Amar Mahmud berichtet von Verfolgung der Jesiden im Irak durch den „IS“

Ignorierter Völkermord

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Die jesidische Fahne im Rücken, doch die Heimat ist weit weg: Amar Mahmud ist vor dem IS geflohen.

Willingen-Usseln. Das letzte, was Amar Mahmud von seinem Zuhause gesehen hat, war eine Rauchsäule. Ob es noch steht oder der IS es zerstört hat, weiß er nicht. Der junge Jeside ist dem Völkermord an seiner Religionsgemeinschaft entkommen –doch er fürchtet, dass viele weiter leiden.

Seine Familie hat Shingal im Norden des Iraks verlassen, sie hält sich in einem Flüchtlingslager in der kurdischen Region auf. Nur den 21-Jährigen konnte sie nach Deutschland schicken.

Die religiöse Minderheit wurde im Lauf der Geschichte oft verfolgt, doch vor der Ankunft des IS sei es ruhig gewesen: „In meinem Dorf lebten wir Jesiden mit Muslimen und Christen gut zusammen“, so Amar Mahmud.

Ende Juli 2014 habe sich alles geändert: IS-Truppen nahmen das Dorf unter Beschuss, Bomben fielen. Am 2. August wagten Amar Mahmuds Eltern, seine vier Brüder, seine Schwester und er die Flucht, nur mit ihren Dokumenten, etwas Brot und Wasser. 

Die Straße ins kurdisch kontrollierte Gebiet war gesperrt, ihr Auto ließen sie zurück. In der Hoffnung, dass die Terroristen wieder verschwinden würden, harrten sie zwölf Tage im Gebirge aus – vergeblich.

In einem 18 Stunden langen Fußmarsch flohen sie mit anderen Jesiden nach Syrien: Das Essen war längst aus, das Wasser wurde bei 40 Grad Celsius knapp. Wer starb, konnte nicht begraben werden. „Irgendwie hat meine Familie überlebt, aber viele haben es nicht geschafft“, berichtet Amar Mahmud.

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