Mit Rumpelstilzchen und anderen Geschichten verzaubert eine Märchenerzählerin ihr Publikum

Ein Abend mit Märchen und Handwerk

Frankenberg - Die Märchenerzählerin Monika Mosburger hat in der Frankenberger Stadtbücherei Märchen der Brüder Grimm erzählt und die verschiedenen Schritte des Spinnhandwerks dabei veranschaulicht.

"Es war einmal...“, so lautet der Anfang der Grimm‘schen Märchen. Drei davon erzählte Monika Mosburger dem Publikum in der Frankenberger Stadtbücherei. Unter dem Motto „Grimms Märchen am Spinnrad“ hatte die Kreisvolkshochschule zusammen mit der Stadtbücherei am Donnerstag zum Märchenabend geladen. Gaby Lienhop, verantwortlich für den Programmbereich „Kulturelle Bildung“ an der Kreisvolkshochschule, und Barbara Manke, Leiterin der Frankenberger Stadtbücherei, hießen die Gäste willkommen.

Auf dem Programm standen nicht nur Märchen. So gab Mosburger den Zuschauern zuerst einmal einen Einblick in die Flachsverarbeitung. Sie erklärte, dass die Menschen den geernteten Flachs zunächst verrotten ließen, damit er trocknete und faserig wurde.

Märchen vom Perlebitzchen

Der verrottete Flachs wurde dann gebrochen und anschließend gehechelt. Das Hecheln dient zum Reinigen des Flachses. Dabei wird der Flachs über Drahtstifte gezogen, um die Rinde abzutrennen und den Flachs in dünne Fasern zu teilen. Mosburger hechelte dann selbst etwas Flachs, wovon jeder im Publikum einen Strang Fasern bekam, die er mit der Hand zu einem Faden verflechten sollte. Als schließlich alle Zuhörer diese Aufgabe bewältigt hatten, erzählte Mosburger, am Spinnrad sitzend, das erste Märchen. Es klang wie das Märchen vom Rumpelstilzchen, jedoch nannte Mosburger es immer Perlebitzchen. In der anschließenden Diskussionsrunde fragte eine Frau, warum Mosburger immer Perlebitzchen sagte. „Das ist der Name der ursprünglichen Version“, sagte Mosburger. „Die Brüder Grimm haben ihre Märchen immer wieder verändert, um es den aktuellen Umständen anzupassen. Außerdem haben sie die meisten Märchen irgendwo zusammengetragen und sie verändert oder zusammengefügt, um sie dann zu veröffentlichen“, erläuterte sie.

Mosburger erzählte ihre Märchen am Spinnrad sitzend, aber immer wieder unterbrach sie das Spinnen. Dann stand sie auf und malte ihre Geschichten mit vollem Körpereinsatz aus. Weitere Märchen waren die vom „Krautesel“ und die Geschichte „Die drei Spinnerinnen“.

In einer anschließendem Gesprächsrunde verriet Mosburger, warum sie mit dem Märchenerzählen angefangen hat. Sie war zunächst zwölf Jahre lang Lehrerin, bis sie den Beruf nicht mehr ausüben wollte und ein Antiquitätengeschäft in Marburg aufmachte, in dem sie unter anderem Trachten und Leinenprodukte verkaufte. Durch einen Zufall kam sie dazu, Märchen zu erzählen. Dies tat sie zunächst in einem Heimatmuseum. Das Märchenerzählen alleine reichte ihr nicht, und so ließ sie sich von ihrem Sohn das Spinnen beibringen.

„Seit 32 Jahren erzähle ich nun Märchen. Nicht nur die Grimm‘schen Märchen, sondern alle, die mir gefallen. Am liebsten erzähle ich die Märchen, die über eine Stunde dauern“, verriet Monika Mosburger ihren Gästen

Und davon kann sie bestimmt einige erzählen, denn ihr Repertoire umfasse mittlerweile mehr als 250 Märchen und Geschichten. (jbr)

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