Berlinale: Silberner Bär für Roman Polanski

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Zum Abschluss der Berlinale regnete es wieder Silberne und Goldene Bären.

Berlin - Mit dem Silbernen Bären für die beste Regie wurde auf der 60. Berlinale der in der Schweiz unter Hausarrest stehende Roman Polanski für seinen Politthriller “Der Ghostwriter“ ausgezeichnet.

Auch seine Hauptdarsteller Pierce Brosnan und Ewan McGregor waren der Gala fern geblieben. Stattdessen nahmen die Produzenten den Preis entgegen und richteten eine Botschaft von Polanski aus: “Selbst wenn ich gekonnt hätte, wäre ich nicht gekommen. Denn als ich das letzte Mal zu einem Festival gekommen bin, um einen Preis entgegenzunehmen, bin ich im Gefängnis gelandet.“ Polanski droht in den USA ein Prozess wegen Vergewaltigung.

Der Goldene Bär geht an den türkischen Film “Honig“. Das teilte die Jury der Internationalen Filmfestspiele Berlin am Samstagabend mit. Regisseur Semih Kaplanoglu erzählt in “Honig“ von einer Kindheit im ländlichen Anatolien. Nach 46 Jahren gewann damit erstmals wieder ein Film aus der Türkei einen Goldenen Bären.

Die mit drei Filmen im Wettbewerb vertretenen Deutschen gingen bei den Hauptpreisen leer aus. “Shahada“ des Deutsch-Afghanen Burhan Qurbani bekam immerhin den Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater. Die Darstellerpreise wanderten nach Japan und Russland. Den Großen Preis der Jury erhielt der Rumäne Florin Serban für das Jugenddrama “Wenn ich pfeifen möchte, pfeife ich“. Der Film wurde außerdem mit dem Alfred-Bauer-Preis gewürdigt.

Bilder: Die Gewinner der 60. Berlinale

Bilder: Die Gewinner der 60. Berlinale

Die Türkei hatte zuletzt im Jahr 1964 mit dem Melodram “Trockener Sommer“ von Ismail Metin den Goldenen Bären gewonnen. 2004 holte der Deutsch-Türke Fatih Akin mit der deutschen Produktion “Gegen die Wand“ den Hauptpreis. “Honig“ ist nach “Milch“ und “Ei“ der Abschluss einer autobiografisch geprägten Trilogie über Yusuf als kleinen Jungen, Studenten und alten Mann. In dem ganz ohne Musik gedrehten “Honig“ spielt die Natur eine der Hauptrollen. Traumwandlerisch schöne, ruhige Bilder zeigen den Kosmos des Kindes, seine Hoffnungen, Sehnsüchte und Ängste. Der Film ist eine deutsch-türkische Koproduktion. “Honig“ erhielt auch den Kirchenpreis der ökumenischen Jury.

Der Silberne Bär für die beste Schauspielerin ging an die Japanerin Shinobu Terajima. Sie spielt in dem Antikriegsfilm “Caterpillar“ (Raupe) von Koji Wakamatsu eine junge Ehefrau, die ihren sadistischen Ehemann pflegen muss, als dieser ohne Arme und Beine aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrt. Den Preis für die besten männlichen Darsteller teilen sich die Russen Grigori Dobrygin und Sergej Puskepalis. Sie spielen in Alexei Popogrebskys “How I Ended This Summer“ (Wie ich diesen Sommer zu Ende brachte) zwei Männer auf einer einsamen Wetterstation in der Arktis.

Für seine Kameraführung in dem Film erhielt Pavel Kostomarov einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung. Den Preis für das beste Drehbuch gab es für den chinesischen Regisseur Wang Quan'an, der mit seiner Tragikomödie “Tuan Yuan“ (Getrennt zusammen) die Berlinale eröffnet hatte. Er erzählt von einem Ex-Soldaten, der einst vor den chinesischen Kommunisten nach Taiwan floh und bei einer Reise in die alte Heimat seine ehemalige Geliebte wiedertrifft.

Zur siebenköpfigen Jury unter Vorsitz von Regisseur Werner Herzog gehörten auch Hollywoodstar Renée Zellweger und die deutsche Schauspielerin Cornelia Froboess. “Die Jury war klasse“, sagte Herzog kurz vor der Verleihung. “Wir haben relativ schnell ein Ergebnis gehabt, bestimmt schneller als jede andere vor uns.“ 20 Filme aus aller Welt waren in der offiziellen Bären-Konkurrenz.

dpa

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