Korbach

BI zweifelt Klimaschutzbericht an

- Korbach (r). Die Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Korbach“ und die Grünen zweifeln die Zahlen des jüngsten Klimaschutzberichtes der Stadt an.

Im Vergleich zu 1990 hat die Stadt Korbach den Kohlendioxid-Ausstoß um knapp ein Drittel reduziert. Das jedenfalls ist das Ergebnis des aktuellen Klimaschutzberichtes der Stadt. Die Bürgerinitiative (BI) kritisiert unter anderem, dass ein bundesweiter, ihrer Ansicht nach zu niedriger Pauschalwert zur Berechnung der Emissionen des Müllheizkraftwerks herangezogen wurde. Beim Strom hingegen vermisst sie die Zahlen nach bundesweitem Standard: Hier berechne die Stadt den Kohlendioxid-Ausstoß auf Basis des EWF-Stroms mit einem höheren Anteil erneuerbarer Energien als im Bundesdurchschnitt.

Die Emissionsfaktoren für den CO2-Ausstoß durch die Verbrennung von Ersatzbrennstoffen (EBS) seien unter starker Mitwirkung der Mülllobby erstellt worden und gingen pauschal davon aus, dass die Hälfte der entstehenden CO2-Emission aufgrund von Bioanteilen abgezogen werden könne, erklärt die BI in einer Pressemitteilung. Bei der Verbrennung von einer Tonne Ersatzbrennstoff (EBS) entstünden somit rein rechnerisch nur 500 Kilogramm Kohlendioxid anstatt der realen ganzen Tonne CO2. Ein Großteil der EBS bestehe aber aus Kunststoff, somit werde bei der Verbrennung auch ein fossiler Brennstoff energie­uneffizient verbrannt.

Je nach Lieferant des Mülls könne außerdem der Anteil an erneuerbaren Energien wie Papier, Pappe, Holz und Textilien stark variieren. Da nicht der spezielle Müllmix der Korbacher Anlage berücksichtigt werde, sei die Berechnung des CO2-Ausstoßes rein hypothetisch. Müllverbrennungsanlagen hätten darüber hinaus im Allgemeinen eine sehr schlechte Klimabilanz, da sich ihr Energiewirkungsgrad auf nur etwa 30 Prozent beziffere. Neben dem Kohlenstoffausstoß müssten auch die Schadstoffe berücksichtigt werden. Zu hinterfragen sei auch, ob die große Menge an neu hinzugekommenen CO2-Emissionen, die durch die europaweite Lkw-Anlieferung des Mülls zur Korbacher Anlage entstünden, in die Klimabilanz der Stadt eingegangen seien. „Vorher hat Conti mit Erdgas geheizt, das aus dem Erdgasnetz CO2-frei ins Werk kam“, heißt es in der Mitteilung. Schließlich habe sich der Lkw-Verkehr auch durch die Ansiedlung von zwei Logistikcentern und einem Baumaschinenhersteller massiv gesteigert.

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