Alphornmesse auf dem Willinger Ettelsberg

Ein besonderer Tag

Knapp 60 Alphornbläser aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Belgien wirkten gestern bei der Alphornmesse auf dem Willinger Ettelsberg mit. Fotos: Ulrike Schiefner

Willingen - Jan Christian von der Heide gehört zu den vielen fleißigen Helfern bei der Willinger Alphornmesse. Er ist als Erster auf dem Ettelsberg – schon morgens um kurz nach fünf, noch vor Sonnenaufgang. Er bleibt nicht lange allein...

Sonntagvormittag. Nach den verregneten Alphornmessen in den Jahren 2013 und 2014 lacht diesmal die Sommersonne vom tiefblauen Uplandhimmel, so dass speziell die Wanderer, die den Berg zu Fuß in Angriff nehmen, gehörig ins Schwitzen geraten. Währenddessen begrüßen gut gelaunte Musikanten einer holländischen Blaskapelle die Besucher, die die bequeme Seilbahnfahrt vorziehen, mit beschwingten Klängen an der Talstation. Hüttenwirt Siegfried von der Heide, Motor und Organisator der Veranstaltung, schätzt, dass etwa 6500 bis 7000 Besucher an der feierlichen Bergandacht teilnehmen.

Siggi ist 74 Jahre alt (oder besser: jung geblieben). Auf seine Initiative hin fand 1989 die erste Alphornmesse statt, damals in der Kirche. Seit 1992 treffen sich Gäste und Einheimische regelmäßig am letzten Sonntag im August hoch oben auf dem Willinger Hausberg.

Rund 200 Mitwirkende geben vor, im und nach dem Gottesdienst den Ton an: knapp 60 Alphornbläser aus der Schweiz, aus den Niederlanden, aus Belgien und aus Deutschland, der Musikverein Düdinghausen, Paul van Gils und seine Musikanten, der von Landauer Bläsern verstärkte Usselner Posaunenchor, die Bläsergruppe der Waldecker Jägerschaft, die Willinger Schützenblaskapelle, die „Zwölf Räuber“ sowie viele Überraschungsmusikanten.

„Besondere Orte, besondere Zeiten“: Das ist das Thema, das Pfarrer Christian Röhling von der evangelischen und Dechant Bernd Conze von der katholischen Kirchengemeinde in ihrer Ansprache beleuchten. Der Ettelsberg ist so ein besonderer Ort, und die Alphornmesse ist für viele Besucher ein fester Termin. „Es ist herrlich zu spüren, wie sich durch die Alphörner ein Zauber auf den Berg legt, den es nur an diesem Tag im Jahr so gibt, der aber lange nachwirkt“, so Christian Röhling. Er vergisst an diesem strahlend schönen Tag nicht die Menschen, über die in letzter Zeit viel Dunkles gekommen ist, die Flüchtlinge. „Es wäre im Sinne der Seligpreisungen, dass an ganz vielen Orten in unserem Land statt Botschaften des Hasses Willkommensfeste gefeiert und Hilfsprojekte geplant werden. Lasst uns die Menschen, die auf der Flucht sind, weil ihnen unendliches Leid geschehen ist, bei uns begrüßen.“

Dechant Bernd Conze freut sich über die Bereitschaft zum Zuhören, zum Miteinander, zum gemeinsamen Feiern, zur Freude am Leben und zum Dank. „Aber wir brauchen nicht nur einmal im Jahr das Besondere. Wir brauchen es auch im Alltag immer wieder“, stellt er die Bedeutung des Sonntags heraus. Er wünscht sich, dass die Menschen ein Gespür behalten für besondere Zeiten; dass es auch in Zukunft noch gemeinsame Zeit gibt, solch eine Alphornmesse mit so vielen Menschen zu feiern, mitten am Sonntag. – Drei Pfarrer im „Unruhestand“, die sich dem Upland sehr verbunden fühlen, gestalten den Gottesdienst mit: Gisbert Wisse, Johannes Klocke und Heinz Lenze (Fürbitten).

Von Ulrike Schiefner

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