktschule wünscht vom Kreis Beteiligung an Fahrtkosten

Zuschuss für westfälische Schüler

Adorf - Eine Gleichbehandlung mit anderen bei der Beförderung westfälischer Schüler fordert die Adorfer Mittelpunktschule vom Kreis.

Es gibt Tage, an denen Rektor Jürgen Wohlfahrt die Welt nicht mehr versteht. So wie an jenem Tag im Sommer, als der Kreisausschuss eine Entscheidung zur Schülerbeförderung gefällt hat: Eltern aus Kassel-Land sollen einen Zuschuss erhalten, die ihre Kinder in Volkmarsen unterrichten lassen. In derselben Sitzung sei jedoch der Adorfer Antrag abgelehnt worden, berichtet er: Auch die Mittelpunktschule wollte einen Zuschuss, denn viele Eltern aus Westfalen schicken ihre Kinder lieber auf den Dansenberg als nach Marsberg. Am Freitag machten Schulleitung, Elternbeirat, betroffene Eltern und die Gemeinde bei einem Pressegespräch nochmals Druck, um den Kreis zu einer Gleichbehandlung zu drängen. Derzeit besuchten 38 westfälische Kinder die Adorfer Schule, berichtet Wohlfahrt, im vorigen Schuljahr sei es eins mehr gewesen. Dabei sei das Interesse der Nachbarn groß, wie Umfragen ergeben hätten: Um die 100 Schüler könnten aus Westfalen kommen, wenn es für die Eltern eine Unterstützung bei den Fahrtkosten gebe – oder noch besser eine Schulbusverbindung nach Adorf. „Die Eltern würden sich auch finanziell beteiligen“, sagt er. „Wir wollen zumindest die jetzigen Schüler halten.“ Die Buslinie von Gembeck und Vasbeck über Marsberger Dörfer zu führen, würde etwa 5000 Euro kosten, schätzt der Rektor. „Das wäre keine große Belastung.“ Aber der Kreis müsse sich eben beteiligen. Auch für Bürgermeister Volker Becker ist die Entscheidung des Kreisausschusses „nicht nachvollziehbar“. Volkmarsen werde gefördert, Adorf nicht – „sind wir eine Schule zweiter oder dritter Klasse?“ Und zwischen Goddelsheim und Medebach oder Willingen und Brilon laufe es doch auch über die Landesgrenze hinweg. Für viele westfälische Eltern geht es nicht nur um die räumliche Nähe zu Adorf: Sie überzeugt das pädagogische Konzept der Mittelpunktschule. Sie habe die Konzepte verglichen, die westfälischen hätten ihr nicht gefallen, berichtet etwa Irene Utthof aus Giershagen. Sie nennt als Beispiel den Förderunterricht. So fiel die Entscheidung für Adorf nicht schwer: „Hier habe ich alles, was mein Kind braucht.“ Nur: „Da hat man die freie Schulwahl, und dann wird man nicht unterstützt.“ Auch Wohlfahrt nennt die Adorfer Vorzüge: Er habe eine der modernsten Schulen im Kreis mit einem anerkannt guten Unterricht. Es gibt Nachmittagsangebote, Haupt- und Realschule laufen im Verbund, mit einer Ausnahme würden seit Jahren alle Hauptschüler mit einem Abschluss verabschiedet. Vorteil eines kleineren Standorts seien bessere Fördermöglichkeiten. Die Schule habe wie politisch gefordert ihr „Profil“ entwickelt, sie scheine auch für Eltern aus Westfalen attraktiv zu sein – dann müsse auch Unterstützung vom Kreis kommen, fordert der Rektor. „Es geht um existentielle Fragen“, fügt er hinzu. Denn die Schülerzahlen seien rückläufig – derzeit werden in Adorf um die 500 Jungen und Mädchen unterrichtet. Deshalb habe auch die Gemeinde ein Interesse daran, eine Lösung zu finden, erklärt Becker: Ihr gehe es um den Erhalt des Schulstandorts und damit eines wichtigen Stücks der Infrastruktur. Deshalb seien sich alle Parlamentsfraktionen einig, rund 10 000 Euro Zuschuss für die Schülerbeförderung bereitzustellen. Es könne nicht sein, dass Bildung an der Landesgrenze haltmachen solle. Einige Stadtteile lägen näher an Adorf als an Marsberg, gab Becker zu bedenken. Da werde mehr interkommunale Zusammenarbeit gefordert, die bei vielen Vereinen auch laufe – aber dann dürften Kinder nicht die benachbarte Schule besuchen. Verständlich: Die Marsberger versuchen, ihre Schüler in der Stadt zu halten. Doch Becker verweist auf die Diemelstädter aus dem Roten Land, die ihre Kinder „selbstverständlich“ in die nähere Marsberger Schule schickten. Sollte das Prinzip nicht auch für Adorf gelten? Becker verweist auch auf den zeitlichen Aufwand für Berufstätige und auf die Umweltbelastung, wenn die westfälischen Eltern ihre Kinder mit dem Auto nach Adorf bringen und abholen müssten. Wobei der Kreiszuschuss da wenigstens ihre Fahrkosten senken würde. Wohlfahrt fühlt sich vom Kreis auch nicht gut informiert. Von der Korbacher Entscheidung habe er erst aus der Zeitung erfahren – dabei habe die Kreisbeigeordnete und Chefin des Gemeindeparlaments, Hannelore Behle, bis vor wenigen Wochen noch dem Adorfer Lehrerkollegium angehört. Was also tun? Zunächst wollen Schulleitung und Eltern die nächste Sitzung des Kreistags abwarten: Becker setzt Hoffnung auf einen Antrag der FWG-Fraktion, alle Schulen bei der Förderung der Kinderbeförderung gleich zu behandeln. Danach kann sich Wohlfahrt eine Diskussionsrunde an der Schule mit Vertretern des Kreises vorstellen, dabei solle der Elternwille zum Ausdruck kommen, und der Kreis müsse an seine Verantwortung erinnert werden. Dem stimmten die Eltern ausdrücklich zu.Rektor Wohlfahrt beharrt darauf: „Wir wünschen uns vom Kreis eine Beteiligung in irgendeiner Form.“ Auch Becker will sich weiter für eine Lösung einsetzen: „Wenn der Wille da ist, findet sich auch ein Weg.“ Von Dr. Karl Schilling

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