Mann hat langes Strafregister

36-Jähriger findet 75 Euro in Geldautomat und behält sie - Bewährungsstrafe

Diebstahl: Ein 36-Jähriger aus dem Frankenberger Land musste sich vor Gericht verantworten, weil er im Geldautomat vergessene Banknoten an sich genommen und nicht abgegeben hatte. Wie leicht die Täter identifiziert werden können, berichten Mitarbeiter der örtlichen Banken. Symbolbild: Daum

Waldeck-Frankenberg. Die Überwachungskamera hat ihn überführt: Ein 36-jähriger Mann aus dem Frankenberger Land ist vor dem Amtsgericht Frankenberg zu einer Haftstrafe von vier Monaten verurteilt worden, die zur dreijährigen Bewährung ausgesetzt wird.

Zudem muss der Mann 400 Euro für einen guten Zweck zahlen, konkret an die Frankenberger Tafel.

Grund für die Verurteilung: Der 36-Jährige hatte an einem Sommertag des vergangenen Jahres gegen 22.30 Uhr 75 Euro, die ein anderer Kunde im Ausgabeschacht eines Geldautomaten der Sparkasse Waldeck-Frankenberg vergessen hatte, an sich genommen und behalten.

Richterin Andrea Hülshorst wies in ihrer Urteilsbegründung darauf hin, dass es sich bei dem Vergehen eindeutig um Diebstahl handele. „Auch wenn die Bank an dem Tag bereits geschlossen hatte, hätten Sie immer noch die Möglichkeit gehabt, die 75 Euro später am Schalter abzugeben. Das haben Sie aber bewusst nicht gemacht, sondern das Geld behalten.“

Dass der Fall überhaupt vor Gericht verhandelt wurde, hat folgenden Hintergrund: Der Geschädigte hatte seine Bank darüber informiert, dass seine vergessenen 75 Euro nicht wieder auf seinem Konto gutgeschrieben worden waren. Er war deshalb davon ausgegangen, dass das Geld nicht wie üblich nach einigen Sekunden vom Geldautomaten wieder eingezogen worden war, sondern dass jemand anderes es entwendet haben musste. Der 36-jährige Täter wurde letztlich mit Hilfe der Überwachungskamera überführt - auch weil er kurz nach dem Diebstahl selbst Geld abhob und damit seine persönlichen Daten hinterließ.

Dass der 36-Jährige eine vergleichsweise hohe Strafe erhielt, hatte mit seinem Strafregister zu tun. Zwischen 1997 bis 2013 wurde er mehrfach wegen Diebstahl, Hehlerei, Handel mit Betäubungsmitteln und Erschleichung von Leistungen verurteilt. Zum Zeitpunkt des Diebstahls der 75 Euro aus dem Geldautomaten war er auf Bewährung.

Der Angeklagte gestand die Tat. „Ich habe nicht nachgedacht, als ich das Geld ausgenommen habe. Es war nicht richtig“, sagte er.

Trotz der vielen Vorstrafen setzte Andrea Hülshorst die Strafe zur Bewährung aus. „Sie haben sich mit Ausnahme dieses Diebstahls seit dem Jahr 2013 nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Sie sind berufstätig und haben gute Chancen, eine Festanstellung zu erhalten. Das Geld, das Sie verdienen, fließt in ihre Familie. Wegen 75 Euro werde ich dieses funktionierende soziale Gefüge nicht auseinanderbrechen“, sagte die Richterin, die aber auch deutlich machte: „Jetzt muss endgültig Schluss sein mit solchen Delikten.“

Auch der im Gericht anwesende Bewährungshelfer bestätigte die gute Prognose für den 36-Jährigen, der auch seine Drogenabhängigkeit hinter sich gelassen habe.

 

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Quelle: HNA

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