Königin Silvia in der Kritik: Verharmlost sie die Nazi-Zeit?

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Königin Silvia von Schweden

Stockholm - Wenige Wochen vor der Hochzeit ihrer Tochter Viktoria muss Königin Silvia von Schweden herbe Kritik einstecken: Ihr wird vorgeworfen, die Nazi-Vergangenheit ihres Vaters zu verharmlosen.

Selten zuvor hat Königin Silvia so massive Kritik in Schweden einstecken müssen: Seitdem die gebürtige Heidelbergerin die Nazi-Parteimitgliedschaft ihres Vaters Walther Sommerlath (1901-1990) von 1934 an in einem TV-Interview verteidigt hat, werden ihr in Stockholmer Medien “schreckliche Unkenntnis und Naivität“, “eine seltsame Einstellung zum Nationalsozialismus“ und “Verharmlosung“ vorgeworfen.

“Beschämend für Schweden“ fand die Publizistin Olina Stig diese Woche im Rundfunksender SR, dass die 66-jährige Silvia in einem offiziellen Interview als Regentengattin das aktive Mitläufertum ihres Vaters bei der nationalsozialistischen Verbrecherherrschaft ohne Einschränkungen verteidigte.

Dass der Geschäftsmann Sommerlath von seinem brasilianischen Domizil in Sao Paulo aus 1934 der Auslandsorganisation der NSDAP beigetreten war, hatte ein schwedischer Historiker 2002 enthüllt. Die Tochter verweigerte dazu acht Jahre jeden Kommentar und äußerte sich erst jetzt in einem Interview des Stockholmer Senders TV4.

Sie sagte über die Beweggründe ihres Vaters: “Man muss psychologisch verstehen, wie das war, als Deutschland sich plötzlich wieder aus der Asche erhob. Und diese Freude darüber, dass das Vaterland wieder da war. Deshalb stützte mein Vater Deutschland und wurde Parteimitglied.“ Außerdem meinte sie: “Es war ja eine Maschinerie. Und ging man gegen den Strom, war man gegen die gesamte Maschinerie.“ Die Königin verteidigte ihren 1990 gestorbenen Vater auch damit, dass er “politisch ja nicht aktiv war, außerdem war er kein Soldat“.

Sommerlath kehrte - berichtete die Tochter - 1935/36 nach Deutschland zurück und betrieb in Berlin eine Fabrik, die unter anderem Gasmasken an die deutsche Wehrmacht lieferte. In der Zeitung “Dagens Nyheter“ kommentierte der Historiker Henrik Arnstad die Äußerungen: “Sie sind höchst bemerkenswert. Statt die Parteimitgliedschaft ihres Vaters zu bedauern, versucht Königin Silvia diese zu verteidigen und zu verharmlosen.“ Weiter schrieb er: “In ihrer Heimat Deutschland wäre diese Betrachtung des Nationalsozialismus absolut unmöglich. Ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt hätte danach wahrscheinlich zurücktreten müssen.“

Das Blatt “Sydsvenskan“ in Malmö meinte, die wenigen bekannten Tatsachen über Walther Sommerlath ließen diesen als jemanden erscheinen, der “ideologisch überzeugt war und vielleicht auch aus opportunistischen Gründen dabei war“. Königin Silvia sei das ebenso wenig als “Erbsünde“ anzulasten wie König Carl XVI. Gustaf die bekannten Nazi-Sympathien seines Vater, des Erbprinzen Gustaf Adolf. Man müsse aber vom Regentenpaar die Beteiligung an einer “offenen, kritischen Debatte“ erwarten können.

Die Kritik kommt knapp einen Monat vor der Hochzeit von Kronprinzessin Victoria mit ihrem Ex- Fitnesstrainer Daniel Westling.

dpa

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