Arbeiten im Volkmarser Mikwe-Keller gehen weiter

Säule mit schönen Ornamenten

Ernst Klein zeigt die Basis der Säule, die vollständig vom Kellerpflaster verdeckt war. Jetzt ist die schöne Steinmetzarbeit am Fuß des Lastenträgers zu sehen. Foto: Ute Germann-Gysen

Volkmarsen - Der Fund des jüdischen Ritualbades im Keller eines Fachwerkhauses im Volkmarser Steinweg war im Dezember 2013 eine kleine Sensation. Seitdem ist viel geschehen, um das Kulturdenkmal zu sichern.

Die Basis der mittleren, reich verzierten Säule im Mikwe-Keller ist jetzt bis zum steinernen Grund freigelegt.

Ernst Klein und die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Peter Kirschbaum und Joachim Geritzen haben sorgfältig den Kies und die Pflasterung entfernt, die dem Kellerraum im Zuge der Gebäudemodernisierung in den 1980er-Jahren einen ebenmäßigen Grund verleihen sollte.

Erwartungsgemäß zeigt auch das untere Ende des romanischen Gewölbeständers ein interessantes wiederkehrendes Muster. Die Bauzeit des Kellergewölbes lässt sich mit spätestens dem frühen 13. Jahrhundert bestimmen, so viel ist sicher.

Rätsel gibt den Wissenschaftlern in Marburg die spezielle Ornamentik auf: „Die Dekoration mit rhythmisierten Halbkreisen lässt sich in zahlreichen Kirchen des Paderborner und Weserraumes finden, bis hinauf nach Minden und Hildesheim, aber eben nicht in der speziellen Volkmarser Variante“, befindet eine Marburger Kunsthistorikerin über das Muster in ihrem Gutachten über die Säule.

Klein, Vorsitzender des Vereins Rückblende - Gegen das Vergessen, hatte Ende 2013 große Aufmerksamkeit auf den Keller im Steinweg gelenkt, weil er dort eine vollständig verschüttete 450 Jahre alte Mikwe, ein jüdisches Ritualbad, freigelegt hatte. Ein dendrochronologisches Gutachten bestätigte das Alter der hölzernen Wandvertäfelung. Weiteren Aufschluss über die ursprüngliche Form des Kellerraumes sollen spätere Freilegungen geben.

„Die Arbeiten kosten Geld. Wir gehen darum Schritt für Schritt vor, entsprechend den zur Verfügung stehenden Mitteln“, erläutert Klein die sukzessive Vorgehensweise.

Dass die Geschichtsarbeit des Hobby-Archäologen öffentliche Aufmerksamkeit erregt, zeigen die Reaktionen aus aller Welt. Per E-Mail, Post und Fax melden sich oft Nachkommen Volkmarser jüdischer Bürger, aber auch andere Menschen mit Interesse an Kulturgeschichte. (ugy)

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