Debatte um Tierschutz in Waldeck-Frankenberg

Landwirte sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt

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Zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert: Jörg Meyer aus Dehringhausen und seine Frau Susanne Günther im Putenstall.  

Waldeck-Frankenberg. Die Skandalbilder aus Ställen und Vorwürfe gegen eine Reihe führender Funktionäre von Agrarverbänden wiegen schwer. Sie werfen auch einen dunklen Schatten auf die große Mehrheit der Landwirte, die ihre Arbeit ordentlich machen. Diese öffnen jetzt ihre Ställe für Besucher.

Waldeck-Frankenberg. Landwirt Heiko Griesel steht im grünen Overall frustriert in seinem Schweinestall in Twiste. Die Arme vor der Brust verschränkt schaut er auf seine Tiere. Er ärgert sich über das schlechte Image seiner Branche in der Öffentlichkeit – und dann das ständige Gerede über die Massentierhaltung: Der Begriff sei irreführend, sagt Griesel: „Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern das Befinden des einzelnen Tieres.“ Dafür verantwortlich sei der Betriebsleiter.

Bauern sind enttäuscht

 Die Bauern fühlen sich missverstanden und zu unrecht an den Pranger gestellt, die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Das Branchen-Magazin Top-Agrar hat die Landwirte gefragt: „Was macht die wachsende Kritik an der Landwirtschaft mit Ihnen ganz persönlich?“ 62 Prozent von knapp 3000 Befragten antworten: „Ich bin enttäuscht und habe keinen Spaß mehr an der Arbeit.“ Repräsentativ ist die Umfrage nicht, aber: „Ich bekomme diese Stimmung als landwirtschaftlicher Unternehmensberater auch in den Betrieben mit“, sagt Griesel. Rund 1500 Tiere mästet der Landwirt auf dem Twister Hingelhof.

Zeigen, wie moderne Landwirtschaft heute funktioniert, das wollen auch Landwirt Jörg Meyer aus Dehringhausen und seine Frau Susanne Günther in ihrem Putenmastbetrieb mit 14 000 Tieren. In einem Stall am Ortsrand leben 7800 Puten. Die Tiere haben kaum Scheu, picken den Besuchern an den Beinen. Der Boden ist mit Stroh ausgestreut, durch Seitenklappen kommt frische Luft in den Stall. „Nichts zu verstecken“ Meyer ist der Tierwohl-Initiative angeschlossen. Er hat sich verpflichtet, den Besatz im Stall um zehn Prozent zu reduzieren, damit die Puten mehr Platz haben. Die Hennen werden 15 bis 16 Wochen gemästet, die Hähne fünf Wochen länger.

Kontakt: Wer einen Stall besichtigen möchte, wendet sich bitte an den Kreisbauernverband Waldeck, Tel. 05631/ 7030

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