Waldforum in Vöhl: Naturschützer und Vertreter aus Politik und Industrie diskutieren über Nutzungsvarianten

Land plant Stilllegung von Wald

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Eine Fläche von rund 800 Hektar Wald will die Hessische Landesregierung stilllegen – am Nordhang des Edersees.

Vöhl. Die Wellen schlagen hoch: Die Landesregierung plant die Stilllegung von 800 Hektar Wald am Nordhang des Edersees. Die Flächen würden aus der Bewirtschaftung genommen.

Die Nachricht hatte bereits am Montag die Vöhler Gemeindevertreter beschäftigt, am Dienstag diskutierten die Teilnehmer des Vöhler Waldforums über die Pläne. Zankapfel ist die geplante Einrichtung von Prozessschutzflächen am Nordhang des Edersee (Grafik) – zum größten Teil auf Vöhler Gebiet. Sie reichen von Scheid bis zu den Steilhängen an der Bundesstraße 252 bei Thalitter. Die hessische Landesregierung wolle insgesamt acht Prozent der Waldfläche in Hessen stilllegen, erklärte Stefan Nowack, vom Landesbetrieb Hessen Forst. Weil Wald, der sich in Privat- oder Gemeindebesitz befindet, nicht ohne weiteres aus der Bewirtschaftung genommen werden könne, sei Staatswald wahrscheinlich überproportional betroffen. 

Eine „Erweiterung des Nationalparks durch die Hintertür“ befürchten Kritiker. „Wir brauchen den Rohstoff Holz aus unserer Region, nicht aus Sibirien“, betonte ein Vertreter von „Pieper Holz“. Eine weitere Stilllegung von Waldflächen sei deshalb auf keinen Fall im Interesse des Handwerks und der Industrie, ergänzte er. Der Wald müsse alle Interessen berücksichtigen. Auch der Sägewerksunternehmer Ernst-Daniel Fisch zeigte sich skeptisch: Ob es erwiesen sei, dass nicht bewirtschaftete Flächen eine größere Artenvielfalt ermöglichen würden. „Bedarf es also überhaupt der Stilllegung?“ fragte er. Studien würden das nicht belegen, antwortete Nowack. Die seien allerdings nur über 30 Jahre geführt worden. Bedenken hatten am Montag bereits Vöhler Gemeindevertreter formuliert: „Wir machen uns Sorgen um den Tourismus“, erklärte Bürgermeister Matthias Stappert, „wenn der Wald nicht mehr von Hessenforst kontrolliert wird, ist die Qualität von Wanderwegen nicht mehr gesichert.“ Auch der Forstamts-Standort verliere so seine Sicherheit. Dessen Leiter Gero Hütte-von Essen bestätigte auf Nachfrage, dass bereits jetzt Personal abgebaut würde. „Aber hier geht es um eine politische Entscheidung, die wir dann umsetzen“, erklärte er. 

 Engagierte Unterstützer für die Stilllegungspläne findet die Regierung unterdessen bei den Naturschutzverbänden: Viola Wagner, Kreisvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, betonte: „Der Wald hat auch außerhalb der menschlichen Nutzung einen Wert“. Statt viele kleine Flächen still zu legen, müssten große Flächen zusammenhängend geschützt werden. „Für die Artenvielfalt“, betonte sie. Unterstützung gab es von Rudolf Chartschenko vom Naturschutzbund: „Wir haben hier eine besondere Landschaft, die des besonderen Schutzes bedarf.“ (resa)

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