Gutachten spricht von ausgeprägter Pädophilie beim Erzieher

26-Jähriger gesteht sexuellen Missbrauch an drei Kindern

Marburg/Frankenberger Land. Vor dem Marburger Landgericht hat ein 26-jähriger Sauerländer insgesamt 18 sexuelle Missbrauchsfälle an drei Kindern unter zehn Jahren gestanden.

Ein psychiatrisches Gutachten spricht von ausgeprägter Pädophilie bei dem Erzieher, sodass weitere Gefahr von dem Mann ausgehe.

Dem Angeklagten droht im Falle einer Verurteilung die endgültige Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt auf unbestimmte Zeit und ein Berufsverbot. Das betonte Richter Thomas Wolf am Montag nach Verlesung der Anklageschrift. Vorläufig ist der 26-Jährige bereits in Gießen untergebracht. In den meisten Fällen fotografierte oder filmte der Angeklagte seine Taten, weshalb sie ihm leicht nachzuweisen waren. Der Sachverständigen gegenüber gab er zu, dass es in Wirklichkeit wohl noch mehr Fälle waren.

Ihm wird vorgeworfen, sich 2012 insgesamt fünf Mal an der damals sieben- bis achtjährigen Tochter seiner Freundin vergangen zu haben. Im Folgejahr hat er laut Anklage im Rahmen seiner Berufsausbildung in einem nordhessischen Kinderheim einen Neunjährigen sechs Mal missbraucht. Und 2014 soll es zu insgesamt zwölf weiteren Übergriffen an einem achtjährigen Jungen gekommen sein, bei dessen Familie der Angeklagte im Frankenberger Land zu Besuch war.

Ende 2012 gab es bereits eine Anzeige im Fall des Mädchens: Die Mutter hatte gesehen, wie er das Kind auf der nackten Brust küsste, allerdings sei damals das Verfahren eingestellt worden, so der Angeklagte, er habe seine deshalb unterbrochene Ausbildung zum Erzieher beenden können. Letztlich hatten sich die Kinder aber allesamt offenbart.

Damals habe er Angst gehabt, es zuzugeben, so der Mann. Er habe zwar, seit er 18 ist, gemerkt, sich zu unter zehnjährigen Kindern hingezogen zu fühlen, aber geglaubt sich im Griff zu haben. Heute wisse er, dass dem nicht so war. Er habe die Kinder ausgesucht, weil er zu ihnen einen guten Kontakt hatte und bei ihnen geglaubt, dass sie nichts erzählen. Reinen Tisch mache er jetzt, weil er sich unbedingt helfen lassen wolle: „Ich habe mich schlecht gefühlt, ich habe mich gehasst und ich will, dass so etwas auf keinen Fall wieder passiert.“ Er selbst, so der Angeklagte, sei als Kind ebenso wie zwei Schwestern vom eigenen Vater missbraucht worden.

Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier geht von verminderter Schuldfähigkeit aufgrund der Neigung des Mannes aus. Wie die psychiatrische Sachverständige ausführte, halte sie die Motivation zur Therapie für glaubhaft, sie könne durchaus Erfolg haben. „Ich glaube ihm und er ist intellektuell dazu in der Lage.“ Die Taten habe er lange zuvor bereits in seiner Phantasie unzählige Male durchgespielt“, so die Gutachterin. Und als Kinder, die ihm zugeneigt waren, „zum Greifen nahe waren, da hat er zugegriffen“. Wehtun habe er den Kindern nicht wollen, sich aber nicht mehr kontrolliert. „Er ist unglaublich leicht erregbar.“ In jedem Fall drohten unbehandelt weitere Missbrauchstaten, wenn auch nicht unbedingt an fremden Kindern.

Die Verhandlung wird am 28. Mai fortgesetzt. Dann soll auch ein Urteil fallen. (kse)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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