Burgwald

Abendliche Liebesgrüße am Telefon

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- Burgwald-Birkenbringhausen (mba). An einem verschneiten 26. März 1951 gaben sich die beiden das Jawort. Kurt Junk hatte an dem Wochenende ausnahmsweise frei bekommen – denn eigentlich hätte er in der Burgwalder Poststelle seinen Dienst tun müssen.

Kurt Junk hat die Tage gezählt, die er mit seiner Helene verheiratet ist: Es sind genau 21 900, sagt er. Damit es jetzt nicht zu Missverständnissen kommt: Kurt ist seiner Helene nicht überdrüssig, auf gar keinen Fall. An seiner Liebe zu ihr besteht kein Zweifel. Kurt Junk ist ein gläubiger Mensch und empfindet es als eine Gnade Gottes, dass sie schon so lange gemeinsam durchs Leben gehen: „Wir sind dankbar, dass wir diesen Tag erleben. Verdient haben wir es nicht“, sagt er bescheiden. Heute feiert das Ehepaar Junk diamantene Hochzeit.

Dass Kurt Junk ausgerechnet hat, wie viele Tage 60 Jahre haben, liegt vielleicht an seinem früheren Beruf: Er war Postbeamter. Und die Deutsche Bundespost in Gestalt von Kurt Junk funktionierte wie ein Schweizer Uhrwerk. Leider nahm der Dienst auch einen großen Teil der Zeit in Anspruch, die Kurt und Helen verheiratet sind – jedenfalls bis zu seiner Pensionierung 1989: „Um die schönsten Jahre hast du mich betrogen“, sagt Helene scherzhaft.

Kurt war tagsüber Posthalter in Burgwald und als solcher für den Schalterdienst zuständig. Außerdem oblag ihm bis 1954 die Vermittlung von nächtlichen Telefongesprächen – er hatte Bereitschaftsdienst in der Poststelle von 19 Uhr abends bis 8 Uhr morgens. Für eine Nachtschicht bekam er 90 Pfennig. So wohnte seine junge Frau die ersten drei Ehejahre quasi allein im Haus der Schwiegereltern. Aber das Telefon stand neben ihrem Bett: „Die ersten Jahre haben wir jeden Abend telefoniert. Die Gespräche waren kostenlos“, sagt sie. „Es sind aber auch viele Tränen geflossen, wenn man so allein ist.“

Ab 1952 war sie dann nicht mehr allein: Da wurde Tochter Doris geboren, gefolgt von Ortfried 1956 und dem „Nesthäkchen“ Gabriele 1960. So hatte sie drei kleine Kinder zu versorgen. Auch um die jüngeren Brüder ihres Mannes kümmerte sie sich, bis die selbstständig und „aus dem Haus“ waren. Den bettlägrigen Schwiegervater pflegte sie und später die kranke Schwiegermutter. Und die Schweine und Ziegen musste sie füttern und die Kartoffeln ernten.

So vergingen 21 900 Tage: Aus Kindern wurden Eltern und aus Kurt und Helene wurden Großeltern. Sechs Enkelkinder im Alter zwischen 17 und 32 Jahren haben die beiden. Und seit drei Monaten auch einen Urenkel: Luca. Aber der wohnt in China. Der älteste Enkel Daniel arbeitet dort für einen großen deutschen Autokonzern. Seine Glückwünsche zur „Diamantenen“ wird Daniel vermutlich telefonisch übermitteln. Zum Glück muss Kurt dafür nicht mehr nachts in die Vermittlung.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 26. März

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