Goddelsheimer Kulturverein lädt am 27. September zum Kartoffelbraten

Genuss und Geschichte

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Kartoffelbraten am 27. September 2015 in Goddelsheim, Henrik Kutz und Timo Reips (vorn, v.r.) gehören zu den jungen Museumsbauern, die am 27. September, Kartoffel vom Museumsacker anbieten. Foto: Marianne Dämmer

Lichtenfels-Goddelsheim - Wenn der Goddelsheimer Kulturverein zum Kartoffelbraten einlädt, wird nicht nur gut geschmaust und unterhalten. Jedes Jahr stellt der Verein ein neues Thema in den Mittelpunkt. Am 27. September dreht sich alles um „Neue Heimat Goddelsheim“ nach Krieg, Flucht und Vertreibung.

Als Hans Kappel, Jahrgang 1934 und gebürtig aus Deutsch Libau im Sudetenland, an einem warmen Septemberabend auf der Rundbank vor dem Goddelsheimer Dorfmuseum seine bewegte Lebensgeschichte erzählte, „wurde die Idee geboren, das Schicksal der Menschen in den Fokus zu nehmen, die wegen des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat verlassen mussten und dauerhaft oder vorübergehend in Goddelsheim eine neue Heimat gefunden haben“, erklärt Irmhild Weber vom Vorstand.

Hör-CD und Heft mit Erzählungen von Zeitzeugen

Die Idee stieß auf großes Interesse bei den Mitgliedern des Vereins und so organisierten Irmhild und Reinhard Weber zusammen mit anderen Helfern Ende Mai ein Vorbereitungstreffen; sowohl ehemalige Flüchtlinge als auch die sie aufnehmenden Familien waren eingeladen. Die teilweise betagten Gäste des Kulturvereins hatten viel zu erzählen - auch Goddelsheimer erinnerten sich an die Ereignisse im Gefolge der Kriegswirren.

Einige der Lebensgeschichten sind aktuell auf einer Hör-CD verewigt worden, die beim Kartoffelbraten am Sonntag, 27. September, in Goddelsheim erhältlich ist. Auf der frisch gepressten CD geben Flüchtlinge und Vertriebene sowie ihre Nachkommen Einblicke in ihre persönliche Lebensgeschichte. Neben Webers und den Erzählenden haben viele weitere Goddelsheimer dazu beigetragen, dass die CD hörenswert ist - so spielten Torben Schott und Martin Vach mit Carola Stracke, Regina Lindenborn und Beate Nagy nach dem Soundtrack von Edgar Reitz’ Film „Heimat“ Musik ein - und werden sie am 27. September auch beim Festauftakt in der Goddelsheimer Kirche live zu Gehör bringen. Außerdem wird ein Heft angeboten, in dem Zeitzeugen ihre Geschichte niedergeschrieben haben, erklärt Reinhard Weber, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung alten Kulturgutes in Goddelsheim.

CD und Heft werden am Sonntag, 27. September, nach dem Erntedankgottesdienst um 11 Uhr in der Kirche beim Festauftakt in der Goddelsheimer Kirche vorgestellt - Ausschnitte werden zu hören sein. Auch wird in der Kirche eine Ausstellung zu dem Thema aufgebaut.

Austausch von Erinnerungen und herbstliches Fest

Das Gotteshaus wird zum Ort der Begegnung, wo Menschen, die in Goddelsheim ein neues Zuhause gefunden haben oder auch nur kurzzeitig nach Flucht oder Vertreibung lebten, ihre Erinnerungen untereinander, aber auch mit ihren Gastfamilien austauschen können. Mehr als 50 Einladungen haben Webers dazu ausgesprochen.

Nach dem Festauftakt wird auch ein buntes Programm in und um Museumsscheune und Dorfmuseum geboten, außerdem ein reiches lukullisches Angebot rund um die Kartoffel, das traditionelle Museumsbrot und andere Köstlichkeiten. Die Museumsbauern Henrik Kutz, Robin Pletzinger, Timo Reips und Kevin Kastens ernten dafür Kartoffeln, die sie eigens für das Fest angebaut haben.

Von Marianne Dämmer

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