Beide Männer verurteilt

Prozess: 20-Jähriger vergewaltigt Freundin, Bekannter filmt

Frankenberger Land/Marburg. Wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung hat das Marburger Amtsgericht zwei junge Männer aus dem Frankenberger Land verurteilt. Sie filmten die Tat.

Der eine soll seine Freundin vergewaltigt, der andere die Tat mit der Digitalkamera gefilmt haben.

Die Staatsanwaltschaft warf dem 20-Jährigen und dem 21-Jährigen vor, in der damals gemeinsamen Wohnung im Frühsommer 2012 die Freundin des Jüngeren mit Schals nackt an ein Bett gefesselt zu haben. Der 20-Jährige habe dann erste sexuelle Handlungen an dem Opfer vorgenommen und dabei ein Messer über ihren Körper geführt. Später habe er die sich wehrende Frau vergewaltigt.

Der 21-Jährige habe alles mit der Digitalkamera gefilmt und durch seine Anwesenheit zu der gemeinschaftlichen Tat beigetragen. Laut Anklage hat die Frau Anzeige erstattet, nachdem der Film von ihrem Freund in Umlauf gebracht worden war.

Nach anfänglichem Schweigen gestanden die beiden Angeklagten die Tat. Zuvor war unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Film gezeigt und die Frau als Zeugin vernommen worden. „Er bedauert es sehr, dass er den Zeitpunkt verpasst hat“, erklärte Verteidiger Eckhardt Jung für den 20-Jährigen. „Es hätte ihm klar sein müssen, dass sie wirklich nicht mehr wollte“.

Und Rechtsanwalt Sascha Marks sagte für seinen Mandanten, „er hat versucht, besonders genau zu filmen und nichts getan, es zu beenden.“ Er habe den Film aber nicht weitergeben wollen, beteuerte der Jüngere. Vielmehr habe ein Bekannter ihn einfach von dem Computer kopiert.

Staatsanwältin Annemarie Petri verwies in ihrem Plädoyer darauf, dass die junge Frau sich nicht mehr erinnern konnte, wie alles angefangen habe. Auch der Film zeige erst ab etwa der Hälfte die Gegenwehr und ihr Betonen, dass sie das nicht wolle. Es sei daher nicht auszuschließen, dass der Beginn einvernehmlich gewesen sei.

Klar sei, so Petri, dass beide Angeklagten gleich hoch verurteilt werden müssten. Zwar habe nur einer den Geschlechtsverkehr vollzogen, aber durch das Filmen habe der andere sich an der Straftat beteiligt und es durch das unterlassene Helfen für das Opfer noch schlimmer gemacht

Als „scheußliches Geschehen“ bezeichnete Anwältin Regina Ingenbleek als Vertreterin der Nebenklage die Tat. Sie hoffe, dass die jungen Männer durch die Verurteilung ihr Verhältnis zu Frauen überdenken würden. „Sie wird ihr Leben lang daran zu knabbern haben“, sagte sie über ihre Mandantin.

Das Gericht folgte mit jeweils zweijährigen Jugendstrafen den Anträgen aller Beteiligten. Staatsanwältin Petri hatte darauf verwiesen, dass nur das späte Geständnis überhaupt noch ein bewährungsfähiges Strafmaß möglich gemacht habe, weil dies dem Opfer zeige, dass ihm geglaubt werde. Die Bewährung sei möglich, so das Gericht, weil die Angeklagten nicht vorbestraft seien und seither auch nichts mehr vorgefallen sei.

Als Bewährungsauflage dürfen die Verurteilten ihren Arbeitsplatz nicht kündigen. Damit, so der Vorsitzende, Richter Thomas Rohner, bleibe gewährleistet, dass die Frau das in einem Vergleich vereinbarte Schmerzensgeld in Höhe von 8000 Euro auch erhalte.

Weil alle Beteiligten Rechtsmittelverzicht erklärten, ist das Urteil rechtskräftig.

Von Heiko Krause

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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