Leandros' 60. Geburtstag

Raten Sie mal, wo Vicky noch nie war...

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Vicky Leandros hat am Donnerstag Geburtstag.

Berlin - Vicky Leandros wird an diesem Donnerstag 60 Jahre alt. Mit einer Reise könnte man ihr ein besonderes Geschenk machen. Denn in einer Stadt war die Sängerin noch nie.

In Lodz war Vicky Leandros noch nie - weder mit noch ohne Theo. Dabei brachte der aus Griechenland stammenden Schlagersängerin der Gassenhauer „Theo, wir fahr'n nach Lodz“ den größten Hit ihrer Jahrzehnte langen Karriere ein. So schrieb der „Spiegel“ 1974 schon wenige Wochen nach ihrem ersten TV-Auftritt mit jenem Titel: „Wenn gegenwärtig in der Bundesrepublik jemand "Theo" sagt, kommt unweigerlich die Antwort: "Wir fahr'n nach Lodz." Mit dem Song gleichen Titels hat die Hamburger Griechin Vicky Leandros, 24, einen Schlager-Slogan als geflügeltes Wort durchgesetzt - für die Unterhaltungsindustrie das Gütesiegel höchster Popularität.“

In der „Bild“-Zeitung gab Leandros nun kurz vor ihrem Geburtstag am Donnerstag (23. August) zu, die polnische Stadt noch nie besucht zu haben. „Aber mit "Bild" fahr ich da mal hin - versprochen!“, sagte sie in dem Interview, das die Zeitung als ihre „Lebens-Beichte“ zum 60. Geburtstag veröffentlichte. Nach anderen Quellen hat sie den 60. zwar bereits seit einiger Zeit hinter sich, und auch in dem „Spiegel“-Bericht vom 5. August 1974 war sie bereits 24 - auf ihrer Internetseite fehlt das Geburtsjahr. Einen kurzfristig in Hamburg angekündigten Pressetag zum runden Geburtstag sagte ihre Agentur dann kurz vor Beginn aus Krankheitsgründen wieder ab.

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„Dankbarkeit“ empfinde sie angesichts der 60, sagte sie in dem Interview. „Aber es ist schon auch ein Weckruf: Du entdeckst plötzlich die Begrenztheit des Lebens. Nichts ist ewig. Das macht jeden Tag zum Geschenk.“ Rückblickend bereue sie, dass sie nicht mehr um ihre Ehe gekämpft habe: 1986 war sie mit ihrer Hochzeit zur Freifrau von Ruffin geworden - 19 Jahre später trennte sie sich von ihrem Mann. Inzwischen gebe es einen neuen Mann in ihrem Leben („Doch wir lassen uns Zeit“), und ihrer Zufriedenheit sowie einer Stunde Sport täglich verdanke sie ihr Aussehen: „Nichts ist geliftet. Alles Natur. Aber ich für mich würde auch nie nie sagen.“

Mehr als 50 Jahre ist es jetzt her, dass die auf der Insel Korfu geborene Vassiliki Papathanassiou nach Hamburg kam. Wenig später lassen sich ihre Eltern scheiden, das Mädchen bleibt bei seinem Vater. Dessen Vornamen Leandros gibt sie sich in der Öffentlichkeit erst später als Nachnamen - in den ersten Jahren steht auf ihren Plattencovern nur ganz schlicht „Vicky“. Ihren ersten Hit landete sie schon als Teenager 1965 mit „Messer, Gabel, Schere, Licht“. Sie hat ihren ersten Auftritt im deutschen Fernsehen, zusammen mit ihrer Schulklasse, und erhält 200 Mark als Gage - es wurde der Auftakt zu einer großen Karriere.

Leandros arbeitete auch mit Scooter-Frontmann Baxxter zusammen

Mehr als 55 Millionen Platten habe sie in all den Jahren verkauft und Titel in mehr als 50 Ländern veröffentlicht, heißt es auf ihrer Internetseite. Dazu kamen ein Sieg beim Grand Prix mit „Après toi“ („Dann kamst du“) 1972. Fünf Jahre zuvor hatte sie mit „L'amour est bleu“ den vierten Platz belegt. Beide Male ging sie für Luxemburg an den Start. Als sie es im Jahr 2006 noch einmal für Deutschland versuchen wollte, scheiterte sie beim Vorentscheid an der Countryband Texas Lightning. Die zweimal Verheiratete, die seit 2005 getrennt lebt, legte immer wieder Pausen vom Showgeschäft ein - vor allem für die Erziehung ihrer drei inzwischen erwachsenen Kinder.

Auch in den vergangenen Jahren war Leandros auf Tour, arbeitete mit jüngeren Kollegen zusammen - etwa mit Xavier Naidoo für ihr Album „Möge der Himmel“ (2009) - und nahm mit Scooter-Frontmann H.P. Baxxter „L'amour est bleu“ neu auf. Sie lebte mit der Familie auf Gut Basthorst bei Hamburg, dann in Berlin und nun wieder in Hamburg - Griechenland blieb die Frau mit doppelter Staatsbürgerschaft dennoch eng verbunden. Dort unternahm sie einen Ausflug in die Politik: 2006 wurde die parteilose Sängerin Stadträtin in der Hafenstadt Piräus, gab das Amt zwei Jahre später aber wieder auf.

"Nur sind nicht alle Griechen Betrüger und korrupt"

Vor allem um ihre griechische Heimat und die dortige Krise ging es in jüngeren Interviews immer wieder. „Mein Griechenland geht zugrunde“, sorgte sie sich nach einem Besuch mit „Bild“ in Athen. Schlagzeilen wie „Nehmt den Pleite-Griechen den Euro weg“ sehe sie ein bisschen nüchterner und differenzierte, sagte sie dem „Tagesspiegel“. „Es mag sein, dass etwas Wahres dran ist. Nur sind nicht alle Griechen Betrüger und korrupt.“ Und in der „Welt am Sonntag“ bekannte sie, dass sie Angst und Sorge um das Land habe. Sie wehrte sich gegen Pauschalisierungen und beschrieb sich als Kombination: „Mit dem Herzen bin ich Griechin und habe doch eine deutsche Seele.“

dpa

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