Michael Ende: 80. Geburtstag

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Die Abenteuer von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer sind unvergessen. Genauso wie Atréju und Bastian Balthasar Bux in der “Unendlichen Geschichte„. Der große Schriftsteller Michael Ende wäre am Donnerstag 80 Jahre alt geworden.

Frankfurt/Main - Er schenkte uns wunderbare Geschichten. Der 1995 verstorbene Schrifsteller Michael Ende würde am Donnerstag seinen 80. Geburtstag feiern.

Eigentlich sollte “Die unendliche Geschichte“ nicht länger als 100 Seiten sein. Es war sein Verleger, der Michael Ende 1977 drängte, doch mal wieder ein Buch zu schreiben. Ja, sagte dieser, er habe auch schon eine Idee: “Ein Junge gerät beim Lesen einer Geschichte buchstäblich in die Geschichte hinein und findet nur schwer wieder heraus.“ Das war der Beginn der Abenteuer von Bastian, Atréju, Fuchur und Co., die Ende Weltruhm einbrachten. Am (kommenden) Donnerstag würde der Schriftsteller, der 1995 starb, seinen 80. Geburtstag feiern. Ein Jahr Zeit hatte sich der Autor gegeben, um den Roman zu vollenden. “Da ist nicht viel drin“, hatte er seinem Verleger gesagt, “höchstens so eine 100-Seiten-Geschichte.“ Es wurden fast drei Jahre, bis die nun knapp 500 Seiten umfassende “Unendliche Geschichte“ schließlich veröffentlicht wurde. “Schreiben ist eine Art Abenteuer, bei dem man nie weiß, wohin es einen führt“, hat Michael Ende einmal festgestellt. In Deutschland war der Schriftsteller bereits ein Star, als das Buch Ende 1979 erschien. Sechs Jahre vorher hatte er “Momo“ veröffentlicht, die bis heute legendäre Geschichte über das kleine Mädchen, das die Zeitdiebe austrickst.

“Eine Insel mit zwei Bergen...„

Und Anfang der 60er Jahre waren die zwei Bände des Kinderbuchklassikers “Jim Knopf“ auf den Markt gekommen. Mehr als zehn Verlage lehnten die Geschichte von Jim, seinem Freund Lukas dem Lokomotivführer, dessen Lokomotive Emma und König Alfons den Viertel-vor-Zwölften ab; der Thienemann Verlag griff zu. Auf Anhieb wird der Roman mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Er wird verfilmt, und eine ganze Generation wächst mit der “Jim-Knopf“-Adaption der Augsburger Puppenkiste auf. Der Erfolg machte Ende, der damals Anfang 30 war, auf einen Schlag finanziell unabhängig. Vorher hatte sich jahrelang niemand für seine Arbeit interessiert - ein Schicksal, das er mit seinem Vater Edgar teilte. Edgar Ende war einer der ersten surrealistischen Maler Deutschlands; erst in der Zeit nach 1945 fand sein Werk Aufmerksamkeit und Würdigung.

Starke Prägung durch den Vater

Sohn Michael hat die Arbeit des Vaters stark geprägt, wie sich am deutlichsten in seiner surrealistischen Geschichtensammlung “Der Spiegel im Spiegel“ (1983) zeigt. Zwtl: Verärgert über “Eskapismus“-Kritik Michael Ende kam am 12. November 1929 in Garmisch-Partenkirchen zur Welt. Zwei Jahre nach seiner Geburt zog die Familie nach München um. Seine Kindheit und Schulzeit war geprägt vom Terror der Nationalsozialisten. Endes Vater erhielt als “entarteter Künstler“ Berufsverbot; die Mutter musste Mann und Kind durchbringen. Unter den Nachbarn, Freunden und Bekannten befanden sich viele NS-Gegner oder Juden, die deportiert wurden. In den letzten Kriegsmonaten erhielt Ende, gerade einmal 15 Jahre alt, einen Einberufungsbefehl. Er ignorierte ihn und versteckte sich bei seiner Mutter. Als Kurier war er für die Widerstandsbewegung “Freiheitsaktion Bayern“ aktiv. Nach dem Abitur begann Ende eine Ausbildung an der Münchner Schauspielschule Otto Falckenberg und war später als Schauspieler an mehreren Landesbühnen tätig.

Erst Kindergeschichten brachten den Durchbruch

Seine Leidenschaft gehörte schon damals dem Schreiben, er verfasste ein Theaterstück, für das sich aber niemand interessierte. Anfang der 50er Jahre arbeitete Ende als Filmkritiker für den Bayerischen Rundfunk, verfasste Sketche und Chansons, führte auch manchmal Regie am Theater. Doch der Durchbruch blieb aus. Ein Freund brachte ihn schließlich auf die Idee, mal etwas ganz anderes zu machen, nämlich ein Kinderbuch zu schreiben. Es entstand “Jim Knopf“. Von 1970 bis 1985 lebte Ende, inzwischen mit der Schauspielerin Ingeborg Hoffmann verheiratet, in Genzano südlich von Rom. Anlass für den Wegzug war unter anderem Endes Verärgerung über Kritiker, die ihm und anderen Vertretern der fantastischen Literatur Eskapismus vorwarfen. “Wenn ich Geschichten schreibe, die einen kindlichen Tonfall anschlagen, dann gerade, weil ich das Unerträgliche kennengelernt habe. Ich will keine Abbildung der Realität im Maßstab eins zu eins. Das halte ich für unmöglich. Jeder Roman ist eine Wirklichkeit an Worten, die ich erschaffe“, sagte er dazu später in einem Interview. Nach dem Tod seiner Frau 1985 kehrte Ende nach München zurück und fand ein spätes Glück an der Seite der Japanerin Mariko Sato, der 1989 heiratete. Am 28. August 1995 starb Ende im Alter von 64 Jahren in einem Stuttgarter Krankenhaus an den Folgen einer Krebserkrankung.

Wichtig Werke

“Momo“ und “Die unendliche Geschichte“ sind die bekanntesten Werke von Michael Ende. Aber der 1995 gestorbene Schriftsteller, der am 12. November 80 Jahre alt würde, hat zahlreiche weitere Romane verfasst. Im folgenden ein Überblick über seine Bücher: - “Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (1960) - “Jim Knopf und die Wilde 13“ (1962) - “Momo“ (1973) - “Lirum Larum Willi Warum“ (1978) - “Das Traumfresserchen“ (1978) - “Die Unendliche Geschichte“ (1979) - “Die Schattennähmaschine“ (1982) - “Der Spiegel im Spiegel. Ein Labyrinth“ (1983) - “Norbert Nackendick oder Das nackte Nashorn“ (1987) - “Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ (1989) - “Die Geschichte von der Schüssel und vom Löffel“ (1990) - “Das Gefängnis der Freiheit. Erzählungen“ (1992) - “Zettelkasten. Skizzen & Notizen“ (1994) - “Die Zauberschule und andere Geschichten“ (1994)

AP

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