Korbach

Zwei Wochen ist es ihr Rathaus

- Korbach (lb). Zwei Wochen lang regiert sie Korbach: Als ehrenamtliche Erste Stadträtin vertritt Gudrun Limperg den Bürgermeister, wenn der im Urlaub ist.

Glänzender Parkettboden zu Füßen, moderne Kunst und ein zum Bücherregal umfunktioniertes gotisches Spitzfenster im Rücken – es macht schon was her, das Bürgermeisterbüro im historischen Rathaus in der schmucken Korbacher Altstadt. Gudrun Limperg fühlt sich sichtlich wohl hinter dem großen hölzernen Schreibtisch. „So einen hatte ich als Schulleiterin nicht“, sagt die seit zwei Jahren pensionierte Rektorin der Humboldt-Schule und schmunzelt. Alle Rechte und Pflichten Zwei Wochen lang ist die Erste Stadträtin Interimschefin im Korbacher Rathaus – mit allen Rechten und Pflichten. So lange macht Bürgermeister Klaus Friedrich Ferien. Vergangenen Montag hat Gudrun Limperg die Urlaubsvertretung für das Stadtoberhaupt übernommen. Während Friedrich sich entspannt, muss die Erste Stadträtin ranklotzen: Ihr Arbeitstag im Rathaus dauert in der Regel von 9 bis 16 Uhr. Und falls darüber hinaus etwas passieren sollte, wo ihre Entscheidungsbefugnis gefragt ist: „Zu Hause habe ich immer mein Handy an. Von der Stechbahn bis zum Rathaus ist es ja nicht weit“, sagt die Kommunalpolitikerin. Ganz unbeleckt nimmt Gudrun Limperg nicht auf dem Chefsessel im Rathaus Platz: Neben vielen Jahren Korbacher Kommunalpolitik kommt ihr vor allem die Erfahrung in der Schulverwaltung zugute. Große Entscheidungen stehen in den Sommerferien zwar nicht an, doch langweilig wird es der Vize-Bürgermeisterin nicht: Der Posteingang muss täglich durchforstet werden, Gespräche mit Unternehmern und anderen Behördenleitern stehen an und bei einigen Terminen muss sich Limperg als das Gesicht der Stadt blicken lassen. Und sie sichtet Bewerbungsmappen. Die Stadt hat eine Stelle für Stadtmarketing und Tourismusförderung bei der Wirtschaftsförderung „Korbach goldrichtig“ sowie eine Stelle als Bauingenieur im Bauamt ausgeschrieben. Ganz ohne Hilfe geht das alles natürlich nicht: „Ich bin auf den Sachverstand der Mitarbeiter angewiesen“, sagt die Stadträtin. Montagnachmittag leitet sie zum ersten Mal eine Magistratssitzung. „Es geht unter anderem um das neue Stadtbuskonzept und die Vorbereitung des Wirtschaftsplans für den Eigenbetrieb Technische Dienste und Feuerwehr“, sagt Limperg. Die Stadtväter wollen außerdem den Kalkturm an der Frankenberger Landstraße nahe der Korbacher Spalte besichtigen. Er könnte zu einem Ausstellungsraum für kulturhistorische und erdgeschichtliche Besonderheiten umgebaut werden. „Für mich ist es spannend, etwas Neues zu machen“, so die ehemalige Schulleiterin. Ihre Sicht auf die Verwaltung habe sich schon in der vergangenen Woche verändert: „In manchen Bereichen gibt es einen wahnsinnigen Verwaltungsaufwand.“ Das Salär indes ist eher spärlich: Für die ehrenamtliche Vertretung gibt es nur eine Aufwandsentschädigung.

Kommentare