Singt Rebecca (13) den schlechtesten Song aller Zeiten? 

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Kalifornien/USA - Eine 13-Jährige schreibt einen Song, dreht ein kleines Video dazu, lädt es auf YouTube hoch - und wird zu einer der meistgeklickten und meistgehassten Personen des Internets.

Rebecca Black ist ein ganz normaler Teenager. Sie liebt Justin Bieber und glaubt wie so viele, dass sie richtig gut singen kann. Im Januar dieses Jahres geben ihr die Eltern rund 2000 Dollar (1400 Euro), damit sie ein kleines Video zu ihrem kleinen selbstkomponierten Song "Friday" drehen kann. Kurze Zeit später ist das Mädchen mit der Ausstrahlung eines Disney-Kinderstars die neueste Internet-Sensation:

Unfassbare 92 Millionen Mal ist das Video seit seinem Erscheinen geklickt worden - und das ist erst zwei Monate her! Das schafft sonst nur eine Lady Gaga. Über iTunes und andere Plattformen wurde der Titel in der ersten Woche rund 43.000-mal kostenpflichtig heruntergeladen. In der Chartwoche ab 28. März 2011 debütierte das Lied auf Platz 72 der Billboard Hot 100. Zwischenzeitlich wird "Friday" als Klingelton angeboten, in den iTunes-Charts stand der Song auf Platz 13. Fernsehsender reißen sich um ein Interview mit der Kalifornierin, sogar das alterwürdige Musikmagazin "Rolling Stone" berichtete über das Phänomen.

Über 238 000 User haben das harmlose Liedchen, in dem Black ihren Alltag beschreibt, positiv bewertet - aber die überwältigende Mehrheit (über 1,8 Millionen Web-Nutzer!) stimmte mit einem nach unten gerichteten Daumen. Somit befindet sich das Video weltweit auf Platz eins der Videos mit den meisten Negativbewertungen!

In den fast 2 Millionen Kommentaren wird über die 13-Jährige und ihre Komposition überwiegend hemmungslos abgelästert. "Friday" wird als "schlechtester Song aller Zeiten", "bizarr" und "unbeholfen" bezeichnet. Doch diese Kritik ist noch vergleichsweise harmlos. Sogar mit dem Attentat auf das Wold Trade Center wird das Lied verglichen. Im Schutz der Anonymität des Internet schrecken die gnadenlosen Zuschauer nicht einmal vor Morddrohungen und Todeswünschen gegen das Mädchen zurück! Das Schlimmste, was sie an harten Kommentaren gelesen habe, sei “ich hoffe, Du stirbst“ gewesen, bekannte Black in einem TV-Interview.

Sehen Sie hier das Video  

Doch warum die ganze Aufregung?

"Friday" gilt vielen als herausragendes Beispiel für eine peinliche und talentfreie Darbietung, von denen das Internet wahrlich nicht wenige kennt. Während die Stimme von Miss Black sicher nicht gerade als sensationell zu bezeichnen ist, hat man doch schon wesentlich Schlechteres gehört. Gegen die Vorrunden-Ausscheider der diversen TV-Casting-Shows ist das Geträller jedenfalls geradezu ein Ohrenschmaus.

Der Text jedoch ist zugegebenermaßen an Trivialität schwer zu überbieten. Eine Übersetzung der wichtigsten Textpassagen finden sie weiter unten.

Auch eine unplugged-Version konnte die Millionen selbsternannten Kritiker nicht vom Talent der Nachwuchs-Sängerin überzeugen. Mittlerweile kursiert eine große Anzahl von skurrilen Coverversionen und witzigen Parodien des Stücks im Internet. So bekommt man einen Eindruck, wie es klingen würde, wenn - ausgerechnet! - Bombast-Rocker Meat Loaf oder Folk-Legende Bob Dylan das Liedchen singen würden. Oder wie ein Shakespeare-Mime die banalen Zeilen auf melodramatische Weise interpretiert. Es fehlt auch nicht die Senioren-Version (Textauszug: "Ich sitze auf dem Klo. Muss mich entscheiden: Soll ich mich kratzen oder das Toilettenpapier falten? Ich hab wohl Alzheimer!")

Rebecca Black lässt sich davon aber nicht beirren. Mittlerweile hat sie einen Manager, der angeblich von mehreren Songwritern und Labels mit Ideen für weitere Veröffentlichungen und Alben kontaktiert wurde. In einem Interview mit der britischen Tageszeitung The Sun kündigte Black an, ein neues Lied mit dem Titel LOL (Internet-Abkürzung für "laughing out loud", also "laut lachen") aufzunehmen. Stilistisch soll der neue Hit in die gleiche Richtung gehen wie der alte. 

Die Internetgemeinde, sowohl Rebeccas Fans als auch ihre Gegner, wird das freuen.

Rebecca Blacks "Friday" übersetzt

"7 Uhr früh, ich wache auf, muss frisch sein, muss nach unten gehen, meine Schüssel Frühstücks-Flocken essen. Ich sehe alle, die Zeit schreitet voran, tickt immer weiter, alle beeilen sich. Ich muss runter zur Bushaltestelle, muss meinen Bus erwischen. Ich sehe meine Freunde (meine Freunde)."

Zum besseren Verständnis: Im Video fahren hier ihre Freunde in einem Auto vor. Übrigens sind sie nicht angeschnallt, was zu einem weiteren Sturm der Entrüstung führte. Doch weiter im Text:

"Soll ich mich auf den Beifahrersitz hocken oder auf die Rückbank? Ich muss mich entscheiden. Wohin soll ich mich setzen?"

Die ganz normalen Alltagssorgen eines Teenies eben. Dass sie gerade noch den Bus nehmen wollte, hat Black in der Zwischenzeit offensichtlich vollkommen vergessen.

Im Refrain verrät Black, dass ihr Partys und Spaß außerhalb der Werktage extrem am Herzen liegen: "Es ist Freitag, Freitag. Muss den Freitag in Angriff nehmen. Jeder freut sich auf das Wochenende, Wochenende. Party! Party! (Yeah!) Party! Party! (Yeah!) Spaß, Spaß, Spaß, Spaß!"

Im weiteren Verlauf genießt die 13-Jährige die Autofahrt: "7:45, wir fahren auf dem Highway. Wir düsen so schnell, ich will, dass die Zeit fliegt. Spaß, Spaß, ich denke an Spaß, Du weißt, was das ist."

Dann wird es mysteriös: "Ich hab das, du hast das. Mein Freund sitzt zu meiner Rechten. Ich hab das, du hast das. Jetzt weißt du es." Die Interpretation dieser Worte wird sicher noch Generationen von Musikwissenschaftlern und Anglisten in den Wahnsinn treiben.  

Kurz darauf bemerkt Black messerscharf: "Gestern war Donnerstag, Donnerstag. Heute ist Freitag, Freitag (Party!)"

Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie diese Tatsache nicht kalt lässt: "Wir, wir, wir sind so aufgeregt, wir sind so aufgeregt. Wir werden heute Spaß haben."

Ihre Kenntnis über den Aufbau des Wochenkalenders beweist sie am Schluss erneut, doch offenbart sie gleichzeitig auch eine pubertätstypische Angst vor der Zukunft, verbunden mit dem offensichtlich tief empfunden Wunsch, der Realität zu entfliehen: "Morgen ist Samstag. Und Sonntag kommt danach. Ich will nicht, dass dieses Wochenende je zuende geht."

HN

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