Mitgliederversammlung der Freunde des Klosters Haina

125000 Euro teures Konzept: Per „Videowalk“ durch Kloster

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Haina (Kloster) - Moderne Technik im alten Gemäuer: 800 Jahre nach der Grundsteinlegung soll 2015 rund um die Hainaer Kirche zwar kein „Jahrmarkt“ veranstaltet werden, mit der Zeit wollen die Klosterfreunde dennoch gehen. Es stehen grundlegende bauliche und konzeptionelle Änderungen an.

„Sie werden heute Räume betreten, die für die Öffentlichkeit seit Jahrhunderten nicht zugänglich waren“, versprach Peter Lein seinen Freunden des Klosters Haina zu Beginn der Mitgliederversammlung. Und entsprechend groß war dann auch die Spannung. Doch ehe das Geheimnis gelüftet wurde, erklärte der Vorsitzende die Notwendigkeit eines zeitgemäßen Konzeptes.

Während die Mitgliederzahl mit 197 seit Jahren etwa konstant ist – zwölf Austritten standen 2013 zehn Neuaufnahmen gegenüber –, hat das Interesse der Besucher an der Klosterkirche stark nachgelassen. Wurden 2011 noch 6623 Gäste gezählt, waren es 2013 nur noch 4667. „Das war ein miserables Jahr.“ Im Tischbein-Haus schauten sich sogar nur 1343 Gäste um. Auch die geführten Rundgänge durch Kirche und Kreuzgang waren weniger gefragt als sonst.

Barrierefreier Rundgang

Wenngleich der Vorstand von dieser Entwicklung 2013 überrascht wurde, überlegen die Freunde des Klosters Haina mit Lein, Schatzmeister Wilhelm Helbig und dem Leiter der Stiftungsforsten Kloster Haina, Manfred Albus, bereits seit drei Jahren, wie Missstände zu beheben sind. Ein bekanntes Problem: der fehlende barrierefreie Rundgang durch Kirche und Kreuzgang. Eher zufällig kam es dann zum Kontakt mit Professoren der Kunsthochschule der Universität Kassel. Deren Fazit: „Das Tischbein-Museum können Sie vergessen“, zitierte Helbig aus dem Gespräch. Es seien zu wenige Originale vorhanden, um mehr Menschen zu locken. Zudem sei die Differenz zwischen Besuchern der Kirche und des Tischbeinhauses ein Beleg, dass das Konzept nicht stimmig ist.

An der Lösung haben Vitos und auch die Denkmalpflege entscheidenden Anteil. Durch strukturelle Änderungen bei den Kliniken werden Räume im ehemaligen Kloster frei. Vitos hat dem Verein angeboten, den westlichen Teil der ehemaligen Schuhmacherei (Lesegang des Klosters) sowie den Raum hinter dem derzeit vermauerten Kirchenzugang für die Konversen – die Laienmönche – zu nutzen.

Bei dem Rundgang schilderte Albus das künftige Konzept: Das Hauptportal wird für Besichtigungen geschlossen, der Zutritt erfolgt durch einen Eingang im Kreuzgang – gegenüber der Cafeteria. In einem dort frei werdenden Raum werden die Kasse und ein Kiosk eingerichtet. „Unser Ziel ist ein barrierefreier Rundgang durch Klosterkirche und Kreuzgang.“ In einem angrenzenden Raum wird die Tischbein-Ausstellung untergebracht. In der Verlängerung des nördlichen Kreuzgangs sollen die Exponate des Tischbein-Museums Platz finden. In einem Vorraum werden die beiden Skulpturen aus dem 14. Jahrhundert ausgestellt, die im Kuhstall des Gutshofes gefunden wurden. Multimedialer RückblickDieser Raum bietet sich auch für eine neue Idee an: multimediale Rückblicke auf die Zeit des Klosterbetriebs. Die Fixpunkte eines jeden Zisterzienserklosters seien der Kreuzungspunkt von Lang- und Querhaus sowie das Brunnenhaus – das es in Haina nicht mehr gibt. „In einer Animation könnte gezeigt werden, wie das Kloster in seinem Urzustand aussah“, schilderte Albus. Der größte Clou, der das Konzept stimmig macht: Der alte Konversen-Eingang wird aufgebrochen – der Zutritt zur Klosterkirche ermöglicht. Dieser Durchgang wurde im 18. Jahrhundert zugemauert. Er befindet sich nur wenige Schritte neben dem Kiosk am Hauptportal.

Unterstützung bei der Umsetzung erhalten die Klosterfreunde durch die Kunsthochschule, die eine moderne Ausstellung über die Malerfamilie Tischbein in Verbindung mit dem Kloster und den heutigen Vitos-Einrichtungen erarbeiten wird. Fachleute der Studiengänge Kunstwissenschaft und Visuelle Kommunikation sollen daran beteiligt sein. Denn geplant ist unter anderem ein Videowalk, der die Besucher interaktiv durch die Klosteranlage führt. „Wir hoffen, dass wir damit auch junge Leute ansprechen“, betonte Lein. Bislang seien unter den Besuchern kaum Jugendliche. Der Vorstand hofft, dass dank der modernen Technik auch Schulklassen den Weg in das Kloster finden.

Für die Umsetzung haben sich die Klosterfreunde in Absprache mit dem Denkmalschutz einen straffen Zeitplan gesetzt. Die Fertigstellung ist rechtzeitig zum Jubiläumsfest am 14. Juni mit einem Festgottesdienst mit Bischof Martin Hein geplant.

Auch aus finanzieller Sicht sind die Pläne ein Kraftakt. Der Architekt beziffert die Gesamtkosten auf 125 000 Euro. Die größten Einzelposten: 5000 Euro für die Beschilderung der Kirche und des Kreuzgangs, 15 000 Euro für einen Audio-Guide, 15 000 Euro für die Tischbein-Präsentation, 7000 Euro für die Restauration der beiden Skulpturen, 20 000 Euro für den Einbau eines Fahrstuhls für Rollstuhlfahrer – auf dem Rundgang muss eine siebenstufige Treppe überwunden werden – sowie 15 000 Euro für die Restaurierung der Räume. Die Klosterfreunde hoffen auf auf Spenden.

Erlöse aus Veranstaltungen im Jubiläumsjahr wird es kaum geben. Lein berichtete von Ideen Einzelner, etwa einen Mittelaltermarkt zu organisieren. „Aber wir bleiben bei unserem Konzept: Unsere Veranstaltungen sind solide und gediegen. Wir machen keinen Jahrmarkt daraus.“

Von Rouven Raatz

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